Linie - What We Make Our Demons Do - Cover
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Linie What We Make Our Demons Do


  • Label: Bad Kingdom Records
  • Laufzeit: 40 Minuten
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9/10 Unsere Wertung Legende
5.4/10 Leserwertung Stimme ab!

Die Hamburger halten ihr Versprechen und schwingen eine Abrissbirne aus harten Riffs und einem hypnotischen Elektro-Einschlag.

Das musste ja so kommen und zum Glück ist es auch so gekommen: 2014 hauen die Hamburger Linie noch ihre EP „Negative Enthusiasm“ raus, ein Jahr und ein paar Zerquetschte später folgt auch schon das eigentliche Debüt „What We Make Our Demons Do“. Gut so! „Darauf haben wir alle gewartet“, sagen die Fans und wer bislang noch kein Fan war, hat zwar nicht darauf gewartet, darf dafür aber eines: Entdecken! Denn die fünf Jungs knüpfen nicht nur nahtlos an ihre EP an und halten ihr Versprechen, sondern legen noch einen oben drauf. Jörn Wulff (Gesang, Gitarre), Alex Wille (Gitarre, Gesang), Alex Bujack (Schlagzeug, Gesang), Ralph Ulrich (Bass, Gesang) und Alex „Iggi“ Küßner (Keys, Electronics) sind ordentlich pissed und sprühen nur so vor Kreativität. Sie experimentieren, sie reißen ab, sie bauen auf und sie machen dabei unglaublich viel Laune.

Dabei ist es umso erstaunlicher, dass sie ihre verschiedenen musikalischen Herkünfte auf einen Nenner bringen können. Vielleicht diente „Negative Enthusiasm“ als Portfolio, „What We Make Our Demons Do“ muss sich allerdings den Regeln eines Albums unterwerfen und den Linie-Stil auf den Punkt bringen. Und glücklicherweise funktioniert das einwandfrei. Während die EP noch stellenweise unaufgeräumt und flegelhaft demonstrierte, was man von der Band zu erwarten hat, klingt das erste Album wie aus einem Guss. Mehr und mehr haben sich unterschiedliche Stile genähert, um sich zu ergänzen. Das Endergebnis ist ein eigentlich nichtssagendes Wörtchen, das aber alles auf den Punkt bringt, was Linie auf „What We Make Our Demons Do“ abfahren: Fett!

Fett ist das Riffing, fett die tighte Rhythmusfraktion bestehend aus Bujack und Ulrich und fett ist der unheilvoll pulsierende, hypnotische Elektro-Einschlag von Küßner, welcher für den Sound der Band unermesslich zu sein scheint. Das gilt nicht nur für den bereits von der EP bekannten Hit „Chewing Gum“, welcher mit zusätzlichem Wumms seinen Weg auf den Erstling findet und auch nie hätte fehlen dürfen, sondern auch für so manch andere Nummer. Da wären das unheilvolle „Lake Of Fire“, das komplett mit einem Sprachsample vom Baptistenpastor und Erweckungsprediger Billy Graham unterlegt ist, das sinistre „Bearing Life“ oder das wütende „Inability“. Die Einordnung im Alternative Rock ist und bleibt ein Ausgangspunkt, von dem sich Linie entfernen und an den sie sich wieder annähern, wenn es denn nötig zu sein scheint. „Blood On Your Arms“, „Designate“ oder „No Ideal“ funktionieren gerade deshalb, weil sie sich nie wirklich festlegen wollen: Der nicht zu unterschätzende Härtegrad unterwirft sich einem Songwriting, das auch locker hätte missachtet werden können. Gerade dies lässt eine gewisse Brachialität voll und ganz entfalten. Dann gibt es Krach mit Substanz und Krach, zu dem man gerne abgehen möchte. Anders wäre es auch nicht möglich gewesen, Ohrwürmer wie „The City“ und „Natural Selection“ zu komponieren, Coolness und Bombast zu vereinen.

Linie probieren in den neun Songs ihres Debüts (exklusive In- und Outro) nach wie vor so einiges aus, haben aber ihren Stil entdeckt, sollen und müssen auf diesem weiter aufbauen. Schön, dass die Experimente von „Negative Enthusiasm“ langsam aber sicher zu einem großen Ganzen werden. Linie schaffen etwas, was nur wenigen gelingt: Sie haben einen ganz eigenen Stil entwickelt und genau deshalb ist ihr erstes Album auch so gut. Da gibt es gesunde Härte, Energie bis zum Gehtnichtmehr und der Hörer wird sich gleichermaßen animieren, die Nackenwirbel zu verrenken, wie auch Lust darauf haben, interessiert den Songs sowie den vielen Details und Ideen zu lauschen. Am besten: „What We Make Our Demons Do“ hat einen Wiedererkennungswert, den man nicht einfach an jeder Ecke findet. Wenn es so weiter geht, erwartet uns eine Kultband, die den Underground schon bald hinter sich lassen wird. Fazit: Fantastisches Debüt, das niemanden kalt lassen wird, der es einmal gehört hat!

Anspieltipps:

  • The City
  • Designate
  • Lake Of Fire
  • Chewing Gum
  • Bearing Life
  • Natural Selection

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