Helge Schneider - Lass Knacken, Helge! Helge, Der Film! Helge, Life! - Cover
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Helge Schneider Lass Knacken, Helge! Helge, Der Film! Helge, Life!


  • Label: Polydor/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 225 Minuten
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8.5/10 Unsere Wertung Legende
5.6/10 Leserwertung Stimme ab!

Eine Frau gehört nicht nur in die Küche, sondern auch in den Keller oder auf den Speicher - je nachdem, wo das Bügelbrett steht.

Gerade erst im Juni des vergangenen Jahres veröffentlichte Helge Schneider den Live-Mitschnitt seines Auftritts in der Essener Grugahalle am 16. März 2014, da steht auch schon das nächste Live-Material zum Kauf bereit. Denn der Auftritt in Essen war nicht das einzige Konzert, das der am 30. August 2015 60 Jahre alt gewordene Mühlheimer Kult-Barde auf seiner letzten Tour hat mitschneiden lassen. Auch im Berliner Tempodrom liefen im September 2014 die Aufnahmegeräte und Kameras mit. Daraus montierte der Exzentriker die Werkschau „Lass knacken, Helge! Helge, der Film! Helge, Life!“, die nun als ungekürztes Meisterwerk auf DVD bzw. Blu-ray plus CD erscheint.

Kleiner Wermutstropfen: Bei der Bonus-CD handelt es sich um den gekürzten Auftritt in Essen. Bleibt also an tatsächlich Neuem „nur“ die Blu-ray mit 145 Minuten Laufzeit. Der Konzertfilm beginnt in der Garderobe des Komikers, der sich seinem Publikum artig vorstellt – aber nur ein einziges Mal! Ein Helge Schneider wiederholt sich nämlich nicht. Dann geht es zusammen mit seiner Band auf die Bühne, die Kamera immer im Schlepptau. So hautnah hat sich wohl noch nie ein Künstler auf der Bühne filmen lassen. Dagegen sind die Konzertfilme der hippen Youngstars aus den USA, mit ihren nervösen Schnitten und Kameraführungen ein alter Scheiß!

Aber egal. Helge ist heute gekommen, um an diesem Abend „eine Palette“ aus seinem vierzigjährigen Schaffen vorzustellen. Dabei sind auch Lieder, die nicht so reingehauen haben und richtig scheiße sind. Aber es gibt eben Leute, die wollen auch die hören. Also macht ein Helge, was ein Helge tun muss. Ab und zu unterbrochen von Einspielern, in denen Schneider Anekdoten zu den Songs zum Besten gibt oder zu erklären versucht, wovon Lieder wie zum Beispiel „Der Schönheitschirurg von Banania“ handeln. Das ist schön, denn die Stücke in „Lass knacken, Helge! Helge, der Film! Helge, Life!“ haben eine lange Zeit auf dem Buckel. Schließlich ist diese Werkschau gespickt mit Klassikern wie „Der Meisenmann“, „Hunderttausend Rosen“, „Hast du eine Mutter“, „Es hat gefunkt bei mir“ und natürlich „Katzeklo“.

Helge lenkt galant durch dieses geschichtsträchtige Programm, assistiert von seinem Butler Bodo, der seine Klamotten übrigens im selben Designer-Outlet an der Autobahn bei Basel, rechte Seite, kauft, wie Mozart. Apropos Mozart. Als Helge eine Maurerlehre gemacht hat, war der Bruder von Mozart, Jürgen Mozart, in seiner Klasse an der Berufsschule. Aber das nur am Rande. Denn die Konzertbesucher und die DVD-Gucker müssen sich konzentrieren, da Schneider in nahezu jedem Song Textteile und Musik-Parts improvisiert und damit ganze Stücke quasi neu erfindet. Da kann es schon mal passieren, dass Helge ein Solo auf einer nicht angeschlossenen (!) E-Gitarre spielt, mit ihr über den Boden rutscht und die Kamera ihm dabei so dicht auf den Fersen, bzw. auf Augenhöhe ist, dass sich der Zuseher fast schon erschrickt.

Wenn Helge Lieder von seinen Weltreisen mitbringt und dem Publikum vorstellt (hier aus China und dem Süden Spaniens), zeigt sich seine ganze Virtuosität an den verschiedensten Instrumenten, wobei er im hohen Alter von nunmehr 60 Jahren immer mehr ins Psychedelische abdriftet und progressive Brocken wie „Nachtigall, huh (Es zittert unser Haus, was ist nur draußen los?)“ komponiert. Dass Helge Schneider darin quasi spontan Stimm-Samples erfindet, ist natürlich die Krönung, ebenso wie der live gespielte Synthesizer.

Trotz deutlich über zwei Stunden Spielzeit wirkt das Konzert im Berliner Tempodrom kompakt und nicht uferlos. Konzertbesucher und Zuseher können eine Vielzahl großer Klassiker in neuen Improvisationen erleben, in denen beispielsweise Beethoven, DJ Ötzi und ein Hund namens Mozart aufeinandertreffen und den heimlichen Star des Abends in seinem Element erleben. In diesem Sinne, schöne Grüße an Sergej Gleitman!

Anspieltipps:

  • Ladiladiho
  • Es gibt Reis
  • Der Meisenmann
  • Hast du eine Mutter
  • Hunderttausend Rosen
  • Der Tanz auf dem Vulkan
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