Panzerballett - Breaking Brain - Cover
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Panzerballett Breaking Brain


  • Label: Gentle Art Of Music/SOULFOOD
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6/10 Unsere Wertung Legende
5.7/10 Leserwertung Stimme ab!

Langweilig und spannend zugleich, irgendwie verrückt und schräg, aber sicherlich nicht so unkonventionell, wie manche sie gerne hätten.

Von vielen geliebt, von vielen gehasst und von mindestens genau so vielen direkt gemieden: Münchens erstes (und einziges/einzigartiges) Panzerballett. Wer noch nie einen Zugang zu den Virtuosen, Megalomanen, Über-Platzhirschen et cetera gefunden hat, wird auch mit dem fünften Werk „Breaking Brain“ nicht viel anfangen können. Das Schöne dabei: Man braucht da nicht mal ein schlechtes Gewissen haben, denn Panzerballett sind nun mal sehr speziell und wer dem musikalischen Wahnsinn nichts abgewinnen kann, soll genau so viel Recht haben wie die Verehrer dieser höchst ungewöhnlichen Kombo. Eins steht jedoch fest: Für zwischendurch ist „Breaking Brain“ wieder mal nicht geeignet und mindestens genauso sperrig und unnahbar wie seine Vorgänger. Das genaue Hinhören und die vom Hörer geschenkte Aufmerksamkeit werden zu Unsinn, Hintergrundbeschallung zur Guantanamo-Folter oder Liebeserklärung in einer Runde von kauzigen Musik-Nerds. Ohne all diese großen Worte entwerten zu wollen: Die Ungewöhnlichkeit der bayrischen Jungs ist gegeben, basiert aber auf vielen Hypes und Legenden Prog-ferner Hörer, die zum ersten Mal die Untiefen experimenteller Musik erkunden. Zu Normalos werden die Mitglieder der Band und ihre Musik dadurch aber auch nicht.

Zu behaupten, Panzerballett wäre die merkwürdigste Band der Welt, ist aber natürlich falsch. Irgendwo im hintersten Eckchen einer Nische halten sich Jan, Joe, Alexander, Heiko und Sebastian dennoch auf. Mathcore-Spackos, Shred-Aficionados oder Technical-Irgendwas-Kollegen schnallen Panzerballett immer noch am meisten und unter Umständen recht schnell. Das heißt, sofern sie sich mit dem dominanten Jazz (Rock, Core, Smooth, Free) in den Kompositionen anfreunden können. Doch genug der vielen Worte - legen wir „Breaking Brain“ lieber in den Schacht der Anlage. Was passiert? Alles und nichts. Der Opener „Euroblast“ fängt angenehm schlüssig und entspannend an und bleibt dies auch erstmal. Sind Panzerballett erfassbar geworden? Jein! „Typewriter II“ ist da schon „abgefuckter“, ein wenig kirre zwar, aber nachvollziehbar. Gleiches gilt für „Mahna Mahna“, „Smoochy Borg Funk“ und „Frantik Nervesaw Massacre“. An dieser Stelle folgt eine Beschreibung unkonventioneller Songwriting-Kunst/-Unfähigkeit mit einer Hand auf der Tastatur und der anderen im Cordhöschen. Die Hornbrille beschlägt schon.

Spaß beiseite! Panzerballett haben nicht ohne Grund ihre Anhängerschaft. „Shunyai“ und „Pink Panther“ beweisen dann endlich die echte Abgefucktheit, welche Fans an Panzerballett so lieben und lobpreisen. Hier geht 'ne Menge und sie geht im Zickzack. Das macht Spaß und das ist auf ungewöhnlichste Art und Weise auch höchst vergnüglich. Jederzeit kann irgendwas passieren und wenn es passiert, dann hat man damit auch nicht gerechnet. Nach einer Metal-Passage folgt ein entspanntes Saxophon-Solo? Klar, ein alter Hut. Aber immer noch irgendwie cool. Funk, akustische Parts, elektronischer Shit? Her damit!

Zugang zu hauptsächlich improvisiertem Material und dem musikalischen Einkochen von Marmelade sollte natürlich mitgebracht werden, aber das wissen die Fans des Panzerballetts natürlich. „Breaking Brain“ bildet da natürlich keine Ausnahme, auch wenn die fünf Musiker zahmer, gemäßigter und schlüssiger denn je klingen. Auf einer Verrücktheitsskala bleiben sie dennoch relativ weit oben, wobei es ohne Frage sehr viel Krasseres in der Musikwelt (insbesondere im Jazz, Prog und davon ausgehend) gibt. Eine Band wie Sigh oder Shining, welche ebenfalls stark mit dem Saxophon arbeiten, haben das Überraschungsmoment eher auf ihrer Seite als Panzerballett - eben weil sie Songwriting bieten und die Verrücktheit wohldosiert und dadurch wirkungsvoll verabreicht wird. Panzerballett stehen aber natürlich auch für Spaß und der ist gegeben. Fazit: Verrückt, irgendwie schief und unkonventionell, aber sicherlich nicht revolutionär oder übersinnlich - dafür aber stellenweise höchst vergnüglich und cool. Wenn eine der spannendsten und gleichzeitig langweiligsten Bands der Welt loslegt, bleibt kein Auge trocken, wobei sich jeder fragen muss, wie oft er sich das Panzerballett'sche Programm geben will.

Anspieltipps:

  • Der Saxdiktator
  • Shunyai
  • Pink Panther

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