MS MR - How Does It Feel - Cover
Große Ansicht

MS MR How Does It Feel


  • Label: Columbia/Sony Music
  • Laufzeit: 44 Minuten
Artikel teilen:
7.5/10 Unsere Wertung Legende
6.9/10 Leserwertung Stimme ab!

Wer hätte das gedacht, aber wir hören hier vielleicht die amerikanische Version von Florence + The Machine!

MS (Miss) und MR (Mister) sind Lizzy Plapinger und Max Hershenow aus New York. Sie debütierten vor zwei Jahren nach einigen Single- und EP-Veröffentlichungen mit ihrem Album „Secondhand Rapture“ (05/2013), das in Europa erfolgreicher war als in ihrer amerikanischen Heimat. Das mag daran liegen, dass ihr Sound der europäischen Dance- und Elektro-Szene näher ist oder dass die alte Welt den Amerikanern einfach mal einen Schritt voraus ist, wenn es um die Entdeckung eines neuen Hypes geht.

Dabei ist das, was MS MR machen, nicht einmal neu. Frau Plapinger und Herr Hershenow tauchen tief in die Welt der Clubs, Discos und der elektronischen Musik ein, die ein Giorgio Moroder (75) schon vor locker 35 Jahren beackert hat. Trotzdem ist das Duo aufregend und als Sommerloch-Thema eigentlich viel zu schade. Doch nun ist es eben so, dass MS MR mit jeder Menge Schrott in einem Atemzug genannt werden, weil dieser Juli 2015 so überfüllt mit zweitklassigem Kleister ist, worin allerdings auch die große Chance für die New Yorker begründet liegt.

Denn wo Giorgio Moroder mit Gästen wie Kylie Minogue (!) und Britney Spears (!!) in den Schnarchmodus abgleitet, halten MS MR das Spannungs- und Qualitätslevel hoch. Dabei tritt Lizzy Plapinger mal als Diva („Criminals“) oder als betörender Vamp auf („Wrong victory“). Sie schubst den Hörer mit dem fiebrig-nervösen „Painted“ direkt auf den Dancefloor und holt ihn mit „Tripolar“ zum Chillen wieder ab. Das sind die Vorzeichen für eine bis in den Morgen durchzutanzende Nacht, in der Indie- wie Electro-Pop-Hörer gleichermaßen glücklich gemacht werden.

Die Frage, ob „How Does It Feel“ dabei genauso gut wie oder schlechter als „Secondhand Rapture“ ist, stellt sich nicht. Denn MS MR haben sich in den vergangenen zwei Jahren gewandelt und ihren Sound verändert. Damit entsteht gar nicht erst der Verdacht, dass der Erfolg des Debüts verwaltet und neu aufgekocht werden könnte. Dennoch klingen MS MR nun glatter und mainstreamtauglicher. Einige Fans des für nur 500 Dollar eingespielten Debüts werden ihnen das nicht verzeihen. Doch mit dem verdienten Geld werden nun eben Streicher, Bläser und ein paar Dicke-Hose-Effekte aufgefahren. Und warum eigentlich nicht? Nur weil es selbsternannte Geschmackspolizisten nicht wollen? Go, fuck yourself!

Anspieltipps:

  • Painted
  • Tunnels
  • Reckless
  • Wrong victory
  • All the things lost
Neue Kritiken im Genre „Electro-Pop“
Diskutiere über „MS MR“
comments powered by Disqus