Madsen - Kompass - Cover
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Madsen Kompass


  • Label: Four Music/Sony Music
  • Laufzeit: 47 Minuten
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3.5/10 Unsere Wertung Legende
5.5/10 Leserwertung Stimme ab!

„Ist das alles? Wo ist die Euphorie?“

Bei Liveauftritten covern Madsen allzu gerne ihre musikalischen Vorbilder. Lieder von den Pixies, Ramones oder auch The Cure waren Teil ihrer Setlist bei Konzerten. Nun hat die Wahl Black Sabbath getroffen. Es handelt sich nicht direkt um ein Cover, aber der Opener des neusten Albums „Kompass“ ist mindestens ein Black Sabbath-Gedächtnislied. „Sirenen“ legt dröhnend los, bis das sechste Album leider die gleichen Fehler begeht, wie die meisten Veröffentlichungen nach dem Debüt.

Der Großteil der restlichen Lieder ist von unvorteilhaften Rhythmen geprägt. „Küss mich“ wäre in einer Liste mit Gitarrenrhythmen, denen sich ein Rock-Lied niemals bedienen sollte, ganz vorne mit dabei. So wird es zu einem der schlechtesten Lieder, die Madsen bisher aufgenommen haben. Man höre sich dazu im Vergleich die ersten vier Stücke des Debüts an und man hat die größtmögliche Diskrepanz zwischen Liedern einer Band, die sich seit sechs Alben nicht verändert hat.

Die Musik des ersten Albums ist von Gitarrensound durchzogen und gibt sich nicht für irgendwelche Taktspielereien auf, in denen dann Sebastian Madsens Stimme zu sehr im Vordergrund steht. Denn genau dann ist Madsen am schwächsten. „Unerreichbar“ ist in dieser Hinsicht ein weiteres Paradebeispiel, wie eine Band sich weitestmöglich von ihren Stärken entfernen kann. Madsen wollen ihrem anfänglichen Stil treu bleiben, schaffen dies aber leider nur vereinzelt und liefern dem Hörer mit „Sirenen“, „Ich bin korrupt“ und „Leuchttürme“ kleine Verschonungen vor völliger Verzweiflung.

Textlich wehren sich Madsen auch nicht dagegen und liefern eher Rück-, denn Fortschritte. Denn was andere Bands mit dem ersten Album wollen, kommt Madsen so auch erst mit dem sechsten Album in den Sinn: Die Welt verändern und zu Stars werden. Auch wenn damit in „Ich trink nur eben aus“ mehr oder weniger der Übermut eines Betrunkenen karikiert wird und der eine oder andere sich darin sogar wiedererkennen mag, lässt sich der Anspruch der Band daran gut ablesen. So einfach die Zeilen auch seit jeher waren, es lag zu Beginn eine schmerzlich vermisste Wut in ihnen.

Eine kurze, übersichtliche Strophe geht einem schreienden, verzerrten Refrain voraus. Die Madsen-Brüder haben auf ihrem Debüt die Formel für das kleine Rock-Lied perfektioniert. Und das war die Faszination eines Momentes, in dem viele erkannt haben, dass es diese Musik in Deutschland auch in größerem Rahmen geben kann. Aber die Faszination ist nicht mehr zurückzuholen, weil der Moment schon lange verflogen ist. Und so wird auch während den folgenden Alben dem Debüt nachgetrauert. „Kompass“ reiht sich zumindest schon mal ohne große Umwege in die Liste der zweitbesten Madsen-Alben.

Anspieltipps:

  • Sirenen
  • Leuchttürme

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