The Libertines - Anthems For Doomed Youth - Cover
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The Libertines Anthems For Doomed Youth


  • Label: Virgin/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 45 Minuten
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7.5/10 Unsere Wertung Legende
5.7/10 Leserwertung Stimme ab!

Eine hörbar gereifte Band, die nichts von ihrem Charme verloren hat.

Es war nur ein kurzes Intermezzo, von Juni 2002 bis Dezember 2004, mit zwei Alben und einer Handvoll Singles. Doch in dieser Zeit waren The Libertines aus London um ihre beiden Alphatiere Pete Doherty (36) und Carl Barât (37) der heißeste Scheiß auf diesem Planeten. Barât und Doherty studierten an derselben Uni, teilten sich gemeinsam eine Wohnung und schrieben Songs. Letzteres übernahm bald die absolute Hauptrolle in ihrem Leben und es entstand mit „Up The Bracket“ (10/2002) ein famoser Zeitgeist-Paukenschlag zwischen LoFi-Indie-Rock und BritPop.

Besonders Pete Doherty genoss daraufhin das Rock’n’Roll-Leben und hatte bald mehr mit seinen Drogenproblemen und Entziehungsversuchen zu tun, als mit allen anderen. Er wurde zu einem unkalkulierbaren Risiko, wanderte zwischendurch für zwei Monate in den Knast, verpasste Auftritte, zankte sich mit Produzenten und kam einfach nicht von seiner Drogensucht runter. Deshalb war bereits Longplayer Nummer zwei, „The Libertines“ (08/2004), ein großer Krampf, der letztendlich dazu führte, dass die Band Ende 2004 auf Eis gelegt wurde, ohne jemals offiziell aufgelöst zu werden.

Doherty machte mit seiner neuen Band Babyshambles weiter und Barât gründete die Dirty Pretty Things. In den folgenden Jahren kämpfte Pete Doherty weiter gegen seine Drogensucht und Carl Barât mit ausbleibendem Erfolg, bis die monetären Lockrufe für eine Reunion immer wildere Dimensionen annahmen. Zuerst gab es The Libertines nur live, dann formierten sich Barât und Doherty wieder als Songwriter-Gespann, bis es zusammen mit Produzent Jake Gosling für sechs Wochen in die Karma Sounds Studios in Thailand an die Aufnahmen neuer Songs ging. Elf Jahre nach ihrem letzten Album, legen die Briten nun ihren dritten Longplayer „Anthems For Doomed Youth“ vor.

„Anthems For Doomed Youth“ ist ein Comeback-Album, das sicher nicht nur auf Liebe und Freundschaft beruht. Es besteht die Aussicht, dass die vier Musiker (John Hassall und Gary Powell gehören ja auch noch zur Band) endlich wieder richtig Kasse machen können. Von irgendwas muss Pete Doherty ja seine Drogensucht und die anschließenden Entzugsklinikaufenthalte finanzieren. Es steht aber auch ein Ruf auf dem Spiel, den sich diese Band mit nur zwei Alben aufgebaut hat. Schließlich stellen Doherty und Barât für eine jüngere Generation die Jagger/Richards, Lennon/McCartney und Tyler/Perry des BritPop und Indie-Rock dar.

Inwiefern die relaxte Urlaubssituation in Thailand dazu beitragen konnte, dass The Libertines wieder funktionieren, kann nur vermutet werden. Doch schon bei den ersten Stücken auf „Anthems For Doomed Youth“ fällt auf, dass das Quartett seinen mitunter etwas dilettantisch anmutenden, schrägen Sound geglättet hat. Zudem haben alle mehr als zehn Jahre Erfahrung dazugewonnen, die sich in überwiegend entspannten Stücken wie „Iceman“ oder dem Titeltrack äußert, welche hier und da opulent produziert und mit Streicherklängen unterlegt sind („You’re my Waterloo“).

Wir halten also fest: Den alten Garagen-Rock-Sound haben The Libertines überwiegend abgelegt („Glasgow coma scale blues“, „Heart of the matter“), dafür sind die Londoner heuer melodieverliebter denn je unterwegs („The milkman’s horse“). Eine Mischung, die aufgeht und in einem feinen Album mündet, das eine hörbar gereifte Band zeigt, die diesmal hoffentlich länger durchhält als bei ihrem ersten Karriereabschnitt.

Anspieltipps:

  • Gunga din
  • Belly of the beast
  • Heart of the matter
  • The milkman’s horse
  • Glasgow coma scale blues
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