Sido - VI - Cover
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Sido VI


  • Label: Urban/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 57 Minuten
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6/10 Unsere Wertung Legende
6/10 Leserwertung Stimme ab!

Ein routiniertes Album, bei dem irgendwie die Leidenschaft auf der Strecke geblieben ist.

Seine Maske hat Sido (34) schon vor längerer Zeit abgelegt. Denn aus dem Alter für diese kleinen Albernheiten ist der Berliner Rapper endgültig raus. Soll sich doch Cro zum Affen, bzw. zum Panda-Bärchen machen. Nicht dass Sido seinen Humor verloren hätte. Doch im Laufe der Jahre ist er mit seinen Texten auch zu einem politischen Sprachrohr geworden. Jemand, der nicht nur den Absprung aus dem Ghetto des Märkischen Viertels geschafft hat, sondern auch künstlerisch die Abzweigung in Richtung Popmusik so elegant vollzogen hat, dass die alte Aggro-Berlin-Gemeinde ihren Paule Würdig immer noch lieb hat, selbst wenn er wie auf seinem aktuellen Album „VI“ Deutsch-Pop-Kollegen wie Andreas Bourani und Adel Tawil als Gäste ins Boot holt.

Nur auf diese Weise kann Sido eine immer breitere Hörerschicht ansprechen, die seine Singles und Longplayer kauft und damit sein neues Leben mit Hund, Frau und Kind im Speckgürtel der Hauptstadt finanziert. Sind wir ihm deshalb böse? Nein! Denn auf seine ureigene Art gehört Sido zu den wenigen Storytellern im Rap-Game, denen der Hörer verzeiht, wenn er in Tracks wie „BoomBidiByeBye“, „Astronaut“ und „Zuhause ist die Welt noch in Ordnung“ kalkuliert in Richtung Charts und Radioeinsätze schielt.

Dafür entschuldigen dann Stücke wie „Zu wahr“, „Gürtel am Arm“ oder auch „Zu Straße“, mit denen Sido Stellung bezieht und Hungersnot, Flüchtlingsproblematik, Obdachlosigkeit, Heroinsucht sowie sein eigenes Leben zwischen Block und Villenviertel thematisiert. All zu tief taucht er mit seiner Lyrik dabei freilich nicht. Seine Songs sollen ja auch noch irgendwie unterhalten und bloß keine schlechte Stimmung verbreiten. Mit dieser Maxime, es so vielen Hörern wie möglich recht zu machen, sitzt Sido heuer leider etwas zu sehr zwischen den Stühlen.

Was „VI“ fehlt, sind die Dringlichkeit, die Originalität, der schelmische Humor und die Aha-Momente, sprich alles, was einem soliden Album den entscheidenden Kick gibt, um die nächst höhere Stufe zu erklimmen. Damit ist „VI“ beileibe kein schlechtes Album, sondern einfach das Ergebnis eines vielleicht etwas zu routinierten Arbeitsprozesses, der sich regelmäßig alle zwei Jahre wiederholt, wodurch die Leidenschaft irgendwann mal auf der Strecke geblieben ist.

Anspieltipps:

  • Für ewig
  • Löwenzahn
  • Gürtel am Arm
  • Zuhause ist die Welt noch in Ordnung
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