Silbermond - Leichtes Gepäck - Cover
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Silbermond Leichtes Gepäck


  • Label: Columbia/Sony Music
  • Laufzeit: 48 Minuten
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5.5/10 Unsere Wertung Legende
5.7/10 Leserwertung Stimme ab!

Auch auf „Leichtes Gepäck“ findet der Hörer wieder die typischen großen Hymnen und Pathos-Balladen. Trotzdem ist dieses Album ein bisschen anders als die vorherigen.

Ein Blick in die Chart-Historie von Silbermond belegt, dass die Band aus Bautzen seit mehr als zehn Jahren nicht nur auf die vorderen Plätze in den deutschen Single- und Album-Charts geeicht ist, sie ist auch ein Paradebeispiel für Nachhaltigkeit. Denn im Gegensatz zu den Outputs vieler anderer Acts, sind die Silbermond-Platten nicht schon nach ein paar Wochen im Nirwana verschwunden, sondern halten munter mehrere Monate bis zu 1½ Jahre in den Charts aus. Dahinter steckt freilich ein hoher Aufwand aus Fan-Nähe, stetiger Präsenz und langen Tourneen. Doch es hat sich gelohnt. Mehr als fünf Millionen verkaufte Tonträger sind für eine deutsche Band großes Kino.

Mit „Leichtes Gepäck“ legen Silbermond nun den Nachfolger zum „Himmel auf“-Album (03/2012) vor. Es ist der fünfte Studio-Longplayer des Quartetts, der als eine Art Neuanfang verkauft wird, mit dem Silbermond „ausgetretene Pfade verlassen, um sich aufs Glatteis zu wagen“. Das ist löblich, aber auch kurios. Denn auch der Pressetext zum vorherigen Album haute in diese Kerbe und berichtete vom „Willen nach Veränderung“ und verkündete „die Lust auf Neues und die Aussicht auf Abenteuer“. Damals musste konstatiert werden, dass auf „Himmel auf“ von der kühnen Ankündigung bis auf ein paar Kleinigkeiten kaum etwas zu hören war. Und heute?

Duplizität der Ereignisse: Auch „Leichtes Gepäck“ bietet nichts von dem versprochenen Ausbruch aus den alten Mustern. Silbermond bleiben sich zu 100% treu und bedienen die Fans mit typisch getragenen, hymnischen Melodien, die mit den so gerne kritisierten Texten von Sängerin Stefanie Kloß eine vertraute Einheit eingehen. Doch wer sich nach mehr als zehn Jahren noch immer über lyrische Grenzwertigkeiten wie „Weil du auch menschlich nur allzu menschlich bist“ aufregen kann, verschwendet seine Zeit (sic!).

Zwar sind die Stücke heuer in der Tat düsterer und nicht so eingängig wie gewohnt ausgefallen, doch es steckt immer noch 100% Silbermond in ihnen. Dass die Band dabei fast vollständig auf schnellere Stücke verzichtet, könnte am Ende sogar als Überbleibsel der Idee gewertet werden, sich stilistisch ein wenig weiterzuentwickeln. Revolutionen sehen dennoch anders aus. Deshalb erfinden sich Silbermond auch anno 2015 nicht neu. Sie setzen die Bausteine ihrer musikalischen Identität lediglich auf eine andere Weise zusammen und fokussieren sich auf einen bestimmten Teil von ihr.

Zu erwarten ist, dass nicht viele Songs dieses Albums langfristige Dauerbrenner in der Live-Setlist der Band abgeben werden. Große Hymnen und Pathos-Balladen hatten die Bautzener schon immer auf der Pfanne. Der Unterschied: Auf „Leichtes Gepäck“ finden sich heuer kaum Songs, die einen der vorherigen Hits toppen können. Im Prinzip haben Silbermond diesmal schon mit dem Titeltrack als Singleauskopplung ihr Hitparaden-Pulver verschossen. Oder doch nicht?

Wer sich die Mühe macht und auf ein paar Details achtet, wird zumindest einige angenehme Ansätze finden, die auch Nicht-Fans immer wieder aufhorchen lassen, zum Beispiel wenn die Band Melodiebögen wie in „Zeit zu tanzen“, „Das Leichteste der Welt“ oder auch „Die Mutigen“ aus dem Ärmel schüttelt. Damit reiht sich „Leichtes Gepäck“ in die Liste der soliden Studioalben aus dem Hause Silbermond ein. Das Werk lässt erahnen, warum die Band so viele treue Fans hat, aber bei neutralerer Betrachtung auch nicht viel mehr der Ehrerweisung zu.

Anspieltipps:

  • Indigo
  • Zeit zu tanzen
  • Leichtes Gepäck
  • Intro (die Mutigen)
  • Das Leichteste der Welt
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