Heldmaschine - Lügen - Cover
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Heldmaschine Lügen


  • Label: MP Records
  • Laufzeit: 60 Minuten
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5/10 Unsere Wertung Legende
6.3/10 Leserwertung Stimme ab!

Bräsige Grundstimmung und Rammstein-Parallelen sind nicht mit echter Atmosphäre gleichzusetzen.

René Anlauff (Gesang), Tobias Kaiser (Gitarre), Dejan Stankovic (Gitarre), Marco Schulte (Bass) und Dirk Oechsle (Drums) stellen das aktuelle Line-up der im Jahr 2011 gegründeten Band Heldmaschine dar, die einst als Parallelprojekt der drei Jahre zuvor gegründeten Rammstein-Coverband Völkerball an den Start gegangen ist. Inzwischen ist es umgekehrt. Heldmaschine ist längst in den Fokus des Geschehens gerückt und nach „Weichen und Zunder“ (04/2012) sowie „Propaganda“ (03/2014) legen die Musiker mit „Lügen“ den dritten Longplayer vor, mit dem ein deutlicher Sprung nach vorne, raus aus dem Schatten von Rammstein und dem „Neue deutsche Härte“-Siegel angepeilt wird.

Heldmaschine tauchen auf ihrer dritte Platte verstärkt in elektronische Gefilde ein, wie sie zum Beispiel im Industrial- und Elektro-Rock bzw. EBM Verwendung finden. Doch seine übergroßen Rammstein-Einflüsse kann das Quintett auch heuer nicht ablegen. Denn spätestens wenn der Refrain ansteht, verneigen sich Heldmaschine wieder vor der Kunst Rammsteins. Damit muss der Hörer während der gesamten 60 Minuten Spielzeit immer wieder rechnen. Allerdings muss auch klar gesagt werden, dass Heldmaschine zumindest in punkto Lyrik nicht an Rammstein bzw. an Till Lindemanns genial-kranke Welt heranreichen.

So erscheinen mühsame Textgebilde von rostigen Nägeln, feuchten Augen, sterbender Hoffnung und unbemerkter Wut (aus „Wer einmal lügt“) eher unbeholfen, als flüssig oder wenigstens kryptisch vorgetragen. Hätten Heldmaschine den elektronischen Anteil in ihrem Sound deshalb nicht etwas gesteigert, der unterdurchschnittliche Rammstein-Abklatsch wäre perfekt gewesen. Grundsätzlich gilt nämlich: Lieber gut kopiert, als schlecht selbst erfunden. Und da Heldmaschine die Nähe zu Rammstein wohl nie ganz werden wegdiskutieren können, müssen beide Seiten – Band wie Hörer – damit leben, dass immer wieder Vergleiche zwischen ihnen gezogen werden.

Hier ziehen Heldmaschine klar den Kürzeren. Ihre Songs sind zwar handwerklich okay und gut produziert, aber sie geben dem Hörer keinen Kick. Zumindest auf Platte, wenn Bühneneffekte als Rettung nicht zur Verfügung stehen, um die bräsige Grundstimmung aufzubrechen, die sich quer durch das Album zieht und nicht mit echter Atmosphäre gleichzusetzen ist. Schade drum!

Anspieltipps:

  • Die Roboter
  • Tränenblut
  • Maskenschlacht
  • Ich will dein Bestes
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