Dead Lord - Heads Held High - Cover
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Dead Lord Heads Held High


  • Label: Century Media/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 47 Minuten
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8/10 Unsere Wertung Legende
6.1/10 Leserwertung Stimme ab!

Die lockere Art wie Dead Lord ihren Retrosound aus den Saiten und Fellen zaubern ist sensationell.

Die schwedische Musikindustrie ist schon seit Jahren ein Garant für exquisite und einzigartige Musik. Dabei ist es egal, ob die Künstler völlig neues Material anbieten oder sich an bereits Bestehendem bedienen. Zu letztgenanntem Lager gehören eindeutig die Herrschaften Hakim Krim (Gesang, Gitarre), Olle Hedenstrom (Gitarre), Martin Nordin (Bass) und Adam Lindmark (Schlagzeug), die ihrem bereits stark von Thin Lizzy inspirierten Debüt „Goodbye Repentance“ (04/2013) nun ein ähnlich starkes Potpourri aus 70er Jahre Hardrock hinzufügen und auf dem Longplayer „Heads held high“ versammelt haben. Die Parallelen zu der irischen Truppe rund um Phil Lynott sind freilich auch dieses Mal nicht von der Hand zu weisen und wer sich nach dem etwas unglücklich mit „Farewell“ betitelten Opener nicht ohne Umschweife um 30 bis 40 Jahre in die Vergangenheit versetzt fühlt, der ist entweder erst maximal Anfang 30 oder hat von der Musik der damaligen Zeit keine Ahnung.

Die lockere Art wie Dead Lord ihren Retrosound aus den Saiten und Fellen zaubern ist zudem sensationell. Würde man es nicht besser wissen, man würde meinen, die vier Herrschaften haben sich 1975 eine Zeitmaschine gebaut und sind damit vier Dekaden in die Zukunft gereist, um den Jungspunden zu zeigen, wie handwerklich perfekt gemachter Rock zu klingen hat. Hinzu gesellt sich eine warme, den ganzen Raum einhüllende Produktion, die in Zeiten von digitaler Kompression und mp3-Wahnsinn zumindest den Eindruck versprüht in analoge Glückseligkeit eintauchen zu wollen. Passend zu dieser rückwärtsgewandten Sichtweise überschlagen sich auf „Heads held high“ auch nicht die Ereignisse. Hier wird kein hochoktaniges Doublebasssolo vom Stapel gelassen, nur weil der Drummer dies technisch drauf hat oder eine aufjaulende Gitarre zum tonangebenden Instrument auserkoren, weil der Nummer ansonsten ein bisschen Action fehlt. Der tote Lord spielt schlicht und ergreifend seinen Stiefel runter. Nüchtern, trocken, selten wirklich laut.

Es gibt Anleihen an bluesinfizierte Black Sabbath-Tracks oder die frühen Kiss (Sänger Hakim könnte übrigens Paul Stanleys Stimmenvetter sein), Uriah Heep und Led Zeppelin. Alles breitet sich mit Bedacht vor dem Hörer aus, überstürzt wird gar nichts. Selbst wenn „The bold move“ als einzige „Child in time“-Reminiszenz mit dynamischen Werten spielt und „With heads held high“ AC/DC-Rotz zum Besten gibt, Dead Lord neigen nie zur Übertreibung oder zu konventionellen Anbiederungen. Fast jeder Track beherbergt einen zum Niederknien schönen Solopart, der sofort mit der Luftgitarre abgefeiert oder mit geschlossenen Augen bis ins Innerste aufgesogen wird. Manchmal sind Krim und seine Mitstreiter ein wenig zu entspannt („Cold hearted madness“) oder schießen Songs aus der Hüfte, die bei anderen noch nicht über den Status einer Proberaumidee hinaus sind („When history repeats itself“), doch gerade diese lässige Unbekümmertheit macht „Heads held high“ zu einem Favoriten auf das charmanteste und zugleich angenehmste Exemplar von Retromusik in diesem Jahr. Die Thronfolge von Thin Lizzy hat der Vierer mit dieser Platte jedenfalls eindrucksvoll verteidigt.

Anspieltipps:

  • Ruins
  • No Regrets
  • Strained Fools
  • The Bold Move

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