Fettes Brot - Teenager Vom Mars - Cover
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Fettes Brot Teenager Vom Mars


  • Label: Fettes Brot Schallplatten/INDIGO
  • Laufzeit: 46 Minuten
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3/10 Unsere Wertung Legende
4.9/10 Leserwertung Stimme ab!

Gut ist anders und das weiß die Band wahrscheinlich auch.

Oh, haben sich Fettes Brot wieder eine kleine Live-Show überlegt? Gehaltloser, aber pumpender Opener mit vorgegaukelter sozialer Relevanz? Check! Dazu passender Schlusstrack, der wirklich jedem den Abschlusscharakter unter die Nase reibt („Das Letzte Lied Auf Der Welt“)? Check, Check! Und dazwischen wird sich mit männlichen Liebesliedern brav an die jüngere Generation gekuschelt („K.L.A.R.O.“, „Von Der Liebe“, „Du Bist The Shit“ und „Boyfriend“). Ach ja, Party muss natürlich auch gemacht werden. Also bleibt „Mein Haus“ hoffentlich in den Charts, wenn die schnellen Liebes-Popper nicht genug sind.

Die Hamburger machen schon seit einigen Jahren kein Geheimnis mehr daraus, dass sie ganz gerne auch als Rockband zählen dürften. Weil die Gitarren dann aber doch meist aufgesetzt wirken, wird auf „Teenager Vom Mars“ weitestgehend auf typischen Pop aus dem Radio gesetzt. Den Unterschied machen nur die liebgewonnenen Stimmen und der Hauch HipHop aus. Das ist gerade für ältere Fans nicht schön, war aber zu erwarten. Andere Bands haben ihre Entwicklung passender und glaubwürdiger hinbekommen. Kraftklub klingen den meisten trotz Gitarren irgendwie authentisch genug und Deichkind fahren mit ihrer Gesellschaftsverballhornung weiterhin super. Diese beiden Bands helfen zumindest in Teilen unter anderem bei „Meine Stimme“ mit, doch der Effekt des Liedes ist eher gegensätzlich: Hörer fragen sich ernsthaft, warum sich nicht einfach das Hauptprogramm der Gäste hören.

Der (Selbst-)K.O.-Schlag kommt dann in Form von „Alle Hörn Jetzt Schlager“. Als eines der Anti-Nationalismus-Lieder auf dem Album zusammen mit „Ganz Schön Low“ und in Ansätzen in „Gegenmodell“ und „Eure Autos“ ist „Alle Hörn Jetzt Schlager“ einfach nur schlecht. So schlecht, dass ein anderes Wort mit Sch am Anfang in den Kopf schießt. Als leider recht leere Stereotypen-Ansammlung mit vielen Beleidigungen ist dieser Song nur das schlimmste Beispiel der letztlich sehr platten Polit-Texte der Band. Vielleicht sollten die Jungs sich wieder die eine oder andere Scheibe von Konstantin Wecker anhören und sich ein wenig Nachhilfe geben lassen.

In diesem Sinne ist „Teenager vom Mars“ auch ein zweiköpfiges Biest mit Koordinationsstörungen. In Tracks wie „Du Bist The Shit“ wird die deutsche Sprache schön durch den Fleischwolf gedreht, doch anstatt daraus Interessantes zu basteln, sind Artikulationsschwächen sogar das erwünschte Programm. Und leider ist es nicht wirklich unrealistisch, dass dermaßen unsagbar leere Pop-Songs wie „Boyfriend“ auch im politisch angeprangerten Spektrum große Erfolge sein werden. Letztlich ist es auch egal, ob das neue Album an fehlendem Können oder „nur“ an fehlender Überlegung scheitert: Fernab von guter Musik und guten Texten ist „Teenager Vom Mars“ ein erschreckend schwaches Werk, welches selbst knappe drei Minuten im Opener in eine lange Weile verwandelt.

Anspieltipps:

  • K.L.A.R.O.
  • Meine Stimme

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