Robin Schulz - Sugar - Cover
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Robin Schulz Sugar


  • Label: Tonspiel/WEA
  • Laufzeit: 54 Minuten
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5/10 Unsere Wertung Legende
5.7/10 Leserwertung Stimme ab!

Eine ermüdende Suche nach der perfekten Deep-House-Hintergrundbeschallung.

Bei einem Blick auf die Charts der letzten Zeit, könnte man zu dem Schluss kommen, ein Künstler oder Musiker sei nur so viel wert wie die Covertauglichkeit seiner Songs. Ein unerwarteter zweiter Frühling oder der nötige Schubs kann in dieser Form nämlich schneller kommen als erwartet und plötzlich werden von der Spitze der Hitparaden die Schlusslichter betrachtet und nicht umgekehrt. Die Schwedin Tove Lo kann schließlich dank Hippie Sabotage aufatmen und der Jamaikaner OMI fährt aufgrund von Felix Jaehn mit seinem „Cheerleader“ vom Status einer nationalen Berühmtheit in die internationalen Pole Positions ein. Abseits von den üblichen Verdächtigen, die sich schon seit etlichen Jahren auf das Wiederentdecken von Juwelen der Poplandschaft spezialisiert haben, ist im vergangenen Jahr ein gewisser Robin Schulz ins Rampenlicht getreten.

Der Osnabrücker schnappte sich den intimen Beitrag „Waves“ des niederländischen Rappers Mr. Probz, legte eine tanzbare Bassline darunter, schraubte ein wenig am Tempo und schon regnete es Abverkäufe in Milliardenhöhe, etliche Gold- und Platinauszeichnungen sowieso. Das Ganze wiederholte er mit der kammerspielartigen Nummer „Prayer in C“ des französischen Folkpopduos Lilly Wood & The Prick und schon war der 28-Jährige der heißeste Scheiß seit Erfindung des Corn Dogs. Das dazugehörige Debüt „Prayer“ (09/2014) bot den Schulz-Jüngern mit 20 Tracks die Hörspielfassung der Bibel und hochkarätige Edits von Coldplay, Clean Bandit feat. Jess Glynne oder Lykke Li, die immer wieder von deutschsprachiger Rückbesinnung unterbrochen wurden (Tom Thaler & Basil, Thomas Lizzara, Alligatoah). Die Hitdichte und das Echo der Fans und Kritiker war riesengroß, ein neuer DJ-Star ward geboren.

Ein Jahr später schlägt die harte Realität zu. „Headlights“, der erste Vorbote zum neuen Album, erreicht nicht einmal die Top 3, die zweite Singleauskoppelung „Sugar“ darf zwar Gold naschen, das Baby Bash-Cover muss sich jedoch die Kritik gefallen lassen, ein flotterer Remix von „Prayer in C“ mit anderem Text zu sein. Wo für gewöhnlich das begleitende Album Aufschluss darüber gibt, ob der Künstler imstande ist, sich von seinen Vorschusslorbeeren zu befreien, indem er zeigt, was er wirklich drauf hat (oder eben nicht), handelt es sich beim ebenfalls „Sugar“ betitelten Zweitwerk des Osnabrückers schlicht und ergreifend um eine Auftragsarbeit. Nicht, dass dies so im Pressetext stehen würde oder Herr Schulz es in einem Interview gesagt hätte oder zugeben würde, nein, es ist einfach das Gefühl, das man bekommt, wenn diese auf Gefälligkeit getrimmten Deep House-Nummern aus dem Lautsprecher perlen.

Ecken und Kanten verlieren sich im geschmeidigen Fluss der sanften Bässe, dezente Gitarrenlicks bezirzen penetrant die Ohrmuschel und das Schaulaufen der Sänger und Gaststars wie Akon, Moguai, Graham Candy, Moby oder M-22 hinterlässt so viel Eindruck wie ein dürres Model auf dem Laufsteg. Es fehlen die Seele, der Biss und der Mut, Neues anzubieten oder aus Konventionen auszubrechen. „Sugar“ wirkt nicht wie eine Reise durch den Kopf von Robin Schulz, ist kein Konglomerat seiner Ideen. Die fein säuberlich im 3:30-Minuten-Schnitt gehaltenen Songs stellen vielmehr eine ermüdende Suche nach der perfekten Deep House-Hintergrundbeschallung dar, die von Track zu Track nur in Nuancen verändert wird. Da hilft es dann auch nicht, wenn Marvin Gayes „Pride“ oder Eagle-Eye Cherrys „Save tonight“ herhalten muss.

Mal driftet Robin zwar in bouncende Dub-Sphären ab („Find me“), lässt die einzigartige Stimme von Graham Candy in einem melancholischen Moll-Kopfnicker erstrahlen („4 life“) oder versucht sich an einem gedrosselten „Pursuit of happiness“-Vibe (wohlgemerkt im Steve Aoki-Remix), der herbstlich getönte Sommerstrahlen wirft („World turns grey“), die Erforschung des „Sugar“-Kosmos ist damit allerdings schon beendet. So harsch das nun alles klingen mag, so schlimm ist es im Grunde genommen eigentlich gar nicht. Der „Prayer“-Nachfolger hat nur einfach keine Ambitionen, will lediglich gefallen und das war´s. Darüber hinaus erreicht er dieses Ziel ohne vollmundige Versprechungen über die Revolution am Tanzmusiksektor und besitzt eine astreine, warme Produktion. Zum gepflegten Relaxen empfiehlt sich die Scheibe daher allemal.

Anspieltipps:

  • 4 Life
  • Find Me
  • World Turns Grey

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