The Bosshoss - Dos Bros - Cover
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The Bosshoss Dos Bros


  • Label: Island/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 46 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
5.4/10 Leserwertung Stimme ab!

Gebt den Leuten, was sie haben wollen. The BossHoss liefern einen repräsentativen Überblick über ihren Musik-Kosmos.

Die beiden deutschen Vorzeige-Großstadt-Cowboys Alec Völkel (= Boss, Gesang, Waschbrett) und Sascha Vollmer (= Hoss, Gesang, Rhythmusgitarre) lenken, dirigieren und präsentieren das quasi zum Wirtschaftsunternehmen gewachsene siebenköpfige Projekt The BossHoss, das in Berlin im Jahr 2004 als Trio und Cover-Band gegründet wurde. Die sympathische Doppelspitze hat ihre Mucke seitdem im deutschsprachigen Raum vom Insidertipp zum Inbegriff des alternativen Fun-Country geführt. Die Gruppe verarbeitet Einflüsse traditioneller Country-Größen wie Johnny Cash und Buck Owens genauso wie klassischen Rock & Roll von Elvis oder auch abseitige Phänomene wie den Garagen-Rock von The Sonics. Von deren Song „Boss Hoss“, der von einem Motorrad gleichen Namens handelt, haben sie auch den Bandnamen entliehen.

So richtig bekannt wurde die Formation durch die Teilnahme von Alec und Sascha als Juroren in der Casting Show The Voice Of Germany. Hier punkteten die Brüder im Geiste durch witzige Anmerkungen, eine gradlinige Bewertung, kompetente Aussagen zum Geschehen und ein charmantes Auftreten. Mit Ivy Quainoo konnten sie sogar die Siegerin einer Staffel präsentieren.

Bei ihren bisherigen Arbeiten bewegten sich Boss & Hoss immer zwischen purem Klamauk („Like Ice In The Sunshine“) und ernsthaftem Songwriting. Der knödelnde, einen US-Slang persiflierende Gesang von Alec ist dabei als Markenzeichen sofort identifizierbar. Jetzt hat sich die Band drei Jahre Zeit für ein neues Werk gelassen und feiert damit gleichzeitig ihr zehnjähriges Bestehen. Neben der Standardausgabe wird es noch eine Deluxe-Version mit einem zusätzlichen Coverversionen-Album geben, bei dem die Band unter anderem von ihren ehemaligen Voice Of Germany-Mitstreitern Xavier Naidoo, Nena und Rea Garvey unterstützt wird. Zu den ausgewählten Fremdkompositionen gehört unter anderem auch das unverwüstliche „Jolene“ von Dolly Parton, das auf der Standard-CD als Bonus-Track enthalten ist. Es lohnt sich aber auf jeden Fall, die Deluxe-Variante zu erwerben, denn die Auswahl der verwendeten Vorlagen und deren Einverleibung ins BossHoss-Universum sind hörenswert.

Für „Dos Bros“ suchten die Berliner neue Inspirationen und verzogen sich zum Schreiben nach Nashville, um dort mit einheimischen Songwritern zusammenzuarbeiten und dadurch neue Sichtweisen, Ideen und Meinungen einfließen lassen zu können. Diese Vorgehensweise hat dazu beigetragen, dass sie jetzt ursprünglicher und ländlicher agieren, also näher an ihren Rockabilly- und Country & Western-Wurzeln sind. Der Einsatz von elektronischem Rhythmusgerät wird aktuell auf zwei Einsätze begrenzt. Dazu gehört der titelgebende Track. Er wird mit Handclaps befeuert und von deftigen Beats, die sich wie Peitschenhiebe anhören, vorwärts getrieben. Im Ergebnis ist das näher am Dance-Pop als am Rock & Roll. Beim zugehörigen Video lässt es das Septett auch ordentlich krachen und bietet etliche aufreizende Frauen auf, die die sieben Musiker ordentlich zum Schwitzen bringen. Sex sells!

Aber die konzentriert eingespielt wirkende Scheibe hat noch wesentlich mehr zu bieten als bloße plakative Marketing-Strategie. So ganz nebenbei haben die Cowboys zwei der besten Songs ihrer Karriere eingespielt. „Today, Tomorrow, Too Long, Too Late“ baut auf dem Riff von „Suspicious Minds” von Elvis auf und ist nicht nur dadurch eine würdevolle Hommage an den King. „Tennessee Woman“ kann als akustisch gestützte Pop-Nummer mit tollen Hooklines und einem am Southern-Rock geschulten Gitarren-Solo überzeugen. Mit „Dos Bros“, dem R&B-Stampfer „I Like It Like That“ und „A Cowboys Work Is Never Done“, wo Dance-Beats auf Dobro-Klänge treffen, wirft das Album außerdem noch totsichere neue Live-Favoriten ab.

The BossHoss legen die ausgewogenste und gleichzeitig abwechslungsreichste Scheibe ihrer bisherigen Karriere vor. Sie zeigt ihr gesamtes Wirkungsspektrum und ist gut im Stück durchhörbar, weil die Qualität der Songs stimmt. Der Ritt nach Nashville hat ihnen also gut getan. Die Kapelle etabliert im Rockabilly/C&W-Umfeld eine Vorgehensweise, die dem ähnelt, was die Blues Brothers mit ihrer Variante des R&B und Soul geschaffen haben: Sie bearbeiten Roots-Music-Stile so, dass sie einen munteren Show-Act mit Massenkompatibilität abgeben. Und mit „Dos Bros“ ist ihnen schlichtweg gute Unterhaltung gelungen.

Anspieltipps:

  • Dos Bros
  • Today, Tomorrow, Too Long, Too Late
  • Tennessee Woman
  • Jolene

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