Paul Armfield - Found - Cover
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Paul Armfield Found


  • Label: Popup Records
  • Laufzeit: 48 Minuten
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7.5/10 Unsere Wertung Legende
5.1/10 Leserwertung Stimme ab!

Trotz seiner imposanten Statur unterstellt sich Paul Armfield stets seiner Liederkunst und ist damit direkt mehr als nur ein Versprechen für die Zukunft.

Majestätisch und doch mit einer vermeintlichen Zurückhaltung trifft der Hüne Paul Armfield perfekt den Stereotyp des edlen Understatements. Als müsse der Sänger sich dafür entschuldigen, dass er mit seiner Stimme in die der Kammermusik entspringende Orchestermusik eines „A Dubious Trinity“ eindringt, ist seine tiefe, aber leicht hauchend klingende Stimme nur ein Rädchen im Getriebe. Ganz der Gentleman denkt Armfield scheinbar keinen Moment daran, dass seine Worte über dem Klang der Instrumente stehen könnten. Doch auch wenn das lange und ausgiebige Stück das Porträt des sanften Riesen repräsentativ zeichnet, ist das lange Stück nicht unbedingt ein guter Stellvertreter für „Found“.

„A Dubious Trinity“ ist vielmehr die große Übertreibung des Albums. Der meist melancholisch klingende Sänger macht aus seiner Liebe zu Streichinstrumenten und auch der Harfe kein Geheimnis und schafft eine Art Kammermusik, die ihn als Gitarrist als Ausgangspunkt, aber nicht unbedingt als Zentrum sehen kann. Auch wenn die meisten Lieder wie „In Elinor's Eyes“ und „The Boy In The Picture“ in ihrer ursprünglichen Form klar als Gitarrenspiel zu erkennen sind, mischen sich in der Regel die verschiedensten Einflüsse in die Lieder, sodass aus letzterem Song durch einen Wandel ein Chanson wird. Armfield versteht sehr gut, wie er mit nur wenigen Kniffen seine Musik verwandeln kann und sein im Grunde recht einfaches Grundrezept um Welten erweitert.

Irischer Folk („Reflected In My Heart“) steht Armfield dabei genauso gut wie die Kammermusik. Am schönsten wird „Found“ allerdings, wenn der Musiker sich traut, ein wenig aufmunternd zu klingen. „Lost On The Corner“ hüpft und springt durch die Intonation der Stimme unsicher, aber auch lebendig und hoffnungsvoll aus den Boxen. Durch das Zusammenspiel mit ungewöhnlichen und seltener eingesetzten Instrumenten wie der Mandoline und Artverwandten ergibt sich dann fast immer ein Klang, der aus einer sowieso schon schönen Ballade ein besonderes Stück Musik zaubert. Dass Lieder wie „From Tip To Filter“ selbst ohne solche Extravaganzen das Herz aufgehen lassen, ist dann ein abschließender Beweis der Klasse dieses Mannes.

Mal konzentriert sich Armfield auf das Erzählen („The Secateur Sister“), dann auf die Melodie („Wind-Up Gramophone“) und durch die Einflüsse aus Folk, Kammermusik und der World-Music ergibt sich ein ruhiges, aber stets kraftvolles Tonbild. Der Teufel steckt dabei im Detail, welches auf der zweiten Hälfte des Albums hier und da vernachlässigt wird, dann aber durch die oft himmlischen Melodien aufgefangen wird. Gerade die zweite Hälfte des Albums offenbart auch dem Letzten, dass Paul Armfield nicht nur dem Aussehen nach ein althergebrachter Liedermacher sein will. Die berührenden Geschichten wie „Under The Linden“ und das überzeichnet gesungene Weihnachtslied „Round The Tree“ sind nicht einfach nur Beweise, sondern direkt ein Geständnis. Das in der ersten Hälfte gezeigte Potenzial, welches mit diesen gut angewandten Tugenden gemischt wird, macht auf jeden Fall Lust auf mehr.

Anspieltipps:

  • From Tip To Filter
  • The Boy In The Picture
  • A Dubious Trinity

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