Stratovarius - Eternal - Cover
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Stratovarius Eternal


  • Label: Edel Records
  • Laufzeit: 54 Minuten
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8.5/10 Unsere Wertung Legende
5.6/10 Leserwertung Stimme ab!

Stratovarius in einer beinahe vergessen geglaubten Stärke: Die Power-Metal-Überraschung des Jahres!

Über die unschönen Dinge, welche die Strato-Jungs durchstehen mussten, ist glücklicherweise genug berichtet worden. Seitdem blicken die großen Vorreiter des finnischen Power Metal optimistisch in die Zukunft. Und das können sie auch. Große Hits schreiben sie seit „Polaris“ (2009) keine mehr, haben dafür aber eine Ideallinie gefunden, welche sie vor Durchhängern schützt. Klar, viel Routine ist irgendwie auch dabei gewesen (siehe „Nemesis“, 2013), jedoch muss das ja nichts Schlechtes sein. Immerhin haben wir es hier nicht mir irgendeiner Band zu tun, sondern mit einer der Genre-Großmächte. Da kann jeder Move eine echte Glanzleistung sein. Wer da anderer Meinung sein sollte, darf sich ihr 16. Studioalbum „Eternal“ anhören. Jedenfalls ist es so: Was Kotipelto und seine Jungs mit „Eternal“ aufs Parkett legen, ist das Beste, was sie in ihrer aktuellen Post-Tolkki-Phase veröffentlicht haben und muss sich nicht mal vor den bandeigenen Klassikern verstecken.

Da hängen Stratovarius Hit an Hit und zaubern stilvollen, modernen Power Metal aus dem Hut, welcher sich an ihrer sehr starken Phase der späten 90er- und frühen Nullerjahre orientiert. Der Opener „My Eternal Dream“ macht da schon eine gute Figur, mit dem folgenden „Shine In The Dark“ folgt ein Power-Ohrwurm der finnischen Schule, inklusive eines Killer-Refrains, der bisweilen sakrale Sphären annimmt. Klar, so was hatten Strato schon immer und in den letzten Jahren sowieso, aber auf „Eternal“ haben sie ihren immer dominanter gewordenen Bombast unter Kontrolle und setzen ihn pointierter und intelligenter denn je ein. Ob sich Kotipeltos Timo da ein wenig an seiner anderen Band Cain's Offering orientiert hat? Möglich wäre es. Jedenfalls profitieren davon natürlich vor allem die Up-Tempo-Nummern „Rise Above It“, „Feeding The Fire“ (teilweise mit Zitaten vom Album „Destiny“), „In My Line Of Work“ oder, ein wenig mit dem typischen Amorphis-Piano gewürzt, „Few Are Those“. Stichwort Piano: Nicht nur dieses kommt immer wieder zum Einsatz, sondern auch Jens Johanssons Keyboard, welches zum Glück nichts vollkleistert, sondern stets eine unterstützende Wirkung hat. Von sphärischen Klängen bis hin zu der Orchesterkonserve ist mal wieder alles vorhanden - nur eben wohldosiert! Sogar richtig düster und schleppend („Lost Without A Trace“) darf es mal werden.

„Man In The Mirror“ ist dann stellvertretend für das gereifte Songwriting der Finnen. Eine gute Gesangsleistung, ein klarer, doch nicht zu einfacher Aufbau, ein bombastischer Refrain, das beliebte neoklassische Gitarrensolo und irgendwie doch von einer absoluten Gelassenheit durchströmt - all das bietet diese Komposition. Fast interessanter und verblüffender ist, dass die Quotenballade zu 100% unkitschig ausgefallen ist. „Fire In Your Eyes“ ist ein weiterer Beweis dafür, dass Stratovarius ohne Timo Tolkki die besseren ruhigen Stücke schreiben (und dennoch auf die Kacke hauen, wenn der Bombast rausgeholt wird) können. Am Ende erwartet den Hörer schließlich noch „The Lost Saga“, mit fast zwölf Minuten ein waschechter Longtrack.

Stratovarius toben sich richtig aus und es ist eine kleine Meisterleistung, dass „The Lost Saga“ trotz vieler Ideen und Flirts mit diversen benachbarten Subgenres wie Viking- oder sogar Melo-Death-Metal, angenehm homogen und nachvollziehbar bleibt. Mit einem Knall wird der Hörer schließlich aus „Eternal“ entlassen. Bämm! Gut gemacht, du lieber finnischer Power-Metal-Veteran! Und viel mehr gibt es da auch gar nicht zu sagen: „Eternal“ ist einfach ein sehr gutes Album geworden. Um genau zu sein das Beste, seitdem die Band und ihr damaliger Bandleader getrennte Wege gegangen sind. Aus der Routine der bisherigen Studioalben haben Stratovarius eine Stärke gemacht, besinnen sich auf bisher ungekannte, große Melodien und einen gezielten, wirkungsvollen Bombast. Schön, dass bei „Eternal“ so ziemlich nichts von der Stange ist. Diese „neuen“ Stratovarius haben jedenfalls einen vorläufigen Zenit erreicht und wenn man ihre Karrierejahre aufteilen kann, ist „Eternal“ der neue Referenztitel einer alten, sehr jung scheinenden Band.

Anspieltipps:

  • Shine In The Dark
  • Lost Without A Trace
  • In My Line Of Work
  • Man In The Mirror
  • Fire In Your Eyes
  • The Lost Saga

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