Dead Soul - The Sheltering Sky - Cover
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Dead Soul The Sheltering Sky


  • Label: Century Media/Sony Music
  • Laufzeit: 47 Minuten
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7.5/10 Unsere Wertung Legende
4.8/10 Leserwertung Stimme ab!

Dead Soul liefern den perfekten Einstand für eine schillernde Party für das Ende der Welt.

Grenzen zu überschreiten mag nicht der prominenteste Wunsch im Leben eines Musikers sein, wenn man aber einer gewissen Transgression nicht abgeneigt ist, so entstehen oftmals wunderbare Dinge, die ohne einen Funken Aufgeschlossenheit nie zustande gekommen wären. Niels Nielsen, seines Zeichens Multiinstrumentalist und Produzent solch illustrer Herrschaften wie Sonic Youth, Beck oder Maim, schloss sich eines Tages mit Blues-Gitarrist und -Sänger Anders Landelius zusammen, um dessen Album „One Man Riot“ mit ein paar elektronischen Effekten aufzupeppen. Die Kollaboration erwies sich in ihrem Heimatland Schweden als äußerst erfolgreich und nach ein paar Zwischenstopps beratschlagten die beiden über einen gemeinsamen Werdegang und gründeten Dead Soul.

Das Debüt „In The Darkness“ (10/2013) wurde beim Label Razzia Notes von In Flames-Sänger Anders Fridén aufgelegt und ehe sich Landelius und Nielsen versahen, klopfte Century Media an die Tür. Für Album Nummer zwei wollte sich das Duo davon aber nicht beeindrucken lassen und vermengt auf „The Sheltering Sky“ weiterhin Industrial Rock mit atmosphärischen Stimmungsgebilden, die vor Traurigkeit, Drama und Melancholie nur so strotzen. Als Sortierungshilfe gibt der Pressetext „Nick Cave trifft Nine Inch Nails trifft Johnny Cash“ an, während andernorts von „Dark electronic doom blues in symbiosis with industrial rage“ zu lesen ist. Dead Soul sind da schon genügsamer, ihnen reicht es, „if one person hears The Doors while another one thinks it sounds like NIN, and a third thinks Pink Floyd though Anders had Son House in mind when working on the basic song structure, I think we’ve succeeded.“

Im Großen und Ganzen also eine spannende Mischung, die nach dem Genuss des Zweitwerks durchaus als speziell eingeordnet werden kann, selbst wenn das Rad hier nicht neu erfunden wird. Wie es sich für Industrial gehört, halten einige schräge Soundeffekte und Synthesizer-Spielereien Einzug, die bereits im Opener „Until the last breath“ in zappeliger Glanz und Gloria aufgefahren werden. Zusammen mit den pathetisch aufgeladenen Hooks und einer epischen Untergangsstimmung liefern Dead Soul den perfekten Einstand für eine schillernde Party für das Ende der Welt. Anschließend brutzelt die Elektronik die Gehörknöchelchen („The fool“), der Anteil an lauten Geräuschen und unbarmherzigen Filtersounds hält sich jedoch in Grenzen. Überhaupt hat man das Gefühl, „The Sheltering Sky“ wird mit der Zeit immer gesetzter, was vor allem durch das mantraartige „Dirt road“ und den sich im Kreis drehenden Riffstrudel „Abyss“ unterstützt wird.

Ab hier beginnt dafür das Umfeld, in dem die Kompositionen von Nielsen und Landelius einen Nährboden erreicht haben, der wie geschaffen für die Fortpflanzung der oft etwas eigenartigen Klanggebilde ist. „Home by the sea“ fühlt sich als emotionales Wrack in einem musikalischen Trümmerfeld besonders wohl, während „Thy will be done“ bei Genesis vorbeischaut und aus der Verschmelzung von „Land of confusion“ und einer kathartischen Wall of Sound sämtliche Hüllen fallen lässt und ordentlich zu rocken beginnt, bis der langsam ausbreitende Klangflächenteppich „The final day“ angenehme Farbtupfer in die Landschaft setzt und nach und nach an diesen zu kratzen beginnt. Wäre das restliche Album auf diesem Niveau gewesen, alle Industrial- und Progressive Rock-Fans dieser Erde hätten sich die Finger danach abgeleckt. In vorliegender Form haben wir es lediglich mit einem ambitionierten, durchdachten, aber auch stellenweise einfach übereifrigen Stück Musik zu tun, dessen Hauptprotagonisten hoffentlich noch mehr Material zu veröffentlichen wissen.

Anspieltipps:

  • Dirt Road
  • Home By The Sea
  • Thy Will Be Done

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