Bon Jovi - Burning Bridges - Cover
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Bon Jovi Burning Bridges


  • Label: Island/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 40 Minuten
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2/10 Unsere Wertung Legende
4/10 Leserwertung Stimme ab!

Jon Bon Jovi gibt den Balladenonkel mit Ausschussware aus dem Giftschrank.

Am vorerst letzten Studioalbum von Bon Jovi schieden sich die Geister. Für „What About Now“ (03/2013) hatte Bandchef Jon Bon Jovi (53) plötzlich politische Themen in seinen banalen Textbaukasten aufgenommen. Das ist grundsätzlich nicht schlecht, denn von Tommy und Gina haben wir bereits alles erfahren. Aber Sunnyboy Jon Bon Jovi ist leider kein Texter wie New-Jersey-Buddy Bruce Springsteen (65), sodass die Bemühungen leise belächelt, aber nicht für voll genommen wurden. Das lag aber auch mit daran, dass JBJ zusammen mit Co-Songwriter und Pop-Produzent John Shanks einen derart beliebigen Gemischtwarenladen aus Allerweltsmelodien zusammengezimmert hatte, dass Sidekick Richie Sambora (56, Gitarre) irgendwann die Schnauze dermaßen voll hatte, dass er mitten auf einer Bon-Jovi-Tour das Handtuch warf und aus der Band ausstieg.

Wie soll die Geschichte von Bon Jovi weitergeschrieben werden, wenn Jon Bon Jovis genialer Songwriting-Partner plötzlich fehlt? Diese Trennung kommt schließlich einem Erdbeben gleich. Bon Jovi ohne Richie Sambora, das ist wie Jagger ohne Richards und Lennon ohne McCartney. Kurz gesagt: Unvorstellbar! Für die damals laufende Tour, hatten Bon Jovi mit Phil X schnell einen Ersatzmann parat. Doch was ist, wenn es Zeit für ein neues Album wird? Diese Kostprobe steht noch aus. Und noch drückt sich Jon Bon Jovi davor, weil er vielleicht hofft, dass Richie Sambora doch noch zurückkehrt. Doch bis dahin muss frisches Geld verdient werden. Das geht heutzutage nur noch, wenn Tourneen gespielt werden. Und so gehen Bon Jovi schon bald wieder auf große Konzertreise, auf der sie u.a. in China, Korea, Taiwan, Israel und in den Arabischen Emiraten (!) Station machen werden. Klingt nach fetter Gage!

Doch Bon Jovi sind eine Band aus den Achtzigern und entsprechend sentimental Old School veranlagt. Deshalb muss zum Tourauftakt auch eine neue Platte auf den Markt gebracht werden, damit die Fans „etwas in der Hand haben“. Und wenn es nur ein so genanntes „Fan-Album“ ist, was immer das auch sein mag. Denn zur Veröffentlichung dieses gibt es weder neue Pressebilder bzw. einen aktuellen Pressetext und mit „Burning Bridges“ eine Platte, die liegengebliebene Songs aus den letzten 30 Jahren aufgreift. Mit handfesten Informationen wird jedenfalls gegeizt. Noch nicht einmal ein Booklet hat die CD spendiert bekommen. So wirkt dieses Gesamtpaket durchaus etwas armselig, auch wenn es nur eine nett gemeinte Geste ist, die die Wartezeit bis zum nächsten „richtigen“ Studioalbum etwas versüßen soll. Aber wird mit „Burning Bridges“ wirklich etwas versüßt?

Jon Bon Jovi arbeitet Musik. Da bleibt bei jedem neuen Album einiges liegen. Warum also nicht mal konsequent aufräumen und ein paar der Songs raushauen, die es nicht auf die regulären Studio-Longplayer geschafft haben? Also durchaus Songs, an denen Richie Sambora mitgeschrieben und sie im Studio eingespielt hat – egal, ob diese jetzt noch einmal neu aufgenommen wurden, oder nicht. Doch warum hatten es die Stücke nicht auf die bisherigen Alben geschafft? Das zeigt allein schon der gegen alle Regeln platzierte, balladeske Opener „A teardrop to the sea“, der reichlich ziel- und seelenlos vor sich hin mäandert, ohne dass darin etwas passiert. Die Power-Hymne „We don’t run“ macht etwas mehr Rabatz, bleibt aber vergleichsweise ebenfalls blass. Unter diesen Umständen ist der Hörer dankbar dafür, dass er mit „Saturday night gave me Sunday morning“ einen schmissigen Schunkler serviert bekommt, der nach den typischen Bon-Jovi-Songs Anfang der Nullerjahre klingt.

Doch hübsche Melodien sind nicht alles, wie Belanglosigkeiten der Marke „We all fall down“, „Blind love“ oder auch „Who would you die for“ beweisen. Hier agiert Jon Bon Jovi als netter Märchen- und Balladenonkel, der den Biss und sein Herz als Songwriter schon vor langer Zeit verloren hat. Denn diese Stücke sind einfach zweitklassig! Und dabei verlangt noch nicht einmal jemand (auch nicht die Fans), dass Bon Jovi jemals wieder an ihre zahlreichen Sternstunden heranreichen. Aber diese Resteverwertung mit Stücken wie dem unsäglichen Schlager „Fingerprints“, bei dem nur das Gitarrensolo eine gewisse Klasse besitzt, grenzt wirklich an Folter.

Mit diesem Album ist der Moment erreicht, an dem sich selbst beinharte Fans die Songs nicht mehr schönhören können, auch wenn hier und da eine Melodie an alte Stärken erinnert („Life is beautiful“). Doch ein Refrain alleine macht noch keinen vollwertigen Song aus. Und so wirken die zehn Tracks auf „Burning Bridges“ oftmals wie halbherzig ausgearbeitete Skizzen oder komplette Irrläufer. Der besorgte Hörer darf sich jedenfalls ernsthaft fragen, aus welchem Keller Jon Bon Jovi Müll wie „I’m your man“ rausgeholt hat. Und dass die Band seine Fans tatsächlich mit einem Country-Singalong entlässt, ist auch nicht mehr mit Humor zu erklären. Jon Bon Jovi, was ist nur mit dir passiert? Deine letzten Platten waren phasenweise in Ordnung, aber überwiegend ärgerlich. Nun bist du nur noch peinlich. Ich bin traurig und schäme mich. Für dich!

Anspieltipps:

  • We don’t run
  • Life is beautiful
  • Burning bridges
  • Saturday night gave me Sunday morning
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