Frida Gold - Alina - Cover
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Frida Gold Alina


  • Label: Warner Bros.
  • Laufzeit: 45 Minuten
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4/10 Unsere Wertung Legende
4.5/10 Leserwertung Stimme ab!

Album verschoben und Ruf gerettet. Gut ist das Ergebnis trotzdem nicht.

Vor einem Jahr stand Frida Gold kurz davor, den Karren mit Karacho vor die Wand zu fahren. Im Oktober 2015 war ihr Album schon so gut wie veröffentlicht und wurde doch verschoben. Niemand weiß, ob die Band das Album selbst noch mal gehört hat oder jemand anderes eingeschritten ist. Das Ergebnis war lieblos generische Popgrütze zum Vergessen. „Alina“ ist auch kein Meisterwerk geworden, aber im Jahr 2016 nimmt man lieber eine mittelschwere Erkältung in Kauf, anstatt vor dem totalen Chaos zu stehen.

Das Album „Alina“ zu nennen und mit Balladen zu unterfüttern, ist ziemlich clever. Die eher junge und hoffentlich idealistische Zielgruppe wird mit schmachtenden Klängen und ziemlich einfachen Wortgebilden an die Hand genommen. Der Opener „Andis Song“ zieht dieses Konzept sogar durch, wogegen die meisten anderen Songs sich brav in Stadionhymnen verwandeln. Ein geradliniges Konzept, das mit Alina Süggelers Stimmlein genug Rotations landen wird. So wie Musik von Rihanna ist die Hörschwelle ziemlich niedrig. Der Chorus und wiederkehrende Worte bombardieren Hörerohren, sodass jeder mitsingt, bevor die Songs sofort wieder vergessen werden.

Wirklich schade ist, dass Frida Gold es nicht schaffen, ihre Botschaften mit Tiefe zu transportieren. „Rebel In Chanel“ ist das perfekte Beispiel für ein geniales Konzept, das sich in Glückskeks-Weisheiten verliert, anstatt den sozialen Schönheitswahn und die gesellschaftlichen Zwänge gegenüber Frauen vernünftig zu artikulieren. Genau wie in „Run Run Run“ ist offensichtlich, dass die Frauen dieser Erde sich vereinen sollen. Nur warum und was sie dann genau tun sollen, bleibt der Interpretation der Hörer überlassen. Die Band schaffte es weder musikalisch noch textlich, eine starke Stellung zu vertreten. Dazwischen mogelt sich die bekannte Dance-Pop-Formel aus „Langsam“, „Zurück Zu Mir“ und „Himmel“, die aktiv den Text zur Nebensache macht. Richtig bitter ist dabei, dass „Himmel“ das Thema Selbstverantwortung tatsächlich greifbar thematisiert.

Die musikalischen Welten zwischen dem Dance-Potpourri eines „DBNMMF“, das sich mit hundert Mal besungenen Gefühlen um Freundschaft beschäftigt, und glatten Akustiktiteln wie „Wer Einmal Lügt“ ergeben ein zerrissenes Bild. Die musikalische Vision bleibt aus. Frida Gold haben nicht einen Stil, den sie verfolgen. „Alina“ ist ein Stückwerk und abermals ist der Titel ein Rettungsanker für Fans. Menschen sind nun einmal unterschiedlich und nicht alles in uns passt zusammen. So kann die Abwesenheit eines Konzepts pseudo-philosophisch ausgelegt werden. Selbst wenn wir diesen Erklärungsversuch zulassen, sind viele Teile auf „Alina“ unterdurchschnittlich. Stark produzierte Belanglosigkeit mit ausdrucksloser Elektronik schmust mit einer warmen Pop-Stimme. Damit ist das neue Album kein Totalschaden, zeigt aber, dass Frida Gold auch mit mehr Überlegung und Zeit schnell an Grenzen zu stoßen scheinen.

Anspieltipps:

  • Himmel
  • Langsam
  • Rebel In Chanel

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