Trivium - Silence In The Snow - Cover
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Trivium Silence In The Snow


  • Label: Roadrunner/WEA
  • Laufzeit: 43 Minuten
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6/10 Unsere Wertung Legende
5.5/10 Leserwertung Stimme ab!

Danke für das Experiment, beim nächsten Mal hätten wir dann aber doch bitte gerne wieder die alten Trivium zurück!

Inspirationen von anderen Musikern und Künstlern haben sich Trivium nicht erst seit ihrem letzten Album „Vengeance Falls“ (10/2013) geholt. Anfänglich in der vor neuen Talenten brodelnden Metalcore-Szene beheimatet („Ember To Inferno“, „Ascendancy“), ist der geistige Spross von Matthew Heafy bereits durch einen Metallica-Soundcheck gewackelt („The Crusade“), hat bei Iron Maiden abgeschaut („Shogun“), lotete zwischendurch die eigenen Anfänge unter Hinzunahme neuester Erkenntnisse aus dem sich stark im Wandel befindlichen Metalcore aus („In Waves“) und holte sich letzten Endes Schützenhilfe von Disturbed-Sänger David Draiman, der das bisweilen letzte Werk betreute und produzierte. Diese Kollaboration erwies sich als goldrichtig und verhalf Trivium zu einer grandiosen Platte, die nicht nur mit ordentlich Schmackes in die Gehörgänge rauschte, sondern auch die Wandlungsfähigkeit der Band unter Beweis stellte und voreingenommene Kritiker, die mit dem zwischen diversen Genres changierenden Opus von Heafy nichts anfangen konnten, Lügen strafte.

Zwei Jahre später ist vom Glanz und der rasenden Spielfreude von „Vengeance Falls“ nur mehr eine Hülle übrig. „Silence In The Snow“ will sich zwar von Größen wie Black Sabbath, Dio und Rainbow inspiriert sehen. Den ersten paar Durchgängen nach hat das handzahme Werk allerdings mehr am Auspuff eines Tourbusses einer x-beliebigen Highschool-Metalband geschnüffelt, als an der in Musik gegossenen Leidenschaft von Ronnie James Dio, Ozzy Osbourne oder Ritchie Blackmore. Der Titeltrack missfällt zudem als schwächster Eröffnungstrack in der Geschichte der Band und die anschließenden Kompositionen „Blind leading the blind“ und „Dead and gone“ mäandern in wenig packenden Songstrukturen umher, die zusätzlich von lustlosen Gitarrensolos und einer einschläfernden Performance von Heafy getrübt werden.

Erst „The ghost that´s haunting you“ lässt mit einem euphorischen Lick aufhorchen und steuert den Kahn in passablere Gewässer, wo Geduld oberstes Gebot ist. Mit einer nervtötenden Ballade wie dem furchtbar pathetischen „Until the world goes cold“ oder fehlendem Gespür für eine fetzige Hookline, die der bereits nicht sehr spannend inszenierten Strophe ein wenig unter die Arme greift. Anstatt alles nur noch schlimmer und gleichgültiger zu gestalten („Pull me from the void“, „Rise above the tides“), haben Trivium dieses Mal jedoch weiterhin zu kämpfen. Zum Glück bahnt sich mit dem Schluss-Triple ein Wiedergutmachungs-Finish an, das sich gewaschen hat und ein wenig für den zähflüssigen, in hochmelodische Katatonie verfallenen Alternative Metal entschädigt. Allem voran handelt es sich dabei um die beiden Tracks „The thing that´s killing me“ und „Breathe the flames“, die eine astreine Symbiose aus der neu gewonnen Stimmsicherheit Heafys (Matt wechselt lediglich zwischen klar und rau gesungenen Passagen und verzichtet auf Schreie oder Growls), den (endlich) aus sich herausgehenden Gitarren, sowie dem deutlich angezogeneren Härtegrad schnitzen.

Damit befinden wir uns zwar nicht unbedingt auf dem Niveau einer Single wie „In waves“ oder auf dem mit Bedacht eingesetzten Aggressionspegel des Vorgängers, dürfen aber zumindest zufrieden nicken. Der vielerorts angeschnittene Vergleich mit der massentauglichen Öffnung Metallicas, der auf dem „Black Album“ (08/1991) vollzogen wurde, greift für „Silence In The Snow“ allerdings nicht im Geringsten. Nicht nur, weil der Einfluss von Heafys Truppe in keiner Weise mit dem von Hetfield & Co. zu vergleichen ist (die streifen sogar für Ausschussware wie „Reload“ (11/1997) Platin ein), sondern auch weil die Qualität der zehn Tracks (das Intro „Snøfall“ ausgenommen) einer derartig hohen Schwankungsbreite unterliegt, dass die Treffsicherheit des diamantveredelten Kassenschlagers der Thrash-Legenden nicht einmal ansatzweise erreicht wird. Als Experiment oder kleiner Exkurs in Sachen Facettenreichtum kann man dem siebten Ableger der Floridianer durchaus einiges abgewinnen, beim nächsten Mal hätten wir dann aber doch bitte gerne wieder die alten Trivium zurück. Danke!

Anspieltipps:

  • Breathe In The Flames
  • The Thing That´s Killing Me
  • The Ghost That´s Haunting You

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