Disturbed - Immortalized - Cover
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Disturbed Immortalized


  • Label: Reprise/WEA
  • Laufzeit: 53 Minuten
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3.5/10 Unsere Wertung Legende
5.8/10 Leserwertung Stimme ab!

Nach der Auszeit kommt der Absturz. Disturbed befinden sich endgültig in den Fängen des US-Massenmarkts.

Vier aufeinanderfolgende Nummer 1-Alben in den amerikanischen Charts („Believe“ (09/2002) bis „Asylum“ (08/2010)), mehrfache Platin-Auszeichnungen und eine Grammy-Nominierung (für „Inside the fire“ von „Indestructible“ (05/2008)) lautet die stattliche Bilanz bis zur selbst auferlegten Auszeit von Disturbed im Jahr 2011. Grundsätzlich kein blöder Schachzug, immerhin will man sich nicht die Statistiken ruinieren und eine mehr oder weniger heiß erwartete Comeback-Platte erregt immer ein bisschen mehr Aufmerksamkeit als ein stinknormaler Nachfolger. Darüber hinaus brannte es den einzelnen Mitgliedern der in Chicago, Illinois ansässigen Truppe bereits in den Fingern. Jeder wollte einmal etwas anderes ausprobieren, experimentieren, die Seele baumeln lassen. David Draiman (Gesang) gründete Device und frönte dort elektronischen Aspekten, John Moyer (Bass) stieg bei Adrenaline Mob ein, verließ das Boot nach zwei Jahren aber in Richtung der Hard Rock Supergroup Art Of Anarchy, und Dan Donegan (Gitarre) und Mike Wengren (Schlagzeug) zockten bei Fight Or Flight Alternative Rock/Metal.

Lange dauerte es allerdings nicht und die für den außenstehenden Betrachter eher mäßig spannenden Nebenprojekte wurden wieder in den Hintergrund gekehrt, damit man die fünfte Nummer 1 in Folge in Angriff nehmen kann. Draiman kommentiert die Rückkehr übrigens folgendermaßen: „Es war alles strategisch durchdacht. Wir wollten eine Möglichkeit schaffen, durchzuatmen – für uns selbst und unsere Fans – und der Kultur die Chance geben, sich weiterzuentwickeln. Jetzt ist es soweit. Das Umfeld fühlt sich richtig an. Die musikalische Landschaft fühlt sich richtig an. Wir sind bereit.“ Ob sich dieses Warten auf den richtigen Moment auch wirklich gelohnt hat, wird „Immortalized“, das mittlerweile sechste reguläre Studioalbum zeigen. Die erste Singleauskoppelung namens „The vengeful one“ gleicht aufgrund des schleppenden Rhythmus und des nicht sonderlich innovativen Refrains jedenfalls mehr einem Pyrrhussieg, denn einer wirklichen Offenbarung nach fünf Jahren Funkstille.

Doch nicht nur der Appetizer für das neue Werk bleibt hinter den Erwartungen zurück. Das vergessenswerte Intro „The eye of the storm“ schürt absolut keine Vorfreude oder stachelt den Hörer zum Mitmachen an und der anschließende Midtempo-Titeltrack dümpelt überhaupt zwischen ganz okay und langweilig umher. Gemeinsam mit dem furchtbar anbiedernden „Open your eyes“ mit „Oh oh oh“-Chören und dem unterirdischen Schmachtfetzen „The light“ stehen wir vor dem schlechtesten Einstieg in ein Disturbed-Album seit deren Gründung. „Die Idee war, zu gehen, wenn es am schönsten ist – genau das haben wir getan – und zurückzukommen, wenn die Zeit reif ist“ kommentiert Draiman, doch ist die Zeit wirklich reif für ein halbgares Selbstplagiat („What are you waiting for“), weitere „Wohohoho“-Singalongs („Who“), erbärmlich einfallslose („Who taught you how to hate“) oder übermäßig pathetische Hooklines („Save our last goodbye“)?

Und was ist mit der Vergewaltigung von Simon And Garfunkels „The sound of silence“, bei der David zu Beginn einen gealterten Karaokesänger mimt, der unisono mit dem aufwallenden Klangkleid die Arschbacken zusammen kneift, damit im Hintergrund die amerikanische Flagge patriotisch wehen kann? Nein, hier liegt definitiv einiges im Argen und die Anbiederung an den US-Massenmarkt war auf jeden Fall der falsche Schritt, um wieder zurück ins Rampenlicht zu treten. Gelegentlich einsetzender Stakkatogesang, geniale Grooves und bedrohliche Härte waren einmal das Aushängeschild von Disturbed. „Never wrong“ vom aktuellen Album hat das unter anderem zu bieten, selbst wenn die Nummer auf vorangegangenen Werken bestenfalls als guter Durchschnitt zu werten gewesen wäre. Und darauf haben wir nun fünf lange Jahre gewartet, David?

Anspieltipps:

  • Never Wrong
  • Save Our Last Goodbye
  • What Are You Waiting For

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