Miss Platnum - Ich War Hier - Cover
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Miss Platnum Ich War Hier


  • Label: Virgin/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 40 Minuten
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6/10 Unsere Wertung Legende
6.8/10 Leserwertung Stimme ab!

Ein Album, das ein paar sehr gute Ansätze aufweist, aber irgendwie nicht ganz zu Ende gedacht wurde.

Ruth Maria Renner alias Miss Platnum hat das Label Four Music verlassen und ist nun bei Virgin Records, im Vertrieb von Universal unter Vertrag. Ein überraschender Wechsel, mit dem Miss Platnum scheinbar noch mehr künstlerische Freiheit dazugewinnt und damit ihren Weg konsequent weitergeht, auf dem mit „Glück und Benzin“ (03/2014) im vergangenen Jahr ihr erstes deutschsprachiges Album lag. Jetzt stellt die 35-jährige Balkan-R&B-Queen fest „Ich war hier“ und unterlegt diese These mit elf neuen Tracks.

„Ich war hier“ ist der vertonte Sound der Großstadt, der flirrende Puls von Berlin und so stark in der Popmusik verankert, wie keine der bisherigen Platnum-Platten. Dabei hat der alte Balkan-Unterbau inzwischen ausgedient. Wenn nun noch etwas das Pop-Radar beeinflusst, sind dies urbane R&B- und HipHop-Klänge. Dazu deutsche Texte. Es ist deshalb durchaus mutig, diesen Weg einzuschlagen. Die Frage, ob das noch frisch ist, was Miss Platnum auf diesem Album macht, könnte kommen. Und dass deutsche Lyrics angreifbarer machen, ist ein alter Hut. Miss Platnum stellt sich dieser Herausforderung.

Vielleicht ist „Ich war hier“ etwas zu routiniert und rund geraten. Die leicht irrsinnigen Balkan-Beats sind jedenfalls etwas, das der Hörer vermissen könnte. Als Gegenangebot bietet Miss Platnum heuer Texte an, durch die sich auf merkwürdige Weise das Thema „Hund“ zieht („Bleib Rudel“, „Er’s guter Hund“). Dazu werden Statements wie Mädchen sind die besseren Jungs abgegeben („MDCHN“) und zur Party auf dem Kiez aufgerufen („Blockparty“). Ab und zu klingt Miss Platnum in Stücken wie „Königin“ sogar wie die Band Juli, wenn diese HipHop-Beats verbauen würde.

Das alles ist gewöhnungsbedürftig, aber wahrlich nicht schlecht. Allerdings auch nicht so entwaffnend fresh und cool wie auf „Glück und Benzin“, zumal Miss Platnum bereits nach knappen 40 Minuten alles gesagt hat. Was bleibt, ist ein Album, das ein paar sehr gute Ansätze aufweist, aber irgendwie nicht ganz zu Ende gedacht wurde. Etwas fehlt. Nur was?

Anspieltipps:

  • MDCHN
  • Kanonen
  • Lauf zu dir
  • Reise (ich war hier)
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