Daniel Romano - If I´ve Only One Time Askin´ - Cover
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Daniel Romano If I´ve Only One Time Askin´


  • Label: New West Records
  • Laufzeit: 44 Minuten
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10/10 Unsere Wertung Legende
5.6/10 Leserwertung Stimme ab!

Wer die Seele des Country hören oder verstehen möchte, der muss zu Daniel Romanos Referenzwerk des Genres greifen.

Das ist die Essenz der Ursuppe, aus der letztlich der Country-Rock entstanden ist. Der Stoff, den Gram Parsons - der Prinz dieser Stilrichtung - treffend als White Soul oder Cosmic Americana bezeichnete. Daniel Romano destilliert aus den Country-Traditionen das Ergreifende und kann geschmackssicher zwischen Kitsch und aufrichtigen Gefühlen unterscheiden. Er ist mit einer Stimme gesegnet, die eine große Bandbreite aufweist und wie für diese Songs gemacht ist. Da kommt anschmiegsames Samt und feines Schmiergelpapier zusammen, wobei Schwingungen erzeugt werden, die starke Emotionen wie Schmerz und Leidenschaft überzeugend ausdrücken können. Es scheint so, als sei Daniel nur dafür geboren worden, diese Platte in einer magischen Konstellation aufzunehmen, so logisch aufgebaut, treffend und organisch fügt sich alles zusammen. Neben der smarten, konventionsignorierenden Selbstverständlichkeit eines Gram Parsons vereint er noch die Erdung von Willie Nelson, den verführerischen Schmelz eines George Jones, den geschmeidigen Groove eines Merle Haggard und die herzliche Raubeinigkeit von Waylon Jennings in einer Person.

Daniel klingt unverschämt unverkrampft, denn er lässt sich nicht durch Regeln einengen. Seine Kompositionen sind ausgereift, oft mit dunkler Patina überzogen und werden gediegen arrangiert. Der Songwriter schwelgt in harmonischer Melancholie, fügt je nach Stimmungslage üppige, raumfüllende Instrumentierungen oder feingliedrige Begleitungen mit Luft zwischen den Noten ein. Als Referenz können nur die absolut einflussreichsten Meilensteine der Country-Evolution geltend gemacht warden. So wie Dillard & Clarks „The Fantastic Expedition…“ und deren „Through The Morning Through The Night” (1968/69), „Sweetheart Of The Rodeo“ (1968) von The Byrds, The Flying Burrito Brothers mit „The Gilded Palace Of Sin“ (1969), Bob Dylans „Nashville Skyline“ (1969) sowie der Retro-Bakersfield-Sound von Dwight Yoakam („Guitars, Cadillacs, Etc., Etc.“, 1986).

Der Kanadier hat die Aufnahmen für seine aktuelle, vierte Platte in seinem Heimstudio in Welland, Ontario, eingespielt und produziert. Durch die Anreicherung mit Streichern, Bläsern, Piano, Pedal Steel-Gitarre, einem alten Drum-Computer und Akkordeon-Spuren schafft er einen Klang, der die Aufbruchsstimmung des Country Ende der 60er-Jahre einfängt, aber unterm Strich zeitlos ist. Die einzelnen Tracks werden durch Soundschnipsel miteinander verbunden, so dass der Eindruck eines Gesamtkunstwerkes noch verstärkt wird.

Egal ob Daniel vollmundig und filmreif ein Liebesleid badet, einen gemächlichen Walzertakt als Stilmittel einsetzt, das Piano silbern perlen lässt oder die Steel-Guitar himmlische, jauchzende, wimmernde oder weinende Töne erzeugt, Mr. Romano trifft immer mitten ins Herz. Er scheint die definitive Ausdruckskraft gefunden zu haben. Durch die bittere Süße, die viele Songs durchzieht, hält er die Balance zwischen verletzlich und kämpferisch. Die Interpretationen streicheln die Seele, lassen das Licht am Ende des Tunnels erkennen und schaffen Verbundenheit mit dem Hörer.

Ein Sound, der verschüttet und vergessen schien, wird hier hinreißend reaktiviert. Die Lieder strömen Erfahrung, Sicherheit und Selbstbewusstsein aus und saugen alle attraktiven Bestandteile des Country auf. Durch künstlerische Transformation werden dann wieder wertbeständige, spezielle Töne ausgestrahlt. Die Musik weist dabei die maximal mögliche Intensität auf. „If I've Only One Time Askin'” ist ein Triumph und ein Referenzwerk des Genres, wie es schon lange keines mehr gegeben hat.

Anspieltipps:

  • I'm Gonna Teach You
  • Old Fires Die
  • Strange Faces
  • All The Way Under The Hill
  • If I've Only One Time Askin'

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