Lenny Kravitz - Just Let Go - Cover
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Lenny Kravitz Just Let Go


  • Label: Edel Records
  • Laufzeit: 150 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
4.9/10 Leserwertung Stimme ab!

Ein Konzertfilm, der sich aus Interviews, Ausschnitten von den Proben, „Behind the Scenes“-Material und den Auftritten der 2014er Europa-Tournee zusammensetzt.

Lenny Kravitz (51) gehört zu den beliebtesten Live-Acts der vergangenen 20 Jahre. Er hat sich überall auf der Welt ein treues Publikum erarbeitet, das geflissentlich ignoriert, dass Lenny Kravitz‘ Ruhm im Prinzip nur auf drei außergewöhnlich guten Alben basiert, nämlich seinen ersten Veröffentlichungen „Let Love Rule“ (09/1989), „Mama said“ (04/1991) und „Are You Gonna Go My Way“ (03/1993). Danach wurden Kravitz‘ Longplayer immer beliebiger, auch wenn ab und zu noch mal ein Singlehit wie „Fly away“ (1999) oder „I’ll be waiting“ (2007) zum Vorschein kam.

Der Bühnen-Performance hat das schwächere Studiomaterial nie geschadet. Lenny Kravitz präsentiert immer nur die Songs, die auf der Bühne funktionieren und gibt dabei regelmäßig alles. Der Körpereinsatz geht sogar so weit, dass schon mal Dandys Dödel aus der Hose schaut und zum Morgenappell bläst. Seitdem wissen wir, dass der kleine Lenny gepierct ist und tagsüber in einem Zoo als Schlange lebt. Lenny Kravitz live on Stage – da machste schon was mit! Und deshalb macht es auch Sinn, mal wieder eine Live-DVD/Blu-ray auf den Markt zu werfen, zumal es einige obskure, nicht offizielle Live-DVDs von Lenny Kravitz gibt, die mehr schaden als nützen.

„Just Let Go“ heißt nun also die neue Live-Disc von Mr. Kravitz. Doch Obacht! Hierbei handelt es sich nicht um den klassischen Konzertmitschnitt eines Auftritts. Das für den Konzertfilm verwendete Material wurde während eines Zeitraums von drei Monaten auf der ersten Hälfte der 2014er Europa-Tournee mitgeschnitten, die er mit seinem Album „Strut“ (09/2014) im Gepäck bestritt, und später zu einer kompletten Show zusammenmontiert. Diese wird flankiert von Interviews, Ausschnitten von den Proben und „Behind the Scenes“-Material, die zwischen die Songs geschnitten wurden. Diese Sperenzien sind nicht abwählbar, sodass ein ungestörter Genuss des Konzerts leider nicht möglich ist.

Aber deshalb firmiert „Just Let Go“ ja auch als Konzertfilm und nicht als lapidarer Konzertmitschnitt. So wird das Konzert mit dem Nummer-1-Hit „Fly away“ eröffnet und danach sofort der Stecker gezogen und eine längere Interviewsequenz gezeigt. Für diejenigen, die Lenny live und pur erleben wollen, ist das gewiss nicht das Gelbe vom Ei. Dafür sind die Konzertsequenzen schön altmodisch gehalten. Es gibt keine hektischen Bildschnitte, dafür langsame Kamerafahrten. Die imposante Lightshow wird genüsslich eingefangen und immer wieder das begeisterte Publikum gezeigt. Der Mitschnitt von Woodstock 1969 sah auch nicht viel anders aus.

Apropos 1969. Dass Lenny Kravitz kein Freund digitaler Medien ist, zeigt das Bild von „Just Let Go“, das vermutlich ganz bewusst nicht die Ansprüche an eine DVD bzw. Blu-ray erfüllt, indem insbesondere die Interviews mit Patina und einem stetigen, leichten Bildrauschen ausgestattet sind. Das hat Charme, weil es künstlerisch so gewollt ist. Genau wie der dokumentarische Charakter dieses Konzertfilms einen gewissen Charme hat, wenn der Betrachter nicht gerade darauf eingestellt ist, seine 700 Watt Surround-Sound-Anlage mit einem zweistündigen Power-Gig durchzupusten. Das wirkt aufgrund der häufigen Unterbrechungen eher suboptimal.

Anspieltipps:

  • Sister
  • Let love rule
  • American woman
  • Dirty white boots
  • It ain’t over ‘til is over
  • Are you gonna go my way
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