Anderson Paak - Venice - Cover
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Anderson Paak Venice


  • Label: Steel Wool Entertainment
  • Laufzeit: 51 Minuten
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6/10 Unsere Wertung Legende
4.6/10 Leserwertung Stimme ab!

Sorg- und deswegen auch ein wenig gehaltlos präsentiert sich Anderson Paak als Ideal des Venice-Lifestyles.

„Ich bin ein echter Gangster“, klingt es Scham erregend durch den Kopf, wenn Anderson Paaks „Venice“ beginnt. Das nach dem Stadtteil in Los Angeles benannte Album gibt sich zu als mit Bass wummernder Gangster. Auch die verdrehte Geschlechterrolle in einem „Milk And Honey“ gibt schlichtweg nicht genug her, um aus einer Proleten-Hymne für offene Fenster mehr zu machen. Vielleicht gehört es auch einfach zum Lebensgefühl dazu, doch im Anschluss erzeugt Paaks Musik mehr den Eindruck einer Nujabes-Platte. Das liegt nicht zuletzt an den Soul- und Jazz-Einflüssen, die einen Großteil des Albums begleiten. Der einzig große Unterschied ist der stärkere Rhythm and Blues-Einschlag des Gesangs und der scheinbare Zwang, in erster Linie über Frauen und Sex zu singen.

Abgesehen von der inhaltlichen Einöde kann das Album aber schnell an Fahrt gewinnen. Die an Nujabes Jazz Rap erinnernden „The City“ und „Might Be“ geben einen wabernden und verträumten Klang von sich, der sanft aus den Boxen klingt. Dabei lassen sich wie in „Put You On“ problemlos Drum and Bass-Elemente einbauen, sodass die Ergebnisse sich problemlos von gewöhnlichen Electro-Arrangements unterscheiden können, die im Pop sowieso längst Einzug gehalten haben. Und auch den typischen Club-Sound für die sonnigen Staaten beherrscht der junge Mann in „Miss Right“ und „Already.“

Interessanterweise lässt das Album am Stärksten nach, wenn auf die Soundscapes verzichtet wird und Paak typischen Mainstream-Rhythm and Blues macht. „Miss That Whip“ und „Get 'Em Up“ sind äußerst generische Feuerzeug-Schwinger. Doch die Feuerzeuge hat man als Hörer nur draußen, weil man sich sowieso gerade eine Zigarette gönnen wollte. Spätestens beim zweiten Gangster-Ausflug „Paint“ darf dann auch schnell auf Toilette gegangen werden und wem nicht gerade nach sexuellem Gebalze auf der Tanzfläche ist, der kann sich dabei auch so viel Zeit lassen, bis das sehr gewollt überdrehte „Drugs“ vorbei ist.

Gerade die zweite Hälfte zeigt, dass der bald 30-jährige Künstler sich weiterhin nicht festlegen möchte, obwohl er den zurückgelehnten Ton weitaus besser hinbekommt. Zur Strandatmosphäre von „Luh You“ lässt es sich mit Freunden feiern und der eher experimentelle Ansatz des Auftakts lässt die Tage entspannt ausklingen. Dass dazwischen mit besagtem „Put You On“ und auch „Right There“ ein paar unwiderstehliche Tanzmagneten dabei sind, beweist die Überflüssigkeit des austauschbaren Mittelteils. Es hat ein wenig den Anschein, als müsse Anderson Paak in Venice immer noch jedem gefallen. Wenn sich der gute Mann mehr auf seine Kernkompetenzen fokussiert, dann feiern die Hörer problemlos bis in die Nacht zu „Off The Ground“ und Co. Und das ganz ohne sich für mehr als ein Drittel der Tracks anderweitig zu beschäftigen.

Anspieltipps:

  • Off The Ground
  • Right There
  • The City

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