Xandria - Fire & Ashes EP - Cover
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Xandria Fire & Ashes EP


  • Label: Napalm Records
  • Laufzeit: 35 Minuten
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7.5/10 Unsere Wertung Legende
6.7/10 Leserwertung Stimme ab!

Der Phönix ist von einem Strohfeuer zu einem flächendeckenden Symphonic-Metal-Waldbrand mutiert.

Der Einstand des fünften Xandria-Goldkehlchens, Dianne van Giersbergen, verlief alles andere als atemberaubend. Auf dem sechsten Longplayer der Bielefelder durfte die frisch gebackene Frontfrau nämlich gegen einen Härtegrad ansingen, der der Dame definitiv nicht würdig war und ihre Qualitäten ein wenig unter Wert verkaufte. Hinzu kam der generell recht durchwachsene Eindruck, den „Sacrificium“ (05/2014) mit seiner überladenen ADHS-Vorstellung hinterließ, und die Vorfreude auf weitere Taten der Symphonic Metal-Kapelle pendelte sich auf ein normales Maß ein. Grund genug für Marco Heubaum (Gitarre, Keyboard), Philip Restemeier (Gitarre), Steven Wussow (Bass), Gerit Lamm (Schlagzeug) und Dianne zu zeigen, was denn eigentlich in ihnen steckt. Vorhang auf für die EP „Fire & Ashes“!

Bereits die Eckdaten sind für eine Veröffentlichung dieser Art mehr als großzügig: 35 Minuten Spielzeit, zwei Cover, zwei Neuaufnahmen und ganze drei neue Songs beherbergt die zweite Kurzplatte des Fünfers nach der 2004er Ausgabe „Eversleeping“. Den Auftakt machen sogleich die Neuzugänge im Xandria-Portfolio und alleine mit dem stark inszenierten und abwechslungsreich in Szene gesetzten Symphonic Metal-Rundumschlag „Voyage of the fallen“ holen die Bielefelder sämtliche verirrte Schafe zurück ins Boot und rücken Dianne wieder ins richtige Licht. Weiter geht es mit „Unembraced“, einer flotten Nummer, die sich um ein Gebilde aus fulminant eingesetzten Keyboards und einer feinen Klaviermelodie schlängelt und so schnell nicht wieder aus den Gehörgängen verschwindet. Den Abschluss des frischen Materials macht der grandiose Höhepunkt „In remembrance“, der auf der Arie „Morro ma prima in grazia“ aus der Oper „Un ballo in maschera“ (zu Deutsch „Der Maskenball“) von Giuseppe Verdi basiert.

Hier greifen Xandria nicht einfach nur tief in die Trickkiste, hier wird alles aufgefahren, was das Genre und Diannes Stimme in exakt fünf Minuten hergeben. Balladesk-verträumter Beginn, opernhafter Gesang, ein wunderschöner, harmonischer Bogen und zu guter Letzt ein episches Finale runden den Dreierpack aus neuen Songs exzellent ab. Eleganter kann man den Hörer eigentlich nicht mehr verzaubern! Die zweite Hälfte der EP wird anschließend vom Meat Loaf-Cover „I´d do anything for love (but I won´t do that)“ eingeleitet, das im Großen und Ganzen ein wenig zu pompös und aufgeblasen dargeboten wird, allerdings mit wuchtigen Chorpassagen punkten kann. Dann schon eher die Neufassung des Sonata Arctica-Titels „Don´t say a word“, die dem Original sogar nach und nach den Boden unter den Füßen wegzieht und durch vollen Einsatz als Sieger im Duell „Original gegen Cover“ hervorgeht. Hier ist erneut maßgeblich Dianne am Gewinn beteiligt, die endlich ihre Stärken unter Beweis stellen kann und ihre ausgebildete Sopranstimme als emotionalen Anker zum Einsatz bringt.

Die beiden Neufassungen „Ravenheart“ (vom gleichnamigen Album „Ravenheart“ aus Mai 2004) und „Now & forever“ (vom Nachfolger „India“, der im August 2005 veröffentlicht wurde) bilden puncto Überraschungsmoment logischerweise das Schlusslicht. Dennoch können sie durch ihren modernen Anstrich (vor allem Now & forever“ profitiert vom neuen Klangbild und dem Wegfall des billig anmutenden Keyboards, sowie des damals recht dünnen Schlagzeugsounds) einiges an Kapital schlagen, selbst wenn „Ravenheart“ hinsichtlich der Unterscheidungsmerkmale lediglich mit einem stimmlichen Bonus (das Original wurde von Lisa Middelhauve eingesungen) glänzen kann. Somit ist „Fire & Ashes“ weit mehr als nur eine kleine EP, die als Lückenfüller bis zum nächsten, vollwertigen Werk an den Mann und an die Frau gebracht werden soll, denn durch die starken Neukompositionen ist auch wieder das Interesse am deutschen Symphonic Metal-Act gestiegen, das einen strahlenden Sieger hervorgebracht hat: Dianne van Giersbergen!

Anspieltipps:

  • Unembraced
  • In Remembrance
  • Don´t Say A Word

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