Avicii - Stories - Cover
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Avicii Stories


  • Label: PM:AM/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 55 Minuten
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4/10 Unsere Wertung Legende
4.8/10 Leserwertung Stimme ab!

Der Schwede schafft es, einem Werbejingle gleich, den Fokus der breit gefächerten Genre-Melange immer wieder auf ihn zu richten.

Bei der Veröffentlichung seines Debüts „True“ (09/2013) war Tim Bergling alias Avicii bereits bekannt wie ein bunter Hund. „Levels“ war ein millionenfach gehörter und gekaufter Clubhit, seine Sets auf diversen Festivals ließen seinen Rang im DJ Magazine stetig steigen, die Vorschusslorbeeren in Form des Appetithappens „Wake me up“ sorgten mithilfe von Aloe Blacc für weitere Platinauszeichnungen und mit der Single „Hey brother“ stand schon das nächste Edelmetall in den Startlöchern. Beweisen musste der mittlerweile erst 26-Jährige der Welt somit eigentlich gar nichts. Sämtlichem Erfolg zum Trotz sollte es dann dennoch nicht mehr und nicht weniger als eine Revolution am Tanzmusiksektor sein, die Avicii heraufbeschwören wollte. „True“ blieb auf diesem Wege durchaus einiges schuldig, doch vielleicht entschädigt der zweite Ausflug in die zugegeben recht bunte Welt von Herrn Bergling die leeren Versprechen des Vorgängers.

Behutsam ist dann allerdings das Stichwort, wenn es darum geht, den Fortschritt oder die allgemeine Gesinnung der 14 Tracks auf „Stories“ zu beschreiben. Um das Phrasenschwein zu bemühen: Tim geht einen Schritt nach vorn und anschließend sofort zwei zurück. Interessante Ideen werden präsentiert und umgehend von einem massentauglichen Refrain oder einer allzu simplen Hookline zerpflückt. Das funky Boogie Disco-Feeling, das in seinen besten Momenten an Daft Punk erinnert, ist in vielen Tracks allgegenwärtig, verliert jedoch durch Repetition und ein Übermaß an immer gleichen Melodieverläufen an Substanz und Wirkung („Talk to myself“, „Touch me“). Avicii schafft es zwar, den Fokus der breit gefächerten Melange aus Folkpop („Ten more days“), Country („Broken arrows“), Reggae („Can´t catch me“) und HipHop („Pure grinding“) auf ihn zu richten, einem Werbejingle gleich immer und immer wieder daran erinnert zu werden, dass man sich gerade ein Album des Schweden und nicht eines von David Guetta, Kaskade oder Netsky anhört, ist auf Dauer jedoch mehr als ermüdend und plump.

Hinzu kommen aufgewärmte Kamellen, die 2015 eben nicht mehr „Wake me up“, „You make me“ oder „The nights“ heißen, sondern „Trouble“, „For a better day“ oder „Waiting for love“. So etwas mag im Dance-Genre mit zugedrücktem Auge als Remix oder Edit gelten, in der hier auftretenden Redundanz müsste Herr Bergling beinahe gegen sich selbst Plagiatsvorwürfe erheben. Doch es gibt auch ein paar zarte Lichtblicke. „True believer“ gebärdet sich als zwischen Euphorie und dunkler Melancholie pendelnder Progressive House-Stampfer mit Vocals von Chris Martin (Coldplay) mitunter herrlich bockig, „Sunset jesus“ hätte mit ein bisschen weniger Avicii eine ganz nette Hommage an OPMs „Heaven is a halfpipe“ werden können und „Somewhere in Stockholm“ versucht sich an einem The Streets-Marsch, bleibt auf den letzten Metern aber leider etwas dünn.

„I may not be the best, but I´m far from the worst“ heißt es in „Trouble“ und so ähnlich verhält es sich auch mit „Stories“. Der Schwede erweitert sein Portfolio an interessanten Grenzüberschreitungen zwischen House und Pop, traut sich aber nicht so ganz, den kommerziellen Aspekt auszublenden und völlig losgelöst seiner Muse freien Lauf zu lassen. Zwischenzeitlich bekommt man sogar das Gefühl, die im Übermaß eingebettete Trademark-Melodiefolge des 26-Jährigen war ihm ein spezielles Bedürfnis, um sich bewusst als Initiator und Mastermind hinter dem Album darzustellen, anstatt die Revolution des Tanzmusiksektors voranzutreiben. Vielleicht gelingt ihm das ja mit seinem dritten Wurf!

Anspieltipps:

  • Pure Grinding
  • Ten More Days
  • Can´t Catch Me

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