Neon Indian - Vega INTL. Night School - Cover
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Neon Indian Vega INTL. Night School


  • Label: PIAS/Rough Trade
  • Laufzeit: 51 Minuten
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8/10 Unsere Wertung Legende
5.1/10 Leserwertung Stimme ab!

Ein (fast) perfekt inszeniertes Nachtleben.

Zuletzt hatten Arcade Fire ein Disco-Album herausgebracht. Nicht so konsequent wie nun Neon Indian und mehr am New Wave der Talking Heads orientiert, aber das Anliegen war eindeutig. Neon Indian nehmen sich weniger einzelne Interpreten zur Inspiration und fassen viel mehr die allgemeine Stimmung der Disco-Kultur der 80er-Jahre zusammen, haben aber definitiv auch „Reflektor“ gehört. „Slumlord“ und „Slumlord Re-lease“ sind offenkundig an „Here Comes The Night Time“ und „Here Come The Night Time II“ angelehnt. Sowohl beim Konzept, beide Lieder zu teilen, als auch beim Klang des Intros sind Ähnlichkeiten nicht zu überhören, wenngleich Arcade Fires Sound viel geerdeter ist.

Neon Indian überraschen auf ihrem dritten Album mit einem sphärischen, fast aufdringlichen Retro-Sound. Die letzte Konsequenz, mit der das Album zu einem perfekten Retro-Manifest inszeniert wird, ist beeindruckend. Hinter dem oberflächlichen Gewand befinden sich wahnsinnige Melodien. Gleich das erste Lied nach dem Intro, „Anni“, ist ein ansteckender Hit. „The Glitzy Hive“, „Techno Clique“ und auch „61 Cygni Ave“ stehen dem in fast nichts nach. Angesichts dieser enormen Hitdichte ist es im Nachhinein ein wenig ärgerlich. Denn „Vega Intl. Night School“ hätte ein Werk mit viel Nachhall werden können. Ist es ja irgendwie auch; man höre sich nur jedes beliebige Lied des Albums an. Aber einige (wenige) Ideen fügen sich nicht. „Smut!“ und „Street Level“ beispielsweise wirken überladen mit Effekten, die sie nicht gebraucht hätten. Fraglich, ob in den 80er-Jahren Menschen dazu getanzt hätten. Das sind Disco-Lieder, zu denen nicht getanzt werden möchte. Auch wenn das sich nicht der Anspruch war, sie stören die Stimmung des Albums, das sonst als makellose Inszenierung in Neonlichtern erstrahlt wäre.

Tricotronic: Dieser japanische Vorgänger des Game Boys. Befindet man sich in einem 8-bit Videospiel aus dem Jahr 1983? Aufs erste Hören ist das der Sound, zu dem sonst vermutlich Mario, Luigi und Zelda tanzen. Die CD-Cover-Gestaltung bestätigt ersteren Eindruck. Das muss erst Mal eingeordnet werden. Nur eins ist auch klar, wenn man nicht in Disco-Stimmung ist, wird dieses Album mit seinen sehr aufdringlichen Klängen sehr schnell zu einem Disco-Abend zum Vergessen. Oder es fühlt sich an wie ein Tetris-Spiel, in dem man schon nach zwei Reihen weiß: Das wird nix. Also, für dieses Album sollte sich besser in Stimmung begeben werden, denn dann ist es sehr gut. Während die winzigen Ausfälle wie „Smut!“ laufen, wird einfach Bier geholt, bevor weitergetanzt wird. Und wer sich in der Mini-Disco wohler fühlt, für den gibt es immerhin noch den Schmunzler „C’est La Vie“ mit einer irrwitzigen Wendung im Mittelteil.

Anspieltipps

  • Anni
  • The Glitzy Hive
  • Slumlord
  • Techno Clique
  • 61 Cygni Ave

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