Joe Bonamassa - Live At Radio City Music Hall  - Cover
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Joe Bonamassa Live At Radio City Music Hall


  • Label: Mascot Records
  • Laufzeit: 120 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
5.3/10 Leserwertung Stimme ab!

Der fleißige Joe Bonamassa feiert standesgemäß den Abschluss einer eineinhalb Jahre dauernden Tournee.

Die Radio City Music Hall in New York ist ein Musentempel, der mitten im pulsierenden Manhattan steht und dessen Bau vom Multimillionär John D. Rockefeller in den 1920er Jahren in Auftrag gegeben wurde. Zunächst sind von dort nur Radiosendungen mit musikalischem Inhalt ausgestrahlt worden. Seit 1932 fanden auch Kinovorstellungen und Shows statt, der Schwerpunkt lag später aber auf Konzerten. In diesem ehrwürdigen Gebäude, dessen Bühnenlicht von der Farbe des Sonnenuntergangs inspiriert ist, den Rockefeller als Einwanderer bei der Ankunft in New York erlebte, waren viele Größen der Unterhaltung zu Gast. Unter anderem hatten Frank Sinatra, Ray Charles, Stevie Wonder und Liza Minnelli hier umjubelte Auftritte.

Auch für Joe Bonamassa war es eine große Freude und Ehre, zum Ende seiner anderthalbjährigen Tournee an zwei Abenden im Januar 2015 hier spielen zu dürfen. Seine Familie und Freunde waren zu Gast und der Entertainer wollte nochmal all sein Können aufbieten, um die Konzertreise zu krönen. Deshalb ließ er Ton und Bild aufzeichnen und als Ergebnis gibt es jetzt ein Set, bestehend aus einem Audio-Zusammenschnitt und einer Konzert-DVD bzw. Blu-ray.

Um das Ereignis authentisch nachvollziehen zu können, eignet sich am besten das Filmmaterial, weil hier der Ablauf in der richtigen Reihenfolge geboten wird. Die ersten sieben Songs sind durch den Einsatz von akustischen Instrumenten geprägt. Die Vorträge lassen aber trotzdem keine Wünsche hinsichtlich Dynamik, Kraft, Wucht und Energie offen. Hier zeigt es sich, dass es dem versierten Sänger, Gitarristen und Komponisten nicht gerecht wird, ihn als reinen Blues-Musiker zu klassifizieren. Er demonstriert nämlich eindrucksvoll, dass er genauso kompetent im Roots-Rock und Folk zuhause ist. Als Begleitung stehen ihm die Huckleberries zur Seite, eine Schar von exzellenten, einfühlsamen Instrumentalisten. Neben Musikern aus seiner Band helfen noch der irische Geiger Gerry O`Connor und der Schwede Mats Wester an dem traditionellen Instrument Nyckelharpa und der Mandoline mit, einen ausgeklügelten, transparenten Sound zu erschaffen.

Erst für den Blues-Klassiker „Hidden Charms“, geschrieben von Willie Dixon und bekannt geworden durch Howlin` Wolf, packt der bescheiden gebliebene Musiker die E-Gitarre aus. Joe macht keine großen Gesten auf der Bühne. Für ihn zählt, dass er einen guten Job abliefert und die Musik so lebendig und leidenschaftlich wie möglich präsentiert wird. Für den elektrischen Set hat der Chef im Ring die Mitmusiker teilweise getauscht und bietet jetzt seine langjährige Tourband auf. Nun stehen unter anderem Reese Wynans (Keyboards) von Double Trouble und der Percussion-Spieler Lenny Castro, der u. a. für die Rolling Stones und Fleetwood Mac gearbeitet hat, auf der Bühne.

Joe Bonamassa gehört zu den neuen Gitarren-Helden, die in der Tradition solcher Meister wie Rory Gallagher, Stevie Ray Vaughn, Tommy Bolin und Jimi Hendrix stehen. Die Basis seiner Kunst ist der Blues, er veredelt diesen durch eine individuelle Handschrift, die durch sauber gespielte, virtuose Muster auffällt. Sein Gitarrenspiel ist genauso makellos wie leichtfüßig. Die gut geölte R&B und Blues-Maschine zieht alle Register und hangelt sich durch diverse Stile. Elektrischer City-Blues („I Can't Be Satisfied“) gehört genauso dazu wie funkiger Stoff („Love Ain't A Love Song“, „One Less Cross To Bear“). Dann gibt es noch Southern Rock („Living On The Moon“, „Never Give All Your Heart“) und Balladen, die nach Südstaaten-Kaschemmen riechen („So, What Would I Do?“), zu hören. Für Statistiker: Der Mitschnitt enthält zwei neue Songs („Still Water“, „One Less Cross To Bear“) und sieben Lieder, die zum ersten Mal als Live-Versionen vorliegen.

Dieses Konzert von Joe Bonamassa hat einen hohen Qualitätslevel. Der Ablauf ist spannungs- und abwechslungsreich. Die Solo-Einlagen sind nicht zu ausufernd und die Songs haben Substanz. Die Band agiert engagiert und nicht routiniert. Da stört es auch nicht, dass es sich schon um das dritte offizielle Live-Album innerhalb von eineinhalb Jahren handelt. Denn von guter Musik kann es doch nie genug geben, oder?

Anspieltipps:

  • Dust Bowl
  • Trouble Town
  • Living On The Moon
  • Happier Times
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