Frank Turner - Positive Songs For Negative People - Cover
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Frank Turner Positive Songs For Negative People


  • Label: Vertigo/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 40 Minuten
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8/10 Unsere Wertung Legende
6.2/10 Leserwertung Stimme ab!

Frank Turner macht einen weiteren Schritt Richtung Stadion, vergisst dabei jedoch nicht seine Stärken und Anfänge.

Nein, ganz vergessen hat Frank Turner seine Wurzeln noch nicht. Romantisch verträumt und trotzdem mit einfachen Worten beginnt der Musiker „Positive Songs For Negative People“. „The Angel Islington“ ist für jedermanns Ohren eine Demo-Nummer. Ein kleines, intimes Intermezzo, welches in keiner Weise bearbeitet scheint. Damit befindet sich die Eröffnung zusammen mit dem letzten Stück „Song For Josh“ in einem Vakuum. Letzterer Song ist eine live vor Publikum aufgenommene Nummer für eine verstorbene Security. Turner widmet den Auftakt und auch das Ende Momenten, die ganz nah an den Fans dran scheinen. Fast so, als würde er sich selbst daran erinnern wollen, dass er nicht bloß ein Superstar ist oder sein muss.

Sein musikalischer Kern dieser Tage ist nämlich höchst professionell abgemischte Musik, die inzwischen fast nur noch in Stadien funktioniert. Diese Entwicklung hatte sich auf „Tape Deck Heart“ schon angedeutet. Auf der neuen Scheibe können sich Hörer kaum vor überlebensgroßen Hymnen retten, die großteils noch lange im Ohr bleiben werden. „The Next Storm“, „Glorious You“, „Mittens“ und das Doppelpack „Love Forty Down“ und „Silent Key“ lassen keine Zweifel an Turners Ausrichtung und seinem Können aufkommen. Dass allein „Josephine“ als recht biederes Austoben der Band als Schwäche auffällt, ist bei diesem Kräfteverhältnis geschenkt.

Frank Turner trifft die jugendlichen Sehnsüchte um Liebe, Freiheit, Enttäuschung und Lebenslust wie kaum ein anderer Top-Act derzeit. Dabei beschränkt sich der jugendliche Geist nicht auf eine Altersgruppe, da Erwachsensein ein Label ist, was sich auch so manch Mittfünfziger nicht einfach so aufdrücken lassen will. So singt, säuselt und schreit Turner über die großen Kleinigkeiten des Lebens. Er behandelt vergebene Lieben widerspenstig („Silent Key“) oder auch mit melancholischer Poesie („Mittens“). Er feiert Freunde und Geliebte („The Next Storm“, „Glorious You“) und am wichtigsten: Er steckt niemals auf („Demons“, „Out Of Breath“).

Besonders offensichtlich wird dieses Mantra, aber auch der Geist des ganzen Albums durch den eigentlichen Opener „Get Better“, dessen Zusatztitel unter Fans wohl schon bald „Not Dead Yet“ sein wird. Genau einen solch betitelten Titel hätte es zum Abschluss noch gebraucht, um das Album nach „Silent Key“ perfekt abzurunden. Spätestens dann hätte darüber hinweggesehen werden können, dass ein paar Tracks wie „Demons“ und „The Opening Act Of Spring“ nur ganz gut sind. Doch wenn nach diesem live eingespielten, aber prächtig bearbeiteten Rockalbum dann „Song For Josh“ ganz ohne Extras erklingt, muss Turner zugestanden werden, dass er den Spagat zwischen musikalischer und menschlicher Größe weiter glaubwürdig lebt. Und in den Augen seiner Fans ist das mehr wert, als jede positive und auch negative Bewertung seiner einzelnen Songs.

Anspieltipps:

  • Get Better
  • Mittens
  • The Next Storm

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