Someday Jacob - It Might Take A While - Cover
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Someday Jacob It Might Take A While


  • Label: Haldern Pop Recordings
  • Laufzeit: 49 Minuten
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8/10 Unsere Wertung Legende
5.1/10 Leserwertung Stimme ab!

Jörn Schlüter hat aus Someday Jacob eine feste Band geformt, die eine reife, gutabgehangene, ausgeruhte Songsammlung abliefert.

Warum in die Ferne schweifen, wenn das Gute liegt so nah. Dieses alte Sprichwort bewahrheitet sich im Fall von Someday Jacob. Denn ihr feingliedriger Folk- und Country-Sound ist so verwurzelt, ureigen, geschmackssicher und wertvoll, dass man kaum glauben mag, dass die Bandmitglieder nicht aus den USA, sondern aus Bremen und Hamburg stammen. „It Might Take A While“ ist das zweite Album von Sänger, Gitarrist und Komponist Jörn Schlüter, der auf dem Debüt von 2011 noch vieles im Alleingang geregelt hat. Danach wurde seine Tour-Band die heutige Besetzung von Someday Jacob.

Beim zweiten Album verschob sich damit auch die Sichtweise. Die Songs wurden mit Blick auf den Sound, den die Musiker gemeinsam entwickelten, ausgesucht. Alles Grelle, Auffällige, Aufgeregte, Stürmische, Reißerische ist hier fehl am Platze. Der Gesang ist unaufdringlich, ausgeglichen, bedächtig und mild. Die Kompositionen wurden mehrfach verworfen und in Deutschland und England aufgenommen. Der langwierige Findungsprozess hat nicht zu einer Überproduktion geführt, sondern der Gruppe letztlich die Sicherheit gegeben, eine passende Ausstrahlung gefunden zu haben. Es hat sich auch gelohnt, die tontechnische Bearbeitung in erfahrene Hände zu geben. Den finalen Mix besorgte Vance Powell, der schon mit den Kings Of Leon, Seasick Steve und Jack White gearbeitet hatte und Richard Dodd (George Harrison, Tom Petty, Dixie Chicks) sorgte ebenfalls in Nashville für das Mastering. So wurden die Stärken der Musiker, nämlich eine detaillierte, feinsinnige Begleitung zu etablieren und raffinierte Nuancen bei gleichzeitiger Kontinuität des Songaufbaus herauszustellen, optimal unterstützt. Die Lieder zeigen geschmackvolle Referenzen bei gleichzeitiger Findung einer eigenen Ausdrucksart. Und das auf einem Terrain, das gemeinhin als ausgereizt angesehen wird.

Der Folk-Rock von „Daily Bread“ bedient sowohl die harmonischen Strukturen, die man von Crosby Stills & Nash kennt, wie auch die geschmeidige Leichtigkeit des Pop von Crowded House. Das gemütliche Tempo von „Trade It All In“ lässt Erinnerungen an „Out On The Weekend“ von Neil Youngs „Harvest“ aufkommen. Mit sonnigem, zurückhaltendem, federndem West-Coast-Pop im Stil von Fleetwood Mac`s „Rumours“ geht es dann weiter („Between Me And You“), bevor die dunkle Ballade „Useless Light“ im intimen Stil von Travis oder Leonard Cohen durch Streicher versüßten, schwermütigen Wohlklang verbreitet. Twang-Gitarren, Ennio Morricone-Spaghetti-Western-Stimmung und ein galoppierender Rhythmus sorgen bei „The Sun The Moon And The Stars“ trotz des nüchternen Gesangs für eine flotte, folkloristische Note. Der hymnische, verhalten optimistische Folk-Rocker „Glory Boys“ wurde weich fließend und eingängig arrangiert. Die Streicher bei „Room With A View“ unterstreichen die filigrane, kammermusikalische Atmosphäre dieses Folk-Songs, während sie bei „Home Run“ gegen den Strich gebürstet wurden. „Rain“ gibt es schon auf dem ersten Album von Someday Jacob zu hören. Der Track sollte die Chance erhalten, sich neu zu entfalten, und präsentiert sich als romantischer Dream-Pop. Mit den Sing-Along-Folk-Nummern „Long Distance Call“ und „All You Weary Hearts“, die an Mumford & Sons erinnern, wird dieses runde, einnehmende Album abgeschlossen.

Das Konzept des Quartetts setzt auf Langzeitwirkung. Die Musiker ließen sich bei der Entstehung nicht hetzen, was sich positiv auf ein geschlossenes Gesamtbild auswirkte. Im Vergleich zum Debüt ist Jörn Schlüter als Komponist noch sicherer in Ausdruck und Umsetzung geworden. „It Might Take A While“ ist folgerichtig ein warmes, sympathisches Werk geworden. Die Musiker hofften, dass man von der Platte beim Hören berührt wird und das ist ihnen zweifellos gelungen.

Anspieltipps:

  • Daily Bread
  • Trade It All In
  • The Sun The Moon And The Stars
  • Glory Boys
  • Home Run

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