Mathias Kaden - Energetic - Cover
Große Ansicht

Mathias Kaden Energetic


  • Label: Freude am Tanzen/Rough Trade
  • Laufzeit: 55 Minuten
Artikel teilen:
3.5/10 Unsere Wertung Legende
5.1/10 Leserwertung Stimme ab!

Schiefgelaufener Retro-House mit Techno-Charme.

Die deutsche Electronic-Szene ist mindestens so vielfältig wie die Anzahl ihrer Clubs. Zu Tausenden strömen an Wochenenden oder zur Entspannung nach der Arbeit Tanzwütige in die von Stroboskop und Subbässen durchfluteten Räumlichkeiten, immer auf der Suche nach der perfekten Feier, der einzigartigen Mischung aus Entspannung und Erlösung. Ein integraler Bestandteil sind natürlich die DJs, die mit ihren abgestimmten Sets das Zünglein an der Waage zwischen phrenetischer Ekstase und seelenloser Monotonie darstellen. Seit rund zehn Jahren befindet sich auch Mathias Kaden im Rausch der Clubnächte und konnte mit seinem ersten Album „Studio 10“ (09/2009) bereits für einige Aufmerksamkeit sorgen.

Anders als sein Debüt, dessen Aura eher in der entspannten Umgebung des heimischen Wohnzimmers auf dem Sofa mit High End-Kopfhörern für Verzückung sorgte, soll der Nachfolger direkt auf die Tanzflächen des Landes zielen und eine Punktlandung hinlegen. Vielversprechend mit „Energetic“ betitelt, finden sich im multilingualen „Intro“ und dem von Tausendsassa Rocko Schamoni gesprochenen Finale „Energie“ bereits erste Anzeichen auf eine wilde und schweißtreibende Achterbahnfahrt. Dummerweise sorgen die von diesen beiden Nummern eingerahmten Tracks nicht wie im Pressetext angegeben für „einen positiven, zeitlosen Vibe, tief geerdet im Funk und der Würde der frühen House-Jahre“, sondern hinterlassen angesichts der starren Struktur und den geradezu spröden Arrangements für beherzte Langeweile.

Das Motto „Wenige Spuren, voller Energie; Mehr Seele und Geschichte als schnelle Dancefloor-Effekte“ ist zwar stets hörbar und den Kompositionen ist ihre Detroit Techno- und Chicago House-Wurzeln anzumerken, als Tech House-Fusion funktioniert neben dezenter Rave-Ästhetik („Soulmakers“), jaulenden Saxophonen („Rawtone“) und gesampelten Tischtennisbällen („Acatalepsy of rhythm“) aber eigentlich nur wirklich ein Song: „Wisdoms“. Hier geht Kaden nicht nur aufs Ganze und vermischt jazzige Eleganz mit purem House-Flair, er setzt zudem auch auf ein live eingespieltes Schlagzeug und ein famoses Piano-Solo, das die Nummer inmitten der übrigen fahlen und blassen Ideen als herausstechenden, glühend rot pulsierenden Ball erscheinen lässt. Dies ist im Hinblick auf die übrigen, äußerst unbefriedigenden Stücke ein unglaublich heller Lichtstrahl, der vermutlich nicht zum Kauf der kompletten Platte führen wird, zum Glück stellt diese Art portionierten Glücks im Zeitalter von iTunes und Co. aber kein Problem mehr dar.

Anspieltipps:

  • Rawtone
  • Wisdoms

Neue Kritiken im Genre „Electro“
Diskutiere über „Mathias Kaden“
comments powered by Disqus