The Prodigy - The Night Is My Friend EP - Cover
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The Prodigy The Night Is My Friend EP


  • Label: Vertigo/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 19 Minuten
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3/10 Unsere Wertung Legende
6.8/10 Leserwertung Stimme ab!

Von wegen nicht bissig: Reineke Fuchs beißt sich gleich mehrmals in den eigenen Schwanz.

Mit Ausnahme von Großbritannien, wo „The Day Is My Enemy“ (03/2015) als fünfter The Prodigy-Longplayer in Folge die Pole Position beanspruchen konnte (mit der Best-of-Zusammenstellung „Their Law: The Singles 1990-2005“ (10/2005) handelt es sich sogar schon um Nummer sechs), war die Resonanz in den restlichen Teilen der Welt mehr als durchwachsen. Ob das am wenig innovativen, äußerst brachialen Sound des letzten Werks der Big Beat-Pioniere lag oder sich die zahlende Kundschaft nach 25 Jahren einfach an der aus allen Rohren feuernden, elektronischen Abrissbirne satt gehört hatte, lässt sich nicht mit Gewissheit sagen. Sicher ist allerdings, dass die nun erschienene EP „The Night Is My Friend“ ganz stark mit nostalgischen Werten spielt und neben einer standardgemäßen CD/Vinyl/Download-Variante zusätzlich eine Kassettenversion in die Läden stellt. Die Ü30-Sammler frohlocken, die Kids versuchen hingegen wahrscheinlich, die blaue Plastikscheibe in ihre Spielkonsole einzuführen.

Im Vergleich zu diesem ehrenwerten Retro-Ansatz ist die EP hinsichtlich des Umfangs jedoch äußerst dünn gesät, denn hinter den fünf enthaltenen Tracks versteckt sich nur ein komplett neuer Song, während die restlichen vier eine Mischung aus Remixes und Edits sind. Zu letztgenanntem Lager gehören „Get your fight on“ und „Rhythm bomb“, die quasi 1:1 vom Studioalbum übernommen worden sind. Die musikalische Farbpalette hat sich maximal im Nanobereich verändert und nur weil eine Nummer um eine Minute gekürzt wurde und dadurch etwas knackiger wirkt, öffnet man kein zweites Mal sein Portemonnaie. Ein wenig spannender gestalten sich dafür die Remixe zu „Rebel Radio“ und „The day is my enemy“. Der protzig betitelte „Rene LaVice´s Start A Fucking Riot Remix“ hat zwar nicht mehr zu bieten als ein paar aufgemotzte Dubstep-Felgen und dümpelt auch sonst mit nervtötendem Kirmesgefiepe durch die Gassen, aber immerhin stolpert der sogenannte „Caspa Remix“ über ein paar Trap-Samples und versprüht dadurch einen frischeren Duft. Das Stück hätte durchaus noch ein wenig feiner seziert werden können, als Alternative zur LP-Version geht der Remix allerdings in Ordnung.

Der einzige wirkliche Grund, bei „The Night Is My Friend“ zuzuschlagen, bleibt trotzdem „AWOL (strike one)“. Nicht nur, weil der mit einem dicken Big Beat-Gerüst aus den Boxen brechende Track das einzige Frischfleisch darstellt, sondern auch weil die Nummer zeigt, was für eine geniale Partyplatte „The Day Is My Enemy“ theoretisch hätte werden können, wären mehrere kurze und prägnante Songs dieser Art vertreten gewesen, die die permanent am Limit befindliche, dröhnende Lethargie ordentlich auf Vordermann gebracht hätten. Mit diesem Ass im Ärmel verwandelt sich jedenfalls jede 90er-Party in einen brodelnden Hexenkessel und jeder jung gebliebene The Prodigy-Fan hüpft wie ein Gummiball durch die Wohnung. Sollte man sich alleine deswegen die EP zulegen? Keineswegs. Freuen wir uns trotzdem auf ein neues Album von Liam, Keith und Maxim? Au ja!

Anspieltipps:

  • AWOL (Strike One)
  • The Day Is My Enemy

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