Carly Rae Jepsen - E•MO•TION - Cover
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Carly Rae Jepsen E•MO•TION


  • Label: Interscope/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 54 Minuten
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5.5/10 Unsere Wertung Legende
5.2/10 Leserwertung Stimme ab!

Mit dem Image der Unschuld vom Lande rettet sich die Kanadierin mit der Note „gehobener Durchschnitt“ über die Ziellinie.

Ein Hit mit „Call me maybe“ vor drei Jahren genügte, um aus der damals 27-jährigen Carly Rae Jepsen, einer Kanadierin mit dänischen Wurzeln, den nächsten Weltstar zu machen. Damit war die Sängerin zwar vergleichsweise spät dran, wenn man auf das Alter schaut, in dem beispielsweise Britney Spears, Christina Aguilera, Miley Cyrus, Justin Timberlake oder auch Justin Bieber ihren Durchbruch hatten. Aber vielleicht ist dies einfach nicht aufgefallen, weil Carly Rae Jepsen deutlich jünger aussieht, eine relativ kindische Stimme besitzt und Texte singt, die auch von einem Teenager stammen könnten.

Nachdem sich „Call me maybe“ weltweit 13 Millionen Mal verkauft hatte, konnte zwar keine weitere Single an diesen Erfolg anknüpfen, sieht man von ihrer Kollaboration mit Owl City ab („Good time“), die sich ebenfalls im siebenstelligen Bereich verkaufte. Das Major-Longplaydebüt „Kiss“ (09/2012) hinterließ im Vergleich zur „Call me maybe“-Single ebenfalls keine großen Fußabdrücke, was aber eher einer neuen Generation von jungen Hörern geschuldet zu sein scheint, die mit Alben nicht viel anfangen können. Nichtsdestotrotz liegt mit „E•MO•TION“ nun das nächste Album der bald 30-Jährigen vor. Dafür ließ sie sich mehr Zeit als im Pop-Business normal üblich ist. Aber wer so viele Songwriter und Produzenten wie Frau Jepsen engagiert, benötigt ein gutes Timing.

So entstand „E•MO•TION“ in Zusammenarbeit mit der für heutige Verhältnisse typisch gewordenen Armada an Top-Leuten. Dazu zählen Sia., Greg Kurstin (Kelly Clarkson, P!nk, Lily Allen), Peter Svensson (The Cardigans, The Weeknd, Avril Lavigne), Ariel Rechtshaid (Haim, Madonna, Major Lazer), Mattman & Robin (Tove Lo, Taylor Swift, Selena Gomez), Carl & Rami (Nicki Minaj, The Black Eyed Peas, Ariana Grande), Devonté Hynes (Diana Vickers, Florence + The Machine, The Chemical Brothers), Shellback (Maroon 5, Taylor Swift, Adam Lambert) und Rostam Batmanglij (Vampire Weekend). Damit deckt das Werk in Sachen Studiomannschaft exakt die Hörgewohnheiten des Mainstreams ab. Denn eines ist klar: Ohne YouTube-Klicks und Radioeinsätze bringt heute niemand mehr seine Musik an den Mann und die Frau, respektive an die Kids.

Eben dazu wurde die geballte Macht der Studio-Wizards und Co-Autoren aufgefahren, die der Kanadierin den „One Hit Wonder“-Makel austreiben sollen. Und siehe da: Mit „I really like you“ befördert auch dieses Album einen dieser unschuldigen Ohrwürmer in den Orbit, die das Potenzial besitzen, das Radioprogramm über Monate hinweg zu dominieren. Ein weiterer Dauerbrenner findet sich auf „E•MO•TION“ allerdings nicht. Die restlichen Stücke sind polierte Popsongs, die nicht wehtun und immer so klingen, als stammen sie von einer 17-Jährigen. Als Sommeralbum geht das völlig in Ordnung, auch wenn Carly Rae Jepsen damit etwas spät dran ist. Und ob „E•MO•TION“ tatsächlich die Halbwertszeit besitzt, um sich in den nächsten Sommer zu retten, darf zumindest bezweifelt werden.

So fährt die Deluxe-Ausgabe des Longplayers immerhin 15 Songs auf, die jeden Harmlosigkeitswettbewerb gewinnen würden und dabei das Kunststück fertigbringen, den Hörer nicht zu nerven. Das hat „E•MO•TION“ den Produktionen ehemaliger Teen-Stars wie zum Beispiel Britney Spears voraus, die mit ihren hilflosen Versuchen, sich dem Musikmarktgeschehen anzubiedern, ein Ärgernis nach dem anderen abliefern. Die daraus resultierende Bescheidenheit lupft ein Werk wie dieses fast schon euphorisch über die Ziellinie, wo es mit der Note „gehobener Durchschnitt“ gut bedient ist.

Anspieltipps:

  • Your type
  • Gimme love
  • Boy problems
  • I really like you
  • I didn’t just come here to dance
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