Killing Joke - Pylon - Cover
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Killing Joke Pylon


  • Label: Spinefarm/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 58 Minuten
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7.5/10 Unsere Wertung Legende
5.7/10 Leserwertung Stimme ab!

Ein ungemütliches Werk einer Band, die abermals sowohl musikalische als auch textliche Relevanz für sich bewahren kann.

Die Erfolgsgeschichte des britischen Urgesteins wird fortgesetzt und fast scheint es so, als habe es nie Reibungen oder Probleme gegeben. Mit völligem Selbstverständnis liefern Killing Joke ab. Nach „Absolute Dissent“ (2010) und „MMXII“ (2012) folgt mit „Pylon“ das dritte Album der Urmitglieder-Reunion und das insgesamt sechzehnte Album der Post-Punker und Industrial-Rüpel. Es hat sich nicht viel geändert. Auch „Pylon“ ist ein höchst ungemütliches Werk - und das nicht allein in musikalischer Hinsicht. Coleman, Walker, Glover und Ferguson mögen mittlerweile alte Herren sein, aber ihr Gespür für höchst sozialkritische Texte, welche auch im Jahre 2015 den Zeitgeist erfassen, ist geblieben. Dadurch wird „Pylon“ ein wichtiges weil sehr treffendes Album, das zwar nicht unbedingt zeitlos sein muss, aber definitiv relevant ist. Ihre apokalyptische, höchst dystopische Weltanschauung werfen Killing Joke sicherlich nicht über Bord und sie ist - so erschreckend es auch klingen mag - in der heutigen Zeit aktueller denn je.

Musikalisch ist „Pylon“ aber zeitlos, ungebunden. Die Band bringt den Mix aus Post-Punk, Industrial Rock (und -Metal) sowie Synth-Pop oder auch Techno auf den Punkt. „Pylon“ wirkt wütend, aufpeitschend und ist dennoch extrem smooth und schlüssig. Besonders die eingängigen Titel - das Single-Potential ist deutlich gegeben und hörbar - bringen Tanzbein und Verstand zusammen: „Euphoria“, „Delete“, „I Am The Virus“ sind treibend, gehen ins Ohr und bleiben dort. Die Stärken Killing Jokes liegen dennoch erneut in längeren, atmosphärischen und sorgfältig aufgebauten Kompositionen. Das melancholisch rockende „War On Freedom“ steht exemplarisch für die Post-Punk-Wurzeln des Quartetts, „Into The Unknown“ und „Big Buzz“ folgen dem Beispiel und zeigen die feinste Seite von „Pylon“. Die Nähe zu Metal ist dabei stets gegeben, wobei das Album mit dem düsteren Opener-Trio „Autonomous Zone“, „Dawn Of The Hive“ und „New Cold War“ besonders zu Anfang voll auf die Kacke haut. Das mit der beklemmenden, unwirtlichen Atmosphäre haben Killing Joke nun mal drauf und gerade in jener Hinsicht wirken sie taufrisch.

Da ist es auch zweitrangig, dass „Pylon“ kein zukünftiger Klassiker der Briten sein wird, dass sie zwar das Kunststück vollbringen, immer relevant zu bleiben, aber trotz der Original- und Urbesetzung sich so mancher Fan fragen wird, ob sie denn nicht schon mal besser gewesen sind. Ja, vielleicht. Aber ohne Killing Joke an ihrer eigenen Vergangenheit zu messen: Sie halten ein hohes Niveau, sie sind glaubwürdiger als irgendein wütender Twentysomething und für sie sprechen Kreativität, ein gewisser Anspruch und das kleine bisschen Hunger, welches die Band abermals davor bewahrt, zu zahnlosen Alt-Rockern zu mutieren. Alleine deshalb ist „Pylon“ empfehlenswert und interessant.

Anspieltipps:

  • New Cold War
  • New Jerusalem
  • War On Freedom
  • Big Buzz
  • Into The Unknown

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