Shining - International Blackjazz Society - Cover
Große Ansicht

Shining International Blackjazz Society


  • Label: Indie Recordings
  • Laufzeit: 39 Minuten
Artikel teilen:
7/10 Unsere Wertung Legende
4.5/10 Leserwertung Stimme ab!

Dein Soundtrack für die Fahrt in die Jazz-Hölle.

Vielleicht kennt der eine oder andere folgende Situation von Partys oder Sit-Ins:

Person A: Ey, Alter! Ich habe hier echt krassen Scheiß. Shining aus Norwegen machen richtig abgefahrenes Zeug. Ich lege mal ihr „One One One“ rein. Das ballert dir das Hirn aus'm Kopp!

Person B: Lass doch einfach die Musik laufen. „One One One“ nervt die Leute doch eh nur und versaut die Stimmung. Aber stimmt schon, Shining sind ja mal der Oberhammer! Aber Partystimmung? Neee.

Person A: Okay, aber ich habe hier „International Blackjazz Society“!

Liebe Musik-Nerds, Shining sind wieder da und Shining machen weiterhin ernst. Nach „One One One“ (2013) folgt „International Blackjazz Society“, das bislang siebte Album der Norweger. Und die selbsternannten Blackjazzer sind kein bisschen müde geworden. Ja, sie bleiben ihrer neuen Linie treu und vermeiden es abermals, verkopften, eventuell sogar djentigen Shit abzuliefern, bleiben eingängig (was im Falle von Shining relativ gesehen werden will) und entfernen sich sogar ein wenig vom großen Black-Metal-Einfluss. Mastermind Jørgen Munkeby (Saxophon, Gitarre, Gesang) navigiert sein Schlachtschiff dennoch stilsicher in den rettenden Hafen. Die Alt-Fans werden mit „International Blackjazz Society“ genauso ihren Spaß haben wie neu rekrutierte Anhänger, die sich von hinten nach vorne durch die Diskographie gekämpft haben. Ob Shining nun eingängig oder total abgefuckt/verfrickelt/technisch sind - das Geheimrezept funktioniert!

Metal, jazzige Jam-Architekturen, Industrial sowie elektronische Arrangements und, als Novum, Stoner-Elemente, werden organisch und logisch miteinander verknüpft. Auch auf „International Blackjazz Society“ hat das Chaos Struktur. Das Gesamtbild ist aberwitzig: Selten kann bereits ein Intro („Admittance“) so sehr auf den Punkt bringen, was in den kommenden knackigen 38 Minuten auf den Hörer zukommen wird. Der eigentliche Opener „The Last Stand“ ist dann Abgeh-Metal in Reinkultur und sicherlich das schlüssigste, eingängigste Lied Shinings überhaupt. Während allzu verfrickelte, chaotische Passagen durchaus ermüdend sein können, wartet der Hörer hier regelrecht auf diese. Auch bei den anderen Kompositionen sind sie das Salz in der Suppe und grundsätzlich ist das Saxophon der geheime Star des Albums. Mit „Burn It All“, „Last Day“ oder „Thousand Eyes“ perfektionieren Shining ihr neues Konzept weiter: Alles klingt ziemlich angepisst, knüppelhart und düster. Fans der ersten Stunde kriegen mit „House Of Warship“ und „House Of Endurance“ schließlich nochmal Kompromisse angeboten. Freejazzige Songstrukturen treffen auf hammerharten Metal, Shining zelebrieren die Unberechenbarkeit ihrer frühen Karrierejahre, bevor sie mit „Need“ nochmal, ähm, „eingängig“ sind.

Wann Shining denn wirklich besser gewesen sind, darf sich jeder Hörer selbst beantworten. Natürlich sind die Musiker weniger nerdig und werden ein weitaus größeres Publikum ansprechen können, doch haben sie auch eine gewisse Unbeschwertheit und Einzigartigkeit verloren bzw. jene modifiziert und in eine andere Richtung bewegt. „International Blackjazz Society“ ist in jener Hinsicht der absolute Höhepunkt, welcher die Karriere Shinings neu definieren könnte. Wie dem auch sei: Die Trademarks der Blackjazz-Platzhirsche sind auch trotz - oder gerade wegen - einfacherer, schlüssigerer Songstrukturen klar bemerkbar. Metaller mit ADHS und Freude an experimenteller Musik, die zur Abwechslung auch mal den Moshpit anheizen sollte, werden mit „International Blackjazz Society“ wieder mal ziemlich glücklich.

Anspieltipps:

  • The Last Stand
  • Burn It All
  • House Of Warship
  • House Of Control

Neue Kritiken im Genre „Black Metal“
Diskutiere über „Shining“
comments powered by Disqus