Harlott - Proliferation - Cover
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Harlott Proliferation


  • Label: Metal Blade/Sony Music
  • Laufzeit: 44 Minuten
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6.5/10 Unsere Wertung Legende
5.8/10 Leserwertung Stimme ab!

Harlott spielen technisch perfekten, auf den Punkt gebrachten Bay Area-Thrash Metal.

Bei den Begriffen Musik und Australien werden 98% der normalen Bevölkerung an die seit Jahren gut in Schuss gehaltene Hardrock-Legende AC/DC denken. Spannende, neue Acts wie Be´lakor (progressiver Death Metal a la Opeth), In Hearts Wake (Melodic Hardcore Marke Killswitch Engage) oder die abgedrehte Latin/Djent/Hardrock/Swing/Polka/Dub-Formation Twelve Foot Ninja (am ehesten mit dem durchgeknalltem Diablo Swing Orchestra vergleichbar) werden vermutlich weniger zur Sprache kommen. Daran möchten vor allem Harlott aus Melbourne etwas ändern. Daher schnappen sie sich einfach den markanten Sound der San Francisco Bay Area, vermengen das Ganze mit der Aggression der heimischen Flora und Fauna und flitzen über die Gitarrensaiten, bis die Fingerkuppen qualmen.

Das klingt, wie sollte es anders sein, wie eine ums nackte Überleben kämpfende Coverband, die ausschließlich die großen Hits der Big Four (Slayer, Metallica, Anthrax, Megadeth) zum Besten gibt oder zwischendurch Exodus oder Overkill ins Portfolio mogelt, um sich den Status der „hart arbeitenden Live-Band“ zu verdienen. Im Grunde genommen ist der zweite Longplayer „Proliferation“ auch genau dieser tollwütige Mix aus Schnelligkeit und technischer Perfektion der Bay Area geworden, allerdings ohne neue Facetten oder einen eigenen Stil zu erschaffen. Harlott spielen ihren Stiefel schlicht und ergreifend locker hinunter und vergessen, dass es mitunter unzählige Retro-Thrash-Kapellen gibt, die auf ähnlichem Niveau das Tempo halten können.

Sicherlich jagt die Präzision eines „Restless“ oder „Systematic reduction“ jedem angehenden Saitenhexer oder Felldrescher gehörig Angst ein und die zackigen Rhythmuswechsel werden mit einer Selbstverständlichkeit in die Songs eingebaut, dass man sein Instrument am liebsten gleich wieder verkaufen würde. Doch wenn diese Show bei jedem Track wieder von vorne anfängt und nicht voranschreitet, dann ist das Schema hinter den Harlottschen Prügelattacken schneller durchschaut, als man „Riff“ sagen kann. Immerhin kennen Andrew Hudson (Gesang, Gitarre), Ryan Butler (Gitarre), Tomas Richards (Bass) und Tim Joyce (Schlagzeug) weder Mid- noch Downtempo und holzen meist in gleichbleibender Geschwindigkeit alles kurz und klein.

„Civil unrest“ gönnt sich zwar kurz eine Pause und „Cross contamination“ zeigt eindrucksvoll die Power, die hinter einer bissigen Temposteigerung stecken kann, doch nach dem fünften Mal wünscht man sich dann definitiv einen anderen Kniff wie z.B. ein anbetungswürdiges Solo. Dieses gibt es in den längeren Nummern auch durchaus im hinteren Drittel zu bestaunen, blöderweise ist dessen Einsatz so vorhersehbar wie das Amen in der Kirche. Kurzum: Harlott spielen technisch perfekten, auf den Punkt gebrachten Bay Area-Thrash-Metal. Nicht mehr und nicht weniger.

Anspieltipps:

  • Cross Contamination
  • The Fading Light
  • Legion

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