Queensryche - Condition Hüman - Cover
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Queensryche Condition Hüman


  • Label: Century Media/Sony Music
  • Laufzeit: 53 Minuten
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7.5/10 Unsere Wertung Legende
5.9/10 Leserwertung Stimme ab!

Kein zweites „Empire“, die fünf Herrschaften befinden sich aber auf dem besten Wege dorthin.

Endlich herrscht wieder Ordnung bei Queensrÿche. War man sich nach der Trennung von Geoff Tate nicht mehr sicher, ob man lieber die neue Platte von Queensrÿche („Frequency Unknown“ vom April 2013) oder Queensrÿche (um die Verwirrung klein zu halten ebenfalls „Queensrÿche“ (06/2013) betitelt) kaufen soll, wurde nun außergerichtlich beschlossen, dass es nur eine Progressive Rock- / Metal-Band dieses Namens geben kann. Der geschasste Geoff macht dafür als Operation: Mindcrime weiter und legte bereits vor einem Monat das Debüt „The Key“ (09/2015) vor, das sich um Internet Banking, Aktienhandel und andere Themenkreise dreht, die im Zuge des digitalen Zeitalters kritisch von ihm beäugt werden. Dabei ist das Niveau im Vergleich zum lächerlichen Protestwerk „Frequency Unknown“ deutlich gestiegen, die bessere Truppe bleibt aber weiterhin jene um den wohl besten Tate-Ersatz, den man finden konnte.

Frischling Todd La Torre besitzt nämlich nicht nur eine äußerst variable Stimme, wie auch die nunmehr zweite Platte mit neuer Besetzung eindrucksvoll unter Beweis stellt, er verkörpert mit seinem Organ ebenfalls das Feeling und die Ausdrucksstärke von Geoff, die dieser Mitte der 80er-Jahre besessen hatte. Gemeinsam mit Michael Wilton (Gitarre), Parker Lundgren (Gitarre), Eddie Jackson (Bass) und Scott Rockenfield (Schlagzeug, Perkussion) schmiedete er darüber hinaus ein Album, das endlich den ganzen schwächelnden Müll der letzten Zeit vergessen lässt. Die Progressive Metal-Phantasien des Opus Magnum „Operation: Mindcrime“ (04/1988) oder die alles durchdringende Kraft der anschließenden Hitsammlung „Empire“ erreichen die fünf Herrschaften zwar nicht, sie befinden sich aber definitiv auf dem besten Wege dahin.

Nach dem Progressive Light-Auftakt „Arrow of time“, der schon ordentlich Dampf macht, poltert „Guardian“ als vorzüglicher Instant-Liveklassiker um die Ecke, bei dem man einfach nicht still sitzen kann. Die Grenzen zwischen Stadion- und Wohnzimmerbeschallung verschwimmen da vor allem durch die nüchterne, aber recht effektive Abmischung von Zeuss (Hatebreed, Rob Zombie, Shadows Fall) zusehends. So druckvoll, energisch und echt klangen Queensrÿche auf jeden Fall schon viel zu lange nicht mehr, selbst wenn die Gitarren gerne eine Spur weiter vorne im Mix platziert sein könnten. Bevor „Condition Hüman“ aber durch die Decke geht, bremst der Fünfer das Biest und bietet mit „Hellfire“ und „Toxic remedy“ zwei Nummern an, denen es ein wenig an Biss und Durchhaltevermögen fehlt, während „Selfish lives“ überhaupt zu schunkelig geraten ist.

Dafür erfinden Todd & Co. anschließend den epischen Longtrack im Westentaschenformat und präsentieren mit „Eye9“ einen lauten, kratzigen und aufmüpfigen Track, der bei Dream Theater wahrscheinlich 12 Minuten dauern würde, hier aber sämtliche Essenzen einer gelungenen Prog-Komposition bereits in 3:20 Minuten untergebracht hat. Für die Balladenfans schmiegt sich „Bulletproof“ ans Herz und „Just us“ sorgt in melodischer Höchstform für ein Lichtermeer im Stadion, das dazwischen erklingende „Hourglass“ stellt sich zudem als dynamischer Midtempo-Brocken vor, der die Kinnlade auf das unterste Niveau kippen lässt. Bevor das kleine Zwischenspiel „The aftermath“ den roten Teppich für den abschließenden Titeltrack ausrollt, dessen Spannung einem Hollywoodstreifen in nichts nachsteht, reißen Queensrÿche mit der flottesten Nummer „All there was“ noch schnell die Arena nieder. Kurzum: Für die Progressive Metal-Truppe könnte die Zukunft nicht rosiger und interessanter aussehen.

Anspieltipps:

  • Eye9
  • Guardian
  • Hourglass
  • Condition Hüman

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