Ektomorf - Aggressor - Cover
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Ektomorf Aggressor


  • Label: AFM Records
  • Laufzeit: 47 Minuten
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4/10 Unsere Wertung Legende
5.9/10 Leserwertung Stimme ab!

Trotz altbewährter Riffattacken schafft es „Aggressor“ nicht einmal durch die Plastikhaut einer handelsüblichen Budget-Salami.

Die absolut schlimme Idee, Zoltan Farkas seinen Thrash-Nährboden zu nehmen und diesen stattdessen mit semiakustischem Geklimper zu bestücken, sitzt noch immer tief in den Beinen. So sehr man jedoch auch versucht, „The Acoustic“ (02/2012) verstehen oder schön reden zu wollen, eine Sache hat der Tiefpunkt in der Diskographie der Ungarn ausgelöst: Obligatorische Sanftmütigkeit! Sowohl das anschließende „Black Flag“ (08/2012), als auch das qualitativ dezent nach oben zeigende „Retribution“ (01/2014) musste mit mindestens einer absolut untypischen Nummer gefüttert werden, die den Willen nach Veränderung demonstrierten sollte. Leider ging dieser Ansatz bislang mehr oder minder nach hinten los, denn sowohl das bemüht erwachsen klingende „Private hell“ regte zum Fremdschämen an, als auch „Collapsed bridge“, welches offenbar aus Zoltans Herzschmerzphase als Teenager stammt, bemühten ohne Widerrede die Skip-Taste.

Die schlechte Nachricht für „Aggressor“: Ektomorf lassen nicht locker und präsentieren mit „Emotionless world“ einen weiteren Versuch, die raue Stimme des Herrn Farkas als einfühlsames Organ zu etablieren, was sich durch den ungarischen Akzent erneut wie ein schlechter Scherz anhört. Als weitere Kostprobe der seichten Unterhaltung hängt sich dann noch „Scars“ dran, welches mit einer Schippe Pathos in epische Gefilde ausbrechen will, es trotz aufbegehrendem Gestus aber nicht einmal durch die Plastikhaut einer handelsüblichen Budget-Salami schafft. Blöderweise hält das restliche Material nicht dagegen und erkämpft sich wie im Vorgänger schweißgebadet den Ruf als groovende Thrashwalze zurück, sondern schwenkt bereits nach der ersten Nummer die weiße Fahne. Gut, Ektomorf haben es nach einer Zeile wie „I will not change / Why would I change? / This is my life the way I want to live“ sowieso nicht anders gewollt und auch das folgende Angebot ist mit Titeln wie „You can´t get more“, „You lost“ oder dem Zusatz „I´m not for you“ in „You´re not for me“ selbsterklärend.

Das Reißbrett für eine wuchtige Soulfly/Pantera-Sause hängt jedenfalls noch schiefer als sonst und wenn alte Kamellen über You can do it-Mentalität („Move on“) und Rachegelüste („Aggressor“) in donnernde Prügelattacken gepresst werden, die bereits vor knapp zehn Jahren schon veraltet waren, dann dürfen sich die Ungarn nicht wundern, wenn sie irgendwann keiner mehr hören will bzw. kann. Zugegeben, die eine oder andere Riffattacke bürstet einem das Haupthaar ganz ordentlich gegen den Strich („Eastside“, „Damned nation“), ein beispielsweise blutüberströmter Moshpit à la „Ambush in the night“ vom 2006er Werk „Outcast“ kommt dabei aber trotzdem nicht heraus. Vielleicht haben sich Zoltan & Co. bei George „Corpsegrinder“ Fisher nach der Kollaboration im Höhepunkt „Evil by nature“, der typisch für Cannibal Corpse ein paar Dynamikwechsel hinlegt und eine grunzende Abwechslung zum heiseren Krächzen darstellt, ja ein paar Anregungen geholt, die sie im nächsten Output einbringen werden. Mein Geld würde ich darauf allerdings besser nicht verwetten!

Anspieltipps:

  • Eastside
  • Evil By Nature

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