OOMPH! - XXV - Cover
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OOMPH! XXV


  • Label: Airforce1/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 55 Minuten
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2/10 Unsere Wertung Legende
6/10 Leserwertung Stimme ab!

Die Welt hat Unheilig und den Grafen tatsächlich überlebt. Doch nun kommen OOMPH! zurück und alles fängt wieder von vorne an.

25 Jahre OOMPH! Wie konnte das nur passieren? Schließlich wird diese Band wie kaum eine zweite von Fans geliebt und von Kritikern regelmäßig in der Luft zerrissen. Doch DERO, FLUX und CRAP haben all die Jahre durchgehalten, sich zu einer sogenannten Major-Band hochgearbeitet und mit ihrem Mix aus Gothic-Rock, EBM, Industrial, Nu-Metal und einer Prise Pop sogar eine mit Gold ausgezeichnete Nummer-1-Single erzielt („Augen auf!“, 2004). Dabei polarisiert die in Wolfsburg gegründete und in Braunschweig ansässige Gruppe heute wie damals mit plakativen Simpel-Texten und Songs, die sich – ob der Hörer will oder nicht – auffällig leicht im Gehör festsetzen. Also müssen wir alle jetzt wohl 25 Jahre OOMPH! feiern.

Nicht weniger als „ihr persönlichstes Album“ kündigen OOMPH! zu den Feierlichkeiten an. Co-produziert von Subway-To-Sally-Drummer Simon Michael und bei den Texten von Michael „Bodenski“ Boden (Gitarrist und Drehleierspieler von Subway To Sally) unter die Arme gegriffen, liefert es 14 neue Tracks an, die sowohl zum Tanzen, als auch zum Nachdenken anregen sollen. Schließlich ist die Band für ihr neues Werk „tief in die eigenen seelischen Abgründe“ eingetaucht und hat dabei „mit ihren inneren Dämonen gerungen“. Heilige Scheiße!

OOMPH! heißen den Hörer nach dreijähriger Schaffenspause mit ihrem typischen, schrecklich komprimierten Ballersound aus harten Metal-Gitarren und Synthesizern willkommen, der unweigerlich Erinnerungen an den LaFee-Sound in der Zeit von 2006 bis 2009 weckt („Alles aus Liebe“). Doch was in den Neunzigern noch als neue deutsche Härte firmierte, wird hier in Schlager-Texte („Jetzt oder nie“) oder noch konsequenter, in schlagertaugliche Melodien umgemünzt („Als wärs das letzte Mal“). Jetzt hat die Welt tatsächlich Unheilig überlebt und nun kommen OOMPH! zurück.

Mit viel Humtata und Keyboard-Wölkchen wird in „Jede Reise hat ein Ende“ das Ende einer Beziehung verarbeitet und wirklich in knackiger Form zusammengefasst („Eine Tür geht zu. Eine Tür geht auf. So ist nun mal der Lauf. Es geht auch ohne dich“). Warum viel labern, wenn es auch in lyrischer Stenographie geht? Und warum mühsam selbst erfinden, wenn die Steilvorlagen an allen Ecken und Enden lauern? So ließe sich jedenfalls das eine oder andere Déjà-vu erklären, das uns auf „XXV“ begegnet. So dürfen die Gitarren in „All deine Wunden“, gepresst in ein, ähem, unheiliges Laut/Leise-Schema, ein bisschen in Rammstein-Manier knattern, während das Piano in „Unter diesem Mond“ traurig perlt, bis böse Gitarren einsetzen und ein Kinderchor im Refrain aus der Santiano-Ecke erschallt. Und ist das, was in „Fleisch und Fell“ oder auch „Tick Tack“ fabriziert wird, nicht auch ein wenig bei Rammstein abgekupfert?

Mit „XXV“ liefern OOMPH! erneut ein Paradebeispiel dafür ab, warum ihre Musik seit 25 Jahren wirklich nur zwei Lager zu kennen scheint: Love it, or hate it. Dabei bringt es nichts, sich darüber aufzuregen. Denn die Songs dieses Longplayers sind meistens so platt, vorhersehbar und nach einer 08/15-Formel zusammengestrickt, dass der Hörer nur mit den Schultern zucken kann. Dazu Schlagertexte im Deckmantel der neuen deutschen Härte. Damit ist „XXV“ weder originell noch gut. Deshalb mal ehrlich: Was geht hier vor?! Herr Lindemann, bitte kommen!

Anspieltipps:

  • Zielscheibe
  • Unter diesem Mond
  • Nicht von dieser Welt
  • Als wärs das letzte Mal
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