Clutch - Psychic Warfare - Cover
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Clutch Psychic Warfare


  • Label: Weathermaker Music
  • Laufzeit: 40 Minuten
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8.5/10 Unsere Wertung Legende
7.1/10 Leserwertung Stimme ab!

Da schnalzen funkige Schnitten um die Ecke und dazwischen tropfen der Rotz und der Schweiß von der Decke.

Wenn es eine Band gibt, auf die das Prädikat „konstante Weiterentwicklung“ zutrifft, dann ist es wohl Clutch. Die 1991 in Frederick, Maryland, gegründete und anfänglich im Post Hardcore Punk beheimatete Truppe, die sich zwischen Pantera und Down nicht so recht entscheiden konnte, legte vor zwei Jahren ihr bisher stimmigstes und zugleich rotzigstes Werk vor. „Earth Rocker“ (03/2013) klang aber nicht nur dem Namen zufolge nach einer bodenständigen Angelegenheit, die auf der richtigen Lautstärke die Richterskala zum Toben brachte, sondern hatte auch musikalisch vom Feinsten zu bieten. Diese großen Fußstapfen sind Neil Fallon (Gesang, Gitarre), Tim Sult (Gitarre), Dan Maines (Bass) und Jean-Paul Gaster (Schlagzeug) bekannt und so liest sich der begleitende Pressetext beinahe schon wie eine Entschuldigung für das sukzessive „Psychic Warfare“.

Den Status des Vorgängers wolle man bestätigen, aber nicht zwangsweise übertreffen, die Grenzen weiter ausloten, jedoch nicht zu viele Experimente zulassen, das Motto „Harder, faster…let the rhythm hit ´em“ beherzigen, der Groove soll allerdings nicht alles dominieren. Nach dem ersten Durchgang sitzt man dann verblüfft vor dem Lautsprecher. Ja seid ihr denn wahnsinnig? Was soll die ganze Aufregung? „Psychic Warfare“ gebärdet sich zwar nicht als der gleiche Überflieger wie „Earth Rocker“, aber, mein lieber Herr Gesangsverein, haben diese vier Amis einen funktionierenden Rhythmusapparat. Da schnalzen funkige Schnitten um die Ecke, von denen die Red Hot Chili Peppers noch etwas lernen können („A quick death in Texas“, „Your love is incarceration“), es spielen Fuzz-Gitarren, Wah-Wah-Pedals und Tremolos auf, die eine unglaubliche Detailverliebtheit attestieren („Our lady of electric light“, „Behold the colossos“) und dazwischen tropfen der Rotz und der Schweiß von der Decke, sodass man nicht weiß, ob die Nachbarn unterhalb nicht besser den Installateur rufen sollten („Firebirds“, „Noble savage“).

Und überhaupt: Was für eine hammergeile Granate ist denn bitte „X-ray visions“? Dieser mit Lynyrd Skynyrd-Chic angereicherte Southern Rock-Bastard, der mit seinen kratzigen Gitarren und der lässig aus der Hüfte geschossenen Coolness für eine 3½-minütige Maulsperre sorgt, hat einen bereits nach der ersten Zeile im Schwitzkasten. Da wirken hakenschlagende Licks wie im aufmüpfigen „Sucker for the witch“ oder die schwüle High Noon-Westernatmosphäre im mit über 7 Minuten einen Tick zu lang geratenen Bluesrocker „Son of Virginia“ wie kleine Fische, die sich mit Standardkost begnügen. Das ist aber bestenfalls Meckerei auf ganz hohem Niveau und mit „Psychic Warfare“ stellen Clutch kurz vor Jahresschluss mit Sicherheit den frechsten und zugleich am präzisesten auf den Punkt gebrachten Rock-Beitrag 2015.

Anspieltipps:

  • X-Ray Visions
  • Behold The Colossus
  • Your Love Is Incarceration
  • Our Lady Of Electric Light

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