Scorpions - Forever And A Day - Cover
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Scorpions Forever And A Day


  • Label: RCA/Sony Music
  • Laufzeit: 100 Minuten
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8/10 Unsere Wertung Legende
5.8/10 Leserwertung Stimme ab!

Die Scorpions. Gekommen, um zu bleiben. Doch war das immer so? Katja von Garnier klärt auf!

Mit dem aktuellen Album „Return To Forever” (02/2015) machten die Scorpions ihren Rücktritt vom Rücktritt endgültig fix. Die Hannoveraner können es einfach nicht lassen und rocken als Deutschlands musikalisches Aushängeschild im Ausland munter weiter. Die Fans danken es ihnen, auch wenn Longplayer wie „Comeblack“ (11/2011) oder auch „MTV Unplugged In Athens“ (11/2013) nicht wirklich an die Glanztaten im Studio und auf der Bühne heranreichen. Nichtsdestotrotz sind die Scorpions live noch immer eine Macht, auch wenn Klaus Meine (Gesang) und Rudolf Schenker (Gitarre) so langsam auf die 70 zumarschieren. Und deshalb sollten wir eine Band wie die Scorpions so lange hegen und pflegen, wie wir sie noch haben. Denn die Rock-Dinosaurier sterben langsam aus, ohne dass sich der Nachwuchs an breiter Front formiert hat. Ein Vakuum ist damit vorprogrammiert.

Um einen Blick hinter das Phänomen dieser Band zu erhaschen, hat die Filmemacherin Katja von Garnier („Abgeschminkt“, „Bandits“, „Blood & Chocolate“, „Ostwind“) eine Dokumentation der Abschiedstournee der Scorpions angefertigt, von der wir inzwischen wissen, dass es doch keine endgültige Abschiedsvorstellung war. 18 Monate begleitete die 48-Jährige mit ihrem Team die Band hautnah bis zum vermeintlich letzten Konzert im Dezember 2012 in München. Sie arbeitete die Chemie zwischen Klaus Meine, Rudolf Schenker, Matthias Jabs (Gitarre), James Kottak (Drums) und Pawel Maciwoda (Bass) heraus, die notwendig ist, um ein Unternehmen wie die Scorpions am Laufen zu halten: „Forever And A Day: 50 Jahre Scorpions – Ein Leben auf der Überholspur!“.

Der Film beginnt mit einer kleinen Montage aus verschiedenen Live-Auftritten und der Pressekonferenz, auf der Meine und Schenker ihren Rückzug aus dem Musik-Business verkünden. Und dann ist der Zuseher auch schon mittendrin in den späten 60er Jahren, bei den Anfängen der Band. Damit ist klar: „Forever And A Day“ ist keine schnöde Tour-Doku, sondern ein umfangreiches Portrait, das die Geschichte der Band Stück für Stück aufarbeitet. Die Herausforderung: Das Ganze musste kinofilmtauglich in knapp 100 Minuten Spielzeit hinein gepresst werden. Band-Portraits, die für das Fernsehen gedrehten werden, kommen nämlich schon mal auf die dreifache Länge. Doch so muss sich „Forever And A Day“ etwas beeilen, was den heutigen Sehgewohnheiten allerdings entgegen kommt.

So geht die rasante Hatz vom ersten TV-Auftritt aus dem Jahr 1973 über alle wichtigen Stationen in der Bandgeschichte: Der kommerzielle Durchbruch in den 80er Jahren, die Eroberung Amerikas, Russland-Tour und das Ende der Sowjetunion. Mauerfall und der „Wind of change“-Welthit. Die Zeit ab 1993, bis zur Mitte der Nullerjahre, in der die Scorpions weitgehend abgemeldet waren, bis hin zu ihrem Hardrock-Comeback mit dem „Unbreakable“-Album (05/2004). Dabei kommen Weggefährten wie Paul Stanley (Kiss) und ehemalige Bandmitglieder wie Michael Schenker und Herman Rarebell zu Wort. Die Journalisten Thorsten Zahn und Frank Laufenberg, Musik-Manager Doc McGhee, Boxweltmeister Wladimir Klitschko, Ex-Staatschef Michail Gorbatschow und die Produzenten Dieter Dierks, Hollow Skai und Mikael Nord Andersson geben Anekdoten zum Besten. Nur um die Ex-Bandmitglieder Uli Jon Roth und Francis Buchholz wird mehr oder weniger ein Bogen gemacht. Scorpions-Kenner stellen in diesem Zusammenhang fest, dass ein paar unangenehme Themen durchaus unter den Tisch fallengelassen wurden.

Große und kleine Dramen, tolle Geschichten, herausragende Songs und sympathische Menschen. „Forever And A Day“ springt zwischen den Jahrzehnten hin und her und zeigt dabei eine Band, die 50 Jahre deutsche Musikgeschichte geprägt hat und auf ihrem Weg niemals in Ruhestellung verfiel, auch wenn es mal nicht so lief. In diesem Moment wird deutlich, warum die Scorpions an ihren wohlverdienten Ruhestand dachten. Klaus Meine berichtet, dass die Seele dem Körper nicht mehr folgen kann, weil alles viel zu schnell geht. Doch der Spaß an der Sache und die Sucht nach den großen Bühnen waren stärker.

Mit der schwer erträglichen Vorstellung vom allerletzten Konzert im Kopf, hielten sich die Scorpions von Anfang an eine Hintertür auf („Wir lösen uns ja nicht auf…“). Keiner nimmt es ihnen übel, dass sie am Ende hindurchgingen und ihre Karriere sowohl auf Platte als auch auf der Bühne fortsetzen. Die Scorpions sind eben keine Band, die zuhause sitzt und darauf wartet, dass irgendetwas passiert.

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