Terrorgruppe - Tiergarten - Cover
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Terrorgruppe Tiergarten


  • Label: Destiny Records
  • Laufzeit: 42 Minuten
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4/10 Unsere Wertung Legende
5.5/10 Leserwertung Stimme ab!

Musik für Leute wo trinken gern Pipi bzw. Melodien für Milliarden oder einfach: Die Terrorgruppe ist wieder da!

Mit dem Album „Rust In Pieces“ (08/2006) verabschiedete sich die Berliner Terrorgruppe scheinbar für immer in die ewigen Jagdgründe des Punkrock. Doch irgendwann hielten es die Herren Archie „MC“ Motherfucker (Gitarre, Gesang), Eros Razorblade (Orgel, Saxophon), Zip Schlitzer (Bass), Johnny Bottrop (Gitarre) und Kid Katze (Drums) nicht mehr aus und wollten wieder miteinander Krach machen. So folgte im Frühsommer 2014 tatsächlich das Live-Comeback der Kreuzberger, sowie mit „Inzest im Familiengrab“ (08/2014) eine neue 4-Track-EP. Doch damit nicht genug! Der freundlich vom Cover grinsende Affe namens Naruto aus Sulawesi kündigt im noch jungen Jahr 2016 vierzehn Lieder aus dem „Tiergarten“ an. Der Zwei-Akkorde-Punk aus der Hauptstadt ist mit der Terrorgruppe also endgültig wiedergekehrt.

Was kann uns die Terrorgruppe, fast zehn Jahre nach ihrem letzten Studio-Longplayer noch bieten? Ist die Band zurückgekommen, weil sie etwas zu sagen hat? Gerne auch politisch orientiert, so wie früher, oder steht sie einfach nur aus Langeweile wieder auf der Matte? Besteht mit dem unerwarteten Comeback vielleicht sogar die Gefahr, einen wohlklingenden Namen des Deutsch-Punk zu beschädigen oder erlebt das Berliner Rudel auf „Tiergarten“ seinen zweiten Frühling? Fragen, die nur die 14 vorliegenden Tracks beantworten können. Schließlich haben wir nicht mehr 1996, sondern 2016 und die Hörgewohnheiten haben sich verändert. Dann kann man schon mal ins Schlingern geraten.

Doch nicht nur die Musik besteht aus einem beständigen Wandel. Auch das Verständnis von Humor und politischen Ansichten ist nach 20 Jahren ein anderes. Deshalb klingt es zum Beispiel arg antiquiert, wenn sich die Terrorgruppe kritisch über Themen wie Internet, Smartphones und Flachbildfernsehern äußert. Alles Selbstverständlichkeiten, deren kritische Betrachtung niemand ernsthaft interessiert. Ähnlich zahnlos gestaltet sich leider auch die Musik. Fette Refrains, satte Hooklines, bissiger Punk – Fehlanzeige!

Die Terrorgruppe agiert zahm und kantenlos und fällt höchstens mal aus dem Rahmen, wenn sie mit Wave- und NDW-Anleihen arbeitet („Leider keine Zeit“) oder dem Hörer mit ihren Texten und Songtiteln einen Knoten ins Hirn schraubt („Blaupause einer Urlaubspostkarte“). Doch das sind leider absolute Ausnahmen auf „Tiergarten“, das ansonsten total harm- und zahnlos auf der ganzen Linie enttäuscht. Kämen zum Schluss nicht noch ein paar Rausreißer wie „Immer besser“, „Schmetterling“ oder auch „Küsse töten“ zum Zug, wäre „Tiergarten“ ein noch schlimmerer Flop, als er es sowie schon ist.

Anspieltipps:

  • Küsse töten
  • Immer besser
  • Schlechtmensch
  • Der Maximilian
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