David Gilmour - Rattle That Lock - Cover
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David Gilmour Rattle That Lock


  • Label: Columbia/Sony Music
  • Laufzeit: 52 Minuten
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6/10 Unsere Wertung Legende
6.3/10 Leserwertung Stimme ab!

Der Sänger, Songwriter und Gitarrist von Pink Floyd mit seinem vierten Soloalbum.

So ganz hat sich die Welt noch immer nicht von dem Schock des letzten Pink-Floyd-Albums „The Endless River“ (11/2014) erholt, auf dem 20 Jahre alte „The Division Bell“-Session-Reste unter dem leidigen Vorwand eines Rick-Wright-Tributes verwurstet wurden. Parallel zu diesem Werk entstand allerdings auch ein neues Soloalbum von David Gilmour, sein insgesamt viertes und das erste nach „On An Island“ (03/2006). Will der 69-Jährige damit jetzt auch noch sein bisher makelloses Solo-Schaffen auf den letzten Metern seiner Karriere ruinieren? Wir spitzen die Ohren und lauschen „Rattle That Lock“.

Auch wenn David Gilmour mit seinem neuen Album die stilistischen Ketten lockern wollte, die ihn auch solo immer wieder in die Pink-Floyd-Ecke gedrängt haben, ist eine erkennbare Abkehr des von ihm mitgeschaffenen Sounds nicht erfolgt. Und mal ehrlich, hat das wirklich jemand ernsthaft erwartet? Klar, der Titeltrack ist ein beschwingter Popsong, der tatsächlich ein wenig aus dem Rahmen fällt. Doch sobald David Gilmour zu seinen markanten Gitarrenlicks ansetzt, ist das Floyd-Feeling wieder da. Und das ist auch gut so. Denn Songs wie „In any tongue“, „Beauty“ und „And then…“ klingen so sehr nach Pink Floyd im Stile ihrer Spätphase, dass es eine Schande gewesen wäre, diese nicht doch noch vom Stapel zu lassen. Und wenn es auf einem Soloalbum Gilmours ist. Egal. Das Kapitel Pink Floyd wurde schließlich im vergangenen Jahr endgültig beendet.

Es konnte sich zwar schon damals nicht mehr jeder mit einem Output wie „The Division Bell“ anfreunden, der wie ein sanft plätschernder Bach für entspannte Atmosphäre sorgte, doch mit den drei gerade gennannten Stücken, die wie Überbleibsel aus dieser Produktionsphase klingen, liefert David Gilmour bereits die Höhepunkte dieses Werks ab. Das ist etwas dünn, um echte Euphorie zu erzeugen. Doch wurde dies wirklich von den Fans erwartet? Ist es nicht viel mehr so, dass die Luft bei Mr. Gilmour schon lange raus ist und mit „Rattle That Lock“ etwas zu Ende gebracht wurde, das angeblich vor neun Jahren seinen Anfang hatte?

Wer Meisterwerke vollbracht hat, muss sich nun mal einer härteren Kritik stellen. Da geht es einem David Gilmour auch nicht anders. Dieser legt mit diesem Longplayer zwar kein neues Meisterwerk vor, doch eine Katastrophe wie „The Endless River“ bleibt zum Glück auch aus. Selbst wenn seine Songs zumeist wie ein altersmildes Aneinanderreihen von Standards klingen, haben sie mehr Niveau als das letzte Floyd-Werk. Aus seinem Pink-Floyd-Kosmos versucht Gilmour zwar noch einmal mit dem jazzigen „The girl in the yellow dress“ auszubrechen, doch da steht schon fest, dass „Rattle That Lock“ dies in seiner Gesamtheit nicht schafft. Und das ist auch in Ordnung, weil eben irgendwie erwartungsgerecht.

Anspieltipps:

  • 5 A.M.
  • Today
  • In any tongue
  • Faces of stone
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