Son Lux - Bones - Cover
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Son Lux Bones


  • Label: Caroline/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 42 Minuten
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5/10 Unsere Wertung Legende
4.4/10 Leserwertung Stimme ab!

Son Lux erweitert seine Band: In nicht wenigen Momenten zu Ungunsten seiner Musik.

Zum Lied „Alternate World“ vom vorangegangenen Album „Lanterns“ gibt es ein Musikvideo, in dem eine Liebesgeschichte erzählt wird. Das ist erst mal nichts Besonderes. Weder, dass ein Video existiert, noch, dass darin eine Liebesgeschichte erzählt wird. Doch oftmals dienen Videos der Unterhaltung. Bei Son Lux offenbart sich in dem von Jonathan Cohen und Anthony Jorge inszenierten Video all das, was die Band so gut macht. Lotts emotionale Stimme trägt mit dezentem und prägnantem Einsatz der Instrumente das ganze Lied. Nun wiederrum soll etwas „Extremeres“ her, sagte er in einem Interview zum neuen Album.

Der Multiinstrumentalist Lott hat alleine bereits die besten Voraussetzungen um großes zu schaffen. Trotzdem hat er sich für „Bones“ als Verstärkung einen zusätzlichen Gitarristen (Rafiq Bhatia) und einen Drummer (Ian Chang) geholt. Eine Verstärkung, die sich im Nachhinein nur in wenigen Momenten als wirkliche Verstärkung herausstellt. Der neue Sound ist direkter. Es spielt sich nichts im Hintergrund ab. Die Stimme, die Drums, die Synthies, die Gitarre: Alles ist unmittelbar im Vordergrund zu identifizieren. Es fällt zeitweise schwer, eine erkennbare Struktur in den Liedern auszumachen, wenn alle Einflüsse um Aufmerksamkeit ringen. Das muss zwar generell keine Schwäche sein, doch hier wirken dadurch nicht wenige Lieder überladen. Dass diese Veränderung aber notwendig gewesen sei, macht Lott mit den ersten Worte des Albums deutlich: „This moment change is everything“.

Nur mit dieser Veränderung hat sich Lott keinen Gefallen getan und muss selbst erst einmal tief durchatmen. „Breathe In“ und „Breathe Out“ bilden den Rahmen des Albums. Ein netter Einfall, den es in der Form vermutlich noch nicht gegeben hat. In einem Atemzug erzählt Lott uns also sein Album. Die vermeintliche Strukturlosigkeit spielte schon auf dem Vorgängeralbum eine große Rolle, wo vornehmlich die Lieder der ersten Hälfte des Albums stark an das im positiven Sinne wahnsinnige „The Age Of Adz“ von Sufjan Stevens erinnerten. Dieser Wahnsinn ist auf „Bones“ eindeutig aufgebraucht. Der Wahnsinn ist in Chaos umgeschlagen. Lediglich vereinzelte Momente lassen an „Lanterns“ aus 2013 erinnern, wie „Flight“ oder „You Dont Know Me“. Und die Erinnerung drängt sich auf, ist der neue Sound zwar eigenständig, aber nicht immer ganz verständlich.

Momente der Stille und Spärlichkeit bleiben nicht außen vor, sind aber (leider) eindeutig in der Unterzahl. Denn zum einen wird gerade in ihnen das Potential hörbar und zum anderen entschleunigen sie wohlwollend das sonst hohe Tempo. „Undone“ ist das kompletteste Lied des Albums, welches es versteht, alle musikalischen Einflüsse in einem beglückenden Finale enden zu lassen. Die treibenden Drums von Chang treffen auf die Gitarre von Bhatia. Jedes Instrument wird gewürdigt und hat seine Berechtigung. Wenn zum Ende nur Lotts Stimme und die Klavieranschläge hörbar sind, wird klar, dass die Reduktion eigentlich Son Lux‘ größte Stärke ist. Immerhin ist es zumindest in einer Hinsicht ein Meisterwerk. Denn wer 42 Minuten die Luft anhalten kann, dem gebührt Anerkennung.

Anspieltipps:

  • Flight
  • Undone

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