Editors - In Dream - Cover
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Editors In Dream


  • Label: PIAS/Rough Trade
  • Laufzeit: 51 Minuten
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7.5/10 Unsere Wertung Legende
5.9/10 Leserwertung Stimme ab!

Ein Werk, das sich der Hörer erarbeiten muss, weil es nicht die gängige Erwartungshaltung an ein Pop-Album erfüllt.

Mit „In Dream“ legen die Editors ihr fünftes Studioalbum in zehn Jahren vor. Nachdem das Vorgängerwerk „The Weight Of Your Love“ (06/2013) noch in den USA von Jacquire King produziert wurde, hat die Band den Job diesmal in Eigenregie übernommen und „In Dream“ in Crear in den schottischen Western Highlands ohne externen Produzenten aufgenommen. Im Anschluss konnte Toningenieur Alan Moulder (Interpol, The Killers, Nine Inch Nails, U2, The Cure) die Songs völlig frei, ohne Einflussnahme der Band abmischen und einen auf Hochglanz polierten Sound kreieren, über den jeder HiFi-Freak erfreut sein wird. Dabei legte Alan Moulder Wert darauf, dass der Hörer nicht von einer Wall of Sound überfahren wird, sondern in den Genuss einer guten alten Stereo-Abmischung kommt.

Mit diesem Kniff hat Alan Moulder dem Album instinktiv den Klang gegeben, den es braucht, um zu wirken. Denn standen auf dem vorherigen Longplayer, der erstmals im Line-up bestehend aus Tom Smith (Gesang), Russell Leetch (Bass), Ed Lay (Drums), Justin Lockey (Gitarre) und Elliot Williams (Keyboards) eingespielt wurde, noch Stadion-Rock und gestenreicher Pathos-Pop im Vordergrund, haben auf „In Dream“ die ursprünglichen Wave-Pop-Einflüsse wieder die Oberhand übernommen. Düsterer, atmosphärischer und experimenteller geht die Band dabei zu Werke und opfert dafür über weite Strecken den Faktor Eingängigkeit. Damit ist „In Dream“ ein Werk, das der Hörer Stück für Stück für sich entdecken muss.

Vorausgesetzt, er hält durch! Denn die Editors servieren ihre Traumlandschaften mit aller Konsequenz und fahren schon in dem Opener „No harm“ einen fünfminütigen Trip, der die Richtung für die gesamten 51 Minuten vorgibt. So geht die Band bei acht der zehn Songs an die 5-Minuten-Marke bzw. über sie hinaus, um sich in epochalen Klang-Gewändern aus tiefen Bässen, Synthesizer-Flächen und pathosgetränktem Gesang zu suhlen. Das benötigt strikte Aufmerksamkeit, denn mit Hooklines und radiotauglichen Melodien wird auf „In Dream“ gegeizt. Dabei reichen die stilistischen Paten von Joy Division (na klar!) über Depeche Mode und Erasure bis hin zu Coldplay und U2, nur eben ohne deren Pop-Appeal zu erlangen.

Wer sich von dieser betont poppigen Erwartungshaltung nicht lösen kann, dürfte mit „In Dream“ nicht glücklich werden, auch wenn es hier und da ein paar Ausbrecher aus den düsteren Traumlandschaften gibt. So sind Tracks wie „Life is a fear“, „Our love“ und „Marching orders“ echte Synthie-Pop-Perlen, während die im Duett mit Rachel Goswell gesungenen Stücke an die feinen Mazzy Star gemahnen. Damit erreichen die Editors zwar nicht die Stärke ihrer ersten drei Alben, machen aber den Stadion-Rock-Ausrutscher des Vorgängers wieder vergessen.

Anspieltipps:

  • No harm
  • The law
  • Life is a fear
  • Ocean of night
  • Marching orders
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