Josh Ritter - Sermon On The Rocks - Cover
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Josh Ritter Sermon On The Rocks


  • Label: Pytheas Recordings
  • Laufzeit: 45 Minuten
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6/10 Unsere Wertung Legende
7.1/10 Leserwertung Stimme ab!

Josh von der Tankstelle ist wie immer sehr amerikanisch und seine Heimat liebt ihn dafür.

Bob Dylan, Bruce Springsteen und Leonard Cohen. Damit wären einfach mal drei Namen aufgelistet, die für durchgehend feuchte Kritikerhöschen sorgen sollten. Oder sind die Kritiker es selbst, die Josh Ritter mit nahezu uneinholbaren Namen vergleichen, um Hörern Lust auf den sehr amerikanischen Musiker zu machen? Josh Ritter ist keine Institution der amerikanischen Musiklandschaft, doch wenn er regelmäßig zu den besten Songwritern und aufregendsten Musikern gezählt wird, dann hüstelt der geneigte Europäer gerne noch das Wort „amerikanische“ dazwischen. Auf „Sermon On The Rocks“ verbindet der Mann viele Elemente, die die (amerikanische) Musik groß machen und klingt dabei nicht nur wie seine (amerikanischen) Vorbilder.

Auch wenn „Get Ready To Get Down“ (Springsteen), „Birds Of Moses“ (Leonard Cohen) leicht auf ihre Einflüsse hin überprüft werden können, ist Ritter nicht von vornherein darauf aus, so wie diese Größen zu klingen. Allerdings gibt es nur so viele Klischees über Teile von Amerika und den damit zu verbindenden Musikstilen. „Getting Ready To Get Down“ ist ein Musik-Smoothie, der viele bekannte Zutaten vereint und am Ende gar nicht wie ein neues Stück Musik klingen kann. Ritter stützt sich auf das musikalische Erbe Amerikas in einer Weise, die ihn fest mit dieser verbindet und seine Kunst stets wie Handwerk klingen lässt. Dazu trägt auch das stereotypische Cover bei, welches selbst schwerhörigen Hörern klarmachen will: „Hey, guck' mal wie amerikanisch das alles aussieht und klingt!“

Von der typischen Singer/Songwriter-Ballade „Seeing Me Round“ zu Klavier geleiteten Rockern wie „Where The Night Goes“ wird aus jedem Lied ein Tribut. Doch wie es mit Tributen so ist, klingen sie in der Regel nicht so gut wie das Original. Ritters eher helleren Stimme sei Dank, hört nicht jeder die ansonsten offensichtlichen Parallelen zu mindestens einer Hand voll Namen, die Amerika in den letzten Jahrzehnten geprägt haben. Streng genommen macht Ritter auf „Sermon On The Rocks“ nichts nach, doch er bedient sich aus einem Baukasten, der Eigenständigkeit schwer erkennbar macht. Ritter schafft es nicht, wie zum Beispiel Black Rebel Motorcycle Club und Delta Spirit den Americana derart für sich einzusetzen, dass der eigene Fingerabdruck nicht verschwindet. „Sermon On The Rocks“ ist am Ende nicht viel mehr als eine Hymne für die USA, bei welcher der Musiker selbst auf der Strecke bleibt. Der Geist dieser Musik bleibt erhalten, doch wer die Musik macht, scheint letztlich ziemlich egal zu sein.

Anspieltipps:

  • Get Ready To Get Down
  • Where The Night Goes
  • Seeing Me Round

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