Leaves´ Eyes - King Of Kings - Cover
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Leaves´ Eyes King Of Kings


  • Label: AFM Records
  • Laufzeit: 43 Minuten
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6.5/10 Unsere Wertung Legende
5.3/10 Leserwertung Stimme ab!

Es braucht eben doch ein wenig mehr als eine bombastische Inszenierung und eine unverbrauchte Erzählkulisse.

Nach mehreren gelungenen, aber nie wirklich zur Gänze herausragenden Alben präsentierten Leaves´ Eyes zum 10-jährigen Jubiläum ihr Meisterstück. „Symphonies Of The Night“ (11/2013) überzeugte mit Härte, einem faszinierenden Wechselspiel aus „Die Schöne und das Biest“ und versammelte einige der besten Melodien in der Karriere des deutsch-norwegischen Acts. Das Ehepaar Liv Kristine (Gesang) und Alexander Krull (ebenfalls Gesang) hat aber definitiv noch einige Asse im Ärmel, die nun gemeinsam mit Thorsten Bauer (Gitarre, Bass), Pete Streit (Gitarre) und Joris Nijenhuis (Schlagzeug) auf dem mittlerweile sechsten Studioalbum in vollem Glanz zum Besten gegeben werden. Für den geschichtlichen Hintergrund bedient man sich dieses Mal bei Harald Halvdansson, dem ersten König Norwegens, und erzählt über seine Krönung, seinen Vater und das Kriegstreiben zu jener Zeit.

Das klingt alles nach einer ziemlich blutigen und brandschatzenden Angelegenheit, die sich mit dem Härtegrad des Vorgängers messen könnte, wird von Leaves´ Eyes aber gänzlich anders umgesetzt. „King Of Kings“ nimmt sich nämlich wieder deutlich zurück und hält den Fokus auf einprägsame Melodien und einen märchenhaften Spannungsbogen, der eher selten wirklich aus sich heraus geht. Das mündet in einige leidlich spannende Midtempo-Kompositionen, die bestenfalls als aufgewärmte Statusverwaltung angesehen werden können („Sacred vow“, „The waking eye“, „King of kings“) oder atmosphärische, mit Dudelsackspiel untermalte Stücke, die den Hörer erst im Schlussdrittel mit eindrucksvollen, mehrstimmigen Gesängen und Wikinger-Flair abholen („Edge of steel“). Dazwischen wird zum Saufgelage aufgerufen („Vengeance venom“), die blühenden und vor Leben strotzenden Landschaften Norwegens mit instrumentaler Epik erschaffen („Sweven“, „Feast of the year“) oder tanzbare Hymnen präsentiert, die sofort zum Mitmachen animieren („Swords in rock“).

Tracks, wie die grandiose, auf das Notwendigste heruntergestimmte Folknummer „Haraldskvæði“ oder das fetzige, mit fabelhafter Einleitung versehene Stück „Halvdan the black“, sind jedoch Mangelware und gerade das mit stolzen 7½ Minuten zu Buche schlagende „Blazing waters“ über die Schlacht am Hafrsfjord bleibt eine kleine Enttäuschung. Zu Beginn mit schnittigen Gitarren noch überzeugend, verlässt sich der Song zu sehr auf seine anfänglich barbarische Wirkung mit Krull als Stichwortgeber, dass er mit fortschreitender Laufzeit völlig darauf vergisst auch mal in andere Richtungen auszubrechen oder generell für Variation zu sorgen. Vom im Pressetext angesprochenen „Monumentalwerk“ fehlt auf diese Weise jedenfalls jede Spur und auch die Umschreibung „als hätten sich Filmkomponist Hans Zimmer und Richard Wagner gemeinsam an den Soundtrack über das Leben des ersten Königs von Norwegen gemacht“ kann so nicht zur Gänze unterschrieben werden.

Ja, Leaves´ Eyes haben sich durchaus Gedanken gemacht, was vor allem die Einbindung des London Voices-Chors und des White Russian Symphonieorchesters zeigt, unterm Strich benötigt es dann aber doch ein wenig mehr als eine bombastische Inszenierung und eine unverbrauchte Erzählkulisse.

Anspieltipps:

  • Haraldskvæði
  • Swords In Rock
  • Halvdan The Black

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