CHVRCHES - Every Open Eye - Cover
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CHVRCHES Every Open Eye


  • Label: Vertigo/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 42 Minuten
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8/10 Unsere Wertung Legende
6.3/10 Leserwertung Stimme ab!

Das Debüt war nur der Anfang. Chvrches sind besser als „The Mother We Share“.

Vor zwei Jahren legten Chvrches ihr Debütalbum „The Bones Of What You Believe“ vor und ließen aufhorchen: Elektro-Pop, der es vermochte, alle Hörvorlieben in Einklang zu bringen. Wer sonst lieber den Streber-Sound von Disclosure oder Hot Chip hört oder den Gefälligkeiten von Ellie Goulding oder Carly Rae Jepsen zugewandt ist; Laurn Mayberry fing mit ihrer Stimme 2013 alle ab. Ein Album, das für jedermann produziert schien. Kaum jemand schien „The Mother We Share“ nicht zu verfallen. Zumindest für den Moment.

Das Album wurde von Kritikern wie Fans gleichermaßen positiv aufgenommen. Das soll was heißen, denn in neun von zehn Fällen wird diese Musik doch als Radiomusik abgestempelt und für zu massentauglich empfunden. Das Phänomen haben in diesem Jahr erst Years & Years erfahren. Was ist an dem Pop von Chvrches so anders? Ist das Pop, der eine bestimmte Haltung einnimmt? Das darf nicht den Ausschlag geben. Bei „The Bones Of What You Believe“ spielte vor allem der Zeitpunkt der Veröffentlichung eine entscheidende Rolle. Soundelemente der 80er-Jahre wieder an die Gegenwart heranführen. Das funktioniert mit dem neuen Album sogar noch besser. Und das wichtigste: Es hört sich einfach gut an.

Dem ersten Album eilten starke Singles voraus: „The Mother We Share“, „Discover“ oder „Gun“. Die Erwartungshaltung, die Chvrches den Hörern nach dem Debüt mit auf den Weg gegeben haben, war nicht gering. Zumindest war man neugierig, was folgen würde. Bei der Veröffentlichungspolitik verfuhren sie dann ähnlich und Schritt für Schritt, mit jeder weiteren Liedveröffentlichung, schienen die Erwartungen zu sinken. Wenn schon keine der Vorab-Singles so gut ist wie „The Mother We Share“, wird es auf dem restlichen Album erst recht kein Lied sein, oder? Stimmt nicht. Beim ersten Hören reicht es vielleicht nicht an die Wucht, mit der sie vor drei Jahren ins Leben traten, heran. Aber es erweisen sich unglaublich viele Momente auf „Every Open Eye“ als würdige Folge.

Dem Verlangen der Fans nach dem Debüt, es wieder allen recht machen zu müssen und Lieder der Marke „The Mother We Share“ zu liefern, ist aber auch unstillbar. In jedem Fall wird Chvrches sich daran messen lassen müssen. Vorerst. Denn letztlich sind es nur die Umstände, unter denen das zweite Album erscheint, die ungünstig sind. „Every Open Eye“ selbst ist ein starkes Album geworden und wird sich vielleicht sogar als das Langlebigere herausstellen. Das Album ist kompakter und lebt nicht von seinen starken Singles. Es ragen wieder Lieder heraus, aber nicht in dem Maße des Debüts. Neben den Singles werden sicherlich vor allem „Make The Golden“ und „Empty Thread“ mit als erste den Weg in die Gehörgänge finden. Aber hier wird viel mehr jeder seine Lieblingslieder finden.

Elektronische Klänge überlagern sich, aber überladen sich nie. Chvrches wissen genau, wann ein Lied noch eine Zutat benötigt und wann eine zu viel ist. Als Beispiel seien die Pet Shop Boys-Synthies in „Playing Dead“ erwähnt. Das soll die anderen Lieder nicht abwerten. Im schlimmsten Fall hätten die Lieder wie Überbleibsel oder B-Seiten des Debüts geklungen. Das trifft aber nicht in einem Fall zu. Auch wenn man sich zunächst wundern wird: Das letzte Lied ist bemerkenswerterweise ein kleine Ballade. Das Elektro-Feuerwerk wird vorher abgebrannt. Diese endet dann mit den Worten „I‘ve given up all I can“. Und spätestens damit sind die Schotten auf der sicheren Seite, denn seit Radioheads „Optimistic“ ist gewiss: „Try the best you can / The best you can is good enough“.

Anspieltipps:

  • Keep You On My Side
  • Make Them Gold
  • Empty Thread
  • Playing Dead

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