Pentagram - Curious Volume - Cover
Große Ansicht

Pentagram Curious Volume


  • Label: Peaceville/EDEL
  • Laufzeit: 43 Minuten
Artikel teilen:
7.5/10 Unsere Wertung Legende
6.1/10 Leserwertung Stimme ab!

Neu entdeckte Spielfreude und Optimismus – die Urgesteine sind auf dem richtigen Weg.

Hört man den Namen Pentagram, fallen einem direkt mehrere passende Bezeichnungen ein: Legenden, Urgesteine, Originale, vollkommene Abgefucktheit, aber auch Genialität durch und durch. Und natürlich Bobby Liebling als eine der traurigsten Figuren des Metal. Genauso war, ist und bleibt es auch - mal abgesehen vom Frontmann, dem man eigentlich nur Gutes wünschen mag. Außer dass am Schlagzeug neuerdings ein gewisser „Minnesota“ Pete Campbell (In-Graved, The Mighty Nimbus, Vulgaari) sitzt, hat sich aber kaum etwas geändert, wenn es um Pentagram im Allgemeinen geht. Mit dem achten Studiowerk „Curious Volume“ wirkt es aber nach der ausgezeichneten, vielfach gelobten Dokumentation „Last Days Here“, als wäre Liebling endlich aus den Tiefen der Hölle wieder an die Oberfläche geklettert. Liebling selbst: „Satan hat mein ganzes Leben zerstört. Ich war 35mal im Entzug und bin 35mal wieder rausgekommen. Ich wurde zwei Mal angeschossen, zwei Mal mit Colts niedergeschlagen und lag acht Mal sterbend auf der Straße. Acht Mal hatte ich schwere Gehirnerschütterungen und zwölf Mal leichte. Von der Fixerei bin ich von Kopf bis Fuß mit Narben übersät. Ich wäre fast gestorben - und auf einer dieser Fahrten ins Krankenhaus war ich sogar zweimal klinisch tot.“

Ob „Curious Volume“ wirklich die Rettung Lieblings sein kann, ist schwer einzuschätzen. Aber vielleicht kann „Last Days Here“ für ein „Comeback“ sorgen wie einst „Anvil - Die Geschichte einer Freundschaft“ für Anvils „Juggernaut Of Justice“ (2011) oder „Hope In Hell“ (2013) - auch wenn „Last Rites“ (2011) das eigentliche Comeback-Album gewesen ist. Wobei: An Fans oder Aufmerksamkeit hat es Pentagram eigentlich nie gefehlt. Die Probleme haben sich an anderen Stellen gefunden und waren ständige Begleiter. Musikalisch blieb man aber seiner Linie treu und lieferte streng genommen nie etwas Schwaches ab. „Curious Volume“ ist da eine keine Ausnahme. In einer gefühlt noch nie dagewesenen Melange aus Optimismus und Spielfreude, tönt feinster Oldschool-Doom aus den Boxen, wenn Liebling und seine Männer es sich und uns ein für alle Mal beweisen wollen. Und können. Kompositionen wie „Dead Bury Dead“, „Devil's Playground“ oder „Because I Made It“ zeugen von den Stärken der Band aus Virginia: fieses, tonnenschweres Riffing, eine seltsame Erhabenheit und Melodien, die im Ohr regelrecht kleben bleiben. Frontmann Bobby klingt dabei wie nur er klingen kann. Ohne seinen Leidensweg für die Qualität seines Gesangs verantwortlich zu machen, ist doch Fakt, dass Bobby Liebling eine Einzigartigkeit versprüht, die nicht ohne weiteres so erreichbar wäre.

Bereits im rockigen Opener „Lay Down And Die“ wird das klar und zieht sich wie ein roter Faden durch „Curious Volume“. Wenn es dann zu zähflüssig wird, streuen Pentagram immer wieder kleine Verschnaufpausen ein und werden so ruppig-unbeschwert wie auf dem Vorgänger „Last Rites“ („Misunderstood“) oder rocken munter drauf los (Titeltrack). Und insgesamt macht das „Curious Volume“ zu der authentischen Angelegenheit, die der Anhänger der Band erwartet. Ungeschliffener aber dennoch in seiner Form schöner, reiner Heavy Metal mit Hang zu großen Melodien und einer Härte, die einfach nur die unverfälschte Laune der Musikrichtung herüber bringt, gibt es auch auf Pentagrams achter Platte. Auch wenn „Curious Volume“ nicht unbedingt der feinste Moment der Pioniere ist, so strahlt es mehr Ehrlichkeit und motherfuckin' Metal aus, als so manch anderer Output. Und der neu gewonnene Optimismus sollte nicht nur Liebling seinen lang ersehnten Frieden bescheren, sondern auch die Band endlich dahin bringen, wo sie hingehört.

Anspieltipps:

  • Dead Bury Dead
  • Curious Volume
  • Close The Casket
  • Devil's Playground
  • Because I Made It

Neue Kritiken im Genre „Doom Metal“
Diskutiere über „Pentagram“
comments powered by Disqus