Beach House - Depression Cherry - Cover
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Beach House Depression Cherry


  • Label: PIAS/Rough Trade
  • Laufzeit: 45 Minuten
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4/10 Unsere Wertung Legende
6.6/10 Leserwertung Stimme ab!

Die Ausrede „Dream-Pop“ wackelt.

Einen markanten Soundwechsel haben Beach House bisher nicht vollzogen. Die bisherigen Veröffentlichungen unterscheiden sich nur minimal. Vielleicht sieht die Band von Victoria Legrand und Alex Scally das in absehbarer Zeit auch gar nicht vor, schließlich repräsentieren die beiden mittlerweile wie keine andere Band Musik, die unter der Zuschreibung „Dream-Pop“ verkauft wird. Und vielleicht verlassen die beiden sich unter Umständen auch zu sehr auf diese Zuschreibung, denn nur dem Konzept zu folgen, Dream-Pop zu machen, lässt noch lange keine gute Musik entstehen. Das fünfte Album von Beach House beweist das.

„Depression Cherry“ verzichtet einerseits auf die belebenden Melodien von „Teen Dream“ und andererseits auf die klangliche Dramaturgie von „Bloom“. Auch vom Sound her ist das Album näher mit den ersten beiden Alben der Band verwandt. Die Arrangements sind allgemein viel gradliniger und ohne klassische Strophe & Refrain-Aufteilung. So viel erwartet man bereits von Beach House. Dabei würde ein simpler Refrain wie etwa der von „Other People“ das Album ungemein beleben. Beach House setzen dafür weniger auf Gitarren und stattdessen vermehrt auf Synthesizer.

Die Reduktion der Gitarren hat im Wesentlichen zwei Auswirkungen: Zum einen wirkt der ohnehin schon sphärische Sound der Band noch sehr viel unorganischer und unnahbarer - noch weniger von dieser Welt, oder noch mehr Dream-Pop; wenn man so will. Zum anderen ist er aber auch durchsichtiger. Die einzelnen Liedelemente lassen sich klarer heraushören, wodurch den Liedern eine zuvor noch - zumindest scheinbar - tragende Tiefe verloren geht. Die Shoegaz-Momente der Single „Sparks“ bilden eine Ausnahme. Solange aber gerade dadurch die vom Albumtitel geforderte schwermütige Stimmung erzeugt wird, soll dies kein Vorwurf bleiben.

Beach House haben ihren Sound noch weiter perfektioniert und von allen Zugänglichkeiten gelöst. So klingen Lieder, die weitestmöglich von moderner Popmusik entfernt sind, aber irgendwie noch als Pop bezeichnet werden können. Die großflächigen, unendlich wirkenden Synthies teilen sich mit Legrands Stimme die Hauptaufgaben. Die glücklichsten Momente beschert uns „Depression Cherry“ aber mit kurzen, überlagernden Einschüben, wie dem Gitarrenriff in „Sparks“, den kreisenden bzw. schrillenden Sounds in „Space Song“ und „Beyond Love“ sowie mit den leisen Tastenanschlägen im Opener „Levitation“.

Absolute Zumutungen wiederrum sind „10:37“ und „Days Of Candy“. Im ersten leiten zwei verschiedene Schlagzeugtakte das Lied ein, bis ein leiser Bass im Hintergrund und Synthies dazukommen, die mit gutem Willen noch an die Hintergrundmusik des Kettenkarussells aus „RollerCoaster Tycoon“ erinnern. Letzteres beginnt mit einem hallenden Chor und kathedralischen Synthies, erst in der zweiten Hälfte setzen Drums als Orientierungshilfe ein. Legrands Aussprache und das Langziehen diverser Wörter verschlimmern alles. Auch die Stimme klingt jeweils so synthetisiert und gleichzeitig larmoyant, als würde Legrand irgendwo aus dem Jenseits um Hilfe rufen.

„Mein größtes Glück / ein tiefes Rot“, hieß es in einem Lied von Tocotronic. Allzu schön wäre es in Anbetracht des Plattencovers gewesen, endlich mal Anwendung für diese Formulierung zu finden. Doch eigentlich ist es so: Die Musik von Beach House ist erst im Nachhinein präsent. Wenn sich eine Zufriedenheit einstellt, zwar alles gehört zu haben, aber fortan wieder Musik gehört werden kann, die auch während des Hörens Spaß macht. Hier soll während des Hörens am besten schon nach dem Hören sein: Dieses Gefühl erwecken Beach House wie keine andere Band, so dass die schönste Zeit immer die zwischen zwei Albumveröffentlichungen ist. Und: Alle Lieder des Albums, die mit „S“ beginnen sind immerhin gut.

Anspieltipps:

  • Sparks
  • Space Song

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